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18/09/2007 - Jazz - 28/08/08

Charles Mingus Sextet with Eric Dolphy

“Cornell 1964”


Bis vor kurzem ahnte niemand etwas von der Live-Aufnahme des Charles Mingus Sextett aus dem Jahre 1964, im Rahmen des Cornell Jazzfestivals. Erstmals wird nun dieses grandiose Konzert veröffentlicht.

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Charles Mingus gehört unbestritten zu den kreativsten und zugleich am kontrovers diskutiertesten Jazz-Musikern. Allein an der Schwierigkeit das Werk des Pianisten und Kontrabassisten stilistisch einzuordnen, scheiden sich die Geister. Denn Mingus verweigerte sich jeder Kategorisierung und schöpfte für seine Arrangements, Kompositionen und Improvisationen sowohl aus dem Bebop, Dixieland, Gospel, Blues als auch aus der lateinamerikanischen und der klassischen europäischen Musik. Vor allem Mingus duale Entwicklung vom modalen Jazz und die Anstachelung seiner Musiker zur freien kollektiven Improvisation, einer Vorwegnahme des später aufkommenden Freejazz, machen ihn zu den innovativsten Protagonisten des Jazz. Obwohl Mingus den Jazz stets weiterentwickelt hat, so stellte er dennoch immer wieder musikalische Bezüge zu seinen Wurzeln her. Speziell zu Musikern, in deren Bands er seine Erfahrungen gesammelt hatte, ob zu Lionel Hampton, Charlie Parker, Louis Armstrong oder Duke Ellington. Mingus bewegte sich auf einer musikalischen Metaebene, die ihm einen spielerischen Umgang mit all den Elementen des Jazz ermöglichte.

Eine weitere Ausnahmestellung hat Mingus im Jazz inne, weil sich der Pianist und Kontrabassist nie „nur“ als Musiker verstand. Er gründete unter anderem ein Label mit Max Roach, initiierte Workshops und Musikerkollektive und bezog mit seiner Musik politisch Stellung.

Die nun entdeckte Live-Aufnahme des Charles Mingus Sextett beim Jazzfestival in Cornell aus dem Jahre 1964 ist sowohl historisch als auch musikalisch äußerst bemerkenswert. Nach einem zweimonatigen Engagement im legendären New Yorker „The Five Spot“ Club und in Vorbereitung auf die anstehende Europa-Tournee war das Sextett perfekt eingespielt. Man hört es, wie die Musiker blind aufeinander reagieren und sich voll Spielfreude gegenseitig zu Höchstleistungen antreiben. Hinzu kommt, dass es eine der letzten Aufnahmen mit dem genialen Saxofonisten, Klarinettisten und Flötisten Eric Dolphy ist, der noch im Jahr der Aufnahme tragisch verstorben ist. Neben Kompositionen von Fats Waller und Duke Ellington interpretiert das Sextett vornehmlich Songs von Mingus. Besonders hervorgehoben seien hier die beiden fast 30minütigen Interpretationen von „Fables Of Faubus“ und „Meditations“, in denen die Musiker unzählige Rhythmen- und Stilwechsel vollführen, die ganz dem temperamentvollen Charakter von Charles Mingus entsprechen.




Literatur

Charles Mingus „Beneath The Underdog“
Edition Nautilus
Charles Mingus „Beneath The Underdog“
„Beneath The Underdog” und „Tonight At Noon” sind zwei Charles Mingus Biografien, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Aber erst durch die Lektüre beider Bücher, seiner Autobiografie und der Biografie seiner Frau über sein Leben, erhält man ein Bild von der expressiven Persönlichkeit des Ausnahmemusikers. Mingus war ein von Lebenshunger Getriebener. Liest man seine Autobiografie, ist man zunächst geschockt, aufgrund der sexuellen Ausschweifungen, seiner Großmäuligkeit und einer Zuhälterbiografie mit der er sich darin schmückt. „Beneath The Underdog“ ist jedoch eine Ansammlung von Vorurteilen, eine radikale Überzeichnung all der gesellschaftlichen Anfeindungen von Weißen und Schwarzen, der Mingus aufgrund seiner gemischtrassigen Herkunft ausgesetzt war. Er selbst bezeichnete sich als „Yellow Nigger“, als „Underdog“, oder, wie der Titel des Buches es darlegt, sogar noch eine Stufe darunter. Auch wenn seine Autobiografie nur wenige biografische Elemente enthält, so ermöglicht sie einen tiefgehenden Einblick in sein Innenleben und fördert seine darin vorherrschende Wut über gesellschaftliche und politische Missstände zu Tage.

Sue Graham Mingus „Tonight At Noon”
Edition Nautilus
Sue Graham Mingus „Tonight At Noon”
Sue Graham Mingus hat den Musiker erst nach der Veröffentlichung seiner Autobiografie kennen und lieben gelernt. Ihr Buch „Tonight At Noon“ ist eines der feinfühligsten Portraits über Mingus sowie eine der wunderbarsten Liebeserklärungen. Sie nahm die Herausforderung an, sich dem schwierigen Charakter Mingus’ zu stellen und durchlebte mit ihm gemeinsam die exzessiven Höhen und Tiefen einer Ehe, bis hin zu der schwierigen Zeit während seiner Krankheit, die schließlich zu seinem frühzeitigen Tode führte. „Tonight At Noon“ ist ein wundervolles Buch über einen der bewegendsten und genialsten Charakteren des Jazz.

Matthias Schneider
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Charles Mingus Sextet with Eric Dolphy
Cornell 1964
Edition-nautilus.de
Bluenote.com
Emimusic.de

Erstellt: 17-09-07
Letzte Änderung: 28-08-08


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