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Wettlauf um die Rohstoffe

Weltweit steigt die Nachfrage nach Rohstoffen, zumal Schwellenländer wie China, Brasilien und Indien ein rasantes Wirtschaftswachstum erleben.

Wettlauf um die Rohstoffe

Sauberer Strom - 20/01/09

Chat-Transkription

Prof. Jean-Marie Chevalier, Direktor des Geopolitischen Zentrum für Energie und Rohstoffe, hat in unserem Live-Chat Ihre Fragen beantwortet!

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Transkription des Chats:
Heute abend diskutieren wir über eines der dringlichsten Themen des 21. Jahrhunderts, über eine der grössten Herausforderungen für die künftigen Generationen. Ihre Fragen beantwortet Prof. Jean-Marie Chevalier, Direktor des Geopolitischen Zentrum für Energie und Rohstoffe.

 

Gildas Angers: Ist es richtig, dass die Kernenergie endlich ist? Ein Freund meint, wir hätten noch für 70 Jahre Uran.

J-M C.: Die heutigen Technologien werden mit einer Uranverknappung konfrontiert sein. Deshalb mussten neue Technologien entwickelt werden (Generation 4).

Die Umwandlung des Uran in Energie ist dann effizienter. Dann wird die Uranverknappung kein Problem mehr sein.

 

Gioia: Wie hoch ist der Anteil Europas am Weltenergieverbrauch?

J-M C.: Rund 13%; Ein Europäer 4 Tonnen, ein Amerikaner 8 Tonnen, die USA machen 5 % der Weltbevölkerung aus und verbrauchen 25% der Energie.

Diese Zahlen zeigen grundlegende Ungleichgewichte, diese sind das Kernproblem für das jetzige Jahrhundert.

 


Marc: Wie werden die Welterdölreserven eingeschätzt?

J-M C.: Jährlich werden Schätzzahlen veröffentlicht. Häufig ist man versucht, die Reserven durch den Jahresverbrauch zu teilen. Diese Quote war 1973 bei 30 Jahren, heute liegt sie bei 46 Jahren. Die Erdöl- und Erdgasressourcen sind vorhanden, jedoch muss zum richtigen Zeitpunkt ausreichend investiert werden, um sie fördern zu können.

 


Dartag01: Es scheint mir nicht korrekt, dass soviel Werbung gemacht wird für eine sehr ineffiziente Technik wie Photovoltai?

J-M C.: Zum heutigen Energiepreis ist Photovoltaik nicht effizient, aber diese Technik hat ein grosses technisches und wirtschaftliches Potenzial.

 

Pierre Bezoukhov: Halten sich die EVU an den Wettbewerb? Nutzen sie nicht das gespenst der Verknappung, um die Preise zu steigern? 140 $ bzw 55 $ für ein Barrel Erdöl, wie lässt sich das erklären? Warum zeigt sich dies nicht an der Tankstelle bei den Spritpreisen?

J-M C.: Alle Unternehmen wollen Geld verdienen. Alle Mittel sind im Einsatz, deshalb müssen sie genau beobachtet werden. Das ist die Aufgabe der Wettbewerbsbehörden. Die Preisschwankungen seit Juli 08 sind stark von der Spekaulation abhängig.

 

Marc: Ist der Kampf gegen den Klimawandel ernsthaft im Gang? Dabei streiten sich die Anrainer der Arktis und die Ölmultis die Reserven dort.

J-M C.: Das sind zwei separate Probleme. Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine weltweite Priorität. Die Sattaen vertreten aber auch ihre eigenen Interessen. Die Regulierung muss international besser werden.

 

JeremyAbihssira: Werden durch die sinkenden Erdölpreise die geplanten Investitionen in Exploration und Förderung in Frage gestellt?

J-M C.: Ja. Allerdings ist angesichts der Preisvolatilität keine echte Vorhersage möglich.

 

Paulo: Sind wir auf das Ende der follsilen Energieträger vorbereitet?

J-M C.: Nein. Aber angesichts des raschen Klimawandels müssen wir tätig werden.

 

Assia: Soll ein Teil der Wirtschaft verlagert werden, um Energie einzusparen?

J-M C.: Ja, wenn die Energiepreise nachhaltig hoch bleiben sollten

 

DerMars: Welche Kernfissionstechnologie wird es geben?

Wir erwarten Fortschritte bei der Kernspaltung der 4. generation und langfristig viel mehr von der Kernfusion.

 

Melina: Wie steht es mit der Politik Europas gegenüber Russland. Kann man überhaupt mit Russland über Energieressourcen verhandeln?

J-M C.: So soll die Interdependenz besser gehandhabt werden. Der Gaspreis hängt vom Ölpreis ab, wir haben deshalb nur geringe Verhandlungsmargen.

 

Michael dauphine: Wie lange werden wir angesichts der erwarteten Konsumsteigerung noch Erdöl haben? Wann werden wir ganz auf Erdöl verzichten können, wobei Erdöl auch für die Produktion von Biokraftstoffen benötigt wird?

J-M C.: Viele Faktoren spielen mit, Wirtschaftswachstum, Preise, technologischer Fortschritt, Nachfrageentwicklung. Das Ende des Erdöls ist nicht für morgen zu erwarten, aber man muss sich au die Zeit danach vorbereiten.

 

Dartag01: Warum wir die Vergütung für nachwachsende Energien nicht vom Lifecycle statt vom finanzlellen Ertrag abhängig gemacht?

J-M C.: Die Entwicklung der NE hängt von 2 Dingen ab: die finanzielle Rentabilität und die Fördermittel.

 

Gourm: Können die grossen EVU Wachstum und nachwachsende Energien vereinen?

J-M C.: Das ist für alle Unternehmen eine grosse strategische Herausforderung.

 

Josef: Haben wir noch eine Chance im Kampf gegen den Klimawandel, oder ist alles schon verloren?

J-M C.: Man kann kurzfristig pessimistisch sein, aber langfristig optimistisch. Mann darf nicht locker lassen.

 

Pierre bezoukhov: In Island wurde eine Wasserstofftechnik entwickelt, ist dies eine Patentlösung,

In Island gibt es grosse Erdwärmeressourcen.

 

Marcel: Warum wird in immer mehr Ländern Mais als Energiequelle verwendet, obwohl dadurch der Mais für den Verzehr knapper wird?

J-M C.: Die Maisbilanz ist schlecht. Bei den Biokraftstoffen, die aus Mais gewonnen werden, muss man Vorsicht walten lassen.

 

Jeremy: Stellt die Entführung des saudischen Supertankers vor Somalia eine Gefahr für die Tankerrouten dar und ist dies der Auftakt für eine neue Schlacht um das Erdöl?

J-M C.: Die Meerengen weisen grosse Sicherheitsprobleme auf. Die Überwachung muss verschärft werden, dadurch steigen die Transportkosten.

 

Jean baptiste: Ist die 4. Kerngeneration eine realistische Zukunftslösung? Wäre es nicht realistischer, die Produktion zu dezentralisieren?

J-M C.: Die 4. Generation ist keine globale Antwort. Die Dezentralisierung der Stromerzeugung kann von Vorteil sein. Verschiedene Technologien und System müssen miteinander kombiniert werden.

 

Azulus: Was steckt hinter dem berühmten Satz: "Wenn die 3. Welt genauso viel verbraucht, dann benötigen wir 7 Planeten wie die Erde".

J-M C.: Diese Grössenordnungen sind alarmierend. Wir müssen Kompromisse finden und die Finanzierung abstimmen.

 

Geraldine: Warum Solartanlagen auf dem Dach? Dies ist eine Vorschrift, die uns im Vergleich zu anderen Ländern benachteiligt.

J-M C.: Bitte die Frage neuformulieren.


Cedcoy: Wie können die Bürger auf die Regierungen und Unternehmen Druck ausüben, um neue Verhalten auszulösen?

J-M C.: Information, Sensibilisierung, Besteuerung, Anreize, Beispielhaftigkeit der Behörden.

 

Emma: Was geschieht mit dem Atommüll?

J-M C.: Die einzige Lagerungsstätte befindet sich in Finnland.

 

Pierre besoukhov: Sind die Franzosen zu sehr beeinflusst, um im Gegensatz zu den Deutschen bei der Kernenergie alles hinzunehmen?

J-M C.: Eine ehemalige EU-Energiekommissarin sagte: "Mann kann nicht gleichzeitig die THG-Emmissionen und die Kernenergie reduzieren."

 

Melina: Werden die Politiker auf Wählerstimmen verzichten um sich für die nachwachsenden Energien einsetzen?

J-M C.: Das hängt von den Wahlkreisen ab. Ich glaube an lokale Initiativen und dezentrale Vorgehensweisen, da können lokale Ressourcen mit klassischer Energie verbunden werden.

 

Monsanto: ist die Solidarität der EU-27 im Stromnetz ein Vor- oder Nachteil?

J-M C.: Ich bin für die Schaffung eines europäischen Unternehmens für die Beförderung des Stroms.

 

Marc: Europa und Frankreich investieren in CCS. Kann diese Technik eine nachhaltige Lösung darstellen?

J-M C.: Diese Technik ist zwar mittlerweile gut bekannt, aber noch teuer. Es wird noch Zeit braucehn.

 

Fifi: Ich wohne in einer Trabantenstadt, dort wird noch gebaut, allerdings werden noch herkömmliche Bautechniken verwendet . Wie kann man dies ändern?

J-M C.: Das Programm des französischen Umweltgipfels sollte dies ändern. Insbesondere wenn sich viele dafür einsetzen.

 

Michael dauphine: im Programm 3 x 20 des Grenelle-Umweltgipfels, wie hoch ist der geplante Anteil für Windkraft?

Die Öffentlichkeit ist immer stärker gegen die Aufstellung von WindrÄdern, dadurch könnte der Ausbau der Windenergie gebremst werden.

J-M C.: Das Temo der Kernenergieentwicklung ist von Land zu Land unterschiedlich. Es gibt eine technisch-wirtschaftliche Grenze für den Ausbau der Windkraft.

 

Emma: Wenn es kein Erdöl mehr gibt, wird dann auch der Kunststoff verschwinden?

J-M C.: Equivalente Produkte können mit Biomasse oder Kohle hergestellt werden. Die Geschichte ist von aufeinanderfolgenden Substitutionen geprägt.

 

Gourm: Wird Obamas Wahl ein Beginn für eine echte Umweltpolitik der USA sein?

J-M C.: Schon vor der Wahl Obamas gab es teilweise ein Umweltbewusstsein. Mini-Kyotos fanden statt. Dies wird durch Obamas Wahl noch beschleunigt.

 

Ffforz: Warum sollen wir unser Auto durch ein Fahrrad ersetzen, wenn Millionen von Chinesen ihr FAhrrad wegwerfen und durch ein Auto ersetzen? </b>

J-M C.: Das ist die Gretchenfrage!

 

Jakobi: Energiemanagement: wie kann im Sommer bei steigenden temperaturen die Kühlung der KWerke noch erfolgen?

J-M C.: Das ist ein unerwartetes Problem. Die Produktiuon und die Wartung der KKW müssen diversifiziert werden.

 

Pierre bezoukhov: Stimmt es, dass Wachstumsverlangsamung erforderlich ist, um die Katastrofe zu vermeiden?

J-M C.: Die kapitalistische Regulierung ist gefordert. Das Klima muss als Gemeingut verstanden werden. Eine qualitativ andere Wachstumsorientierung ist einem Nichtwachstum vorzuziehen.

 

Gcasa: Ist steigender Energiekonsum und begrenzte Energieressourcen wirtschaftlich ?

J-M C.: Das Potenzial der nachwachsenden Energien ist beschränkt.

 

Nelvea: Wird bei den nachwachsenden Energien die Endlichkeit anderer Ressourcen wie z.B. Metall berücksichtigt?

J-M C.: Anpassungen erfolgen über den Preis. Dieser Logik kann man sich nicht entziehen.

 

Anne: Gibt es eine gemeinsame EU-Energiepolitik, abgesehen von zahllosen Richtlinien?

J-M C.: Es gibt keine echte Energiepolitik, aber eine europäische Vision für eine nachhaltige Zukunft, 3 Ziele (3x20 für 2020), Verbesserung der Energieeffizienz, Senkung der THG-Emissionen und bis zu 20% Anteil der NE. Dies ist ein ehrgeiziges Ziel und Europa kann hier Modellcharakter ahben.

 

Salma: Autos mit Kraftstoffen, die nicht aus Erdöl gewonnen werden - ist es normal, dass für Menschen, die fern der Stadt leben (wie ich in Nordafrika), kaum "Tankstellen" dafür vorhanden sind?

J-M C.: Diese Wagen können sich nur dann verbreiten, wenn ein entsprechendes staatlich finanziertes Netz für die "Betankung" gebaut wird.

 

Marcel: Wie steht es um das Umweltbewusstsein der Chinesen?

J-M C.: Es werden Anstrengungen unternommen, die Umweltverschmutzung kann das Wachstum in China bremsen, deshalb muss sich China damit auseinandersetzen.

 

alma: Sind die NE die Lösung, um eine neue Weltwirtschaftskrise zu vermeiden?

J-M C.: Krisen sind zu komplex, es gibt keine einfachen Abhilfsmassnahmen. Die NE sind sicher ein Element.

 

Jackie: Kennen sie BRF?

J-M C.: Wir haben Ihre Webseite auf der Arte-Seite angegeben.

 

Michael dauphine: BP, Total die grossen Ölmultis, erhalten sie Subventionen für die Entwicklung von alternativen Energien?

J-M C.: Subventionen und Anreize werden allen gegeben, die hier forschen.

 

Josef: Wenn diese Probleme gelöst werden sollen, müssen die westlichen Länder dann nicht eine Schritt zurück gehen?

J-M C.: Nein, es müssen gemeinsame Lösungen gefunden werden, um dies zu vermeiden.


Anne: Kann Europa die Erneuerung des Kraftwerksbestands koordiniert vornehemen?

J-M C.: Europa muss gemeinsam daran arbeiten.

 

Madman: Die Konkurrenz der Betreiber wie von Brüssel verlangt, sollte zu Preissenkungen führen. Im UK sind die Preise frei, ist nicht genau das Gegenteil eingetreten?

J-M C.: Der Wettbewerb sollte die Preise senken, aber leider sind die Marktfundamentals eher steigend und Preissenkungen dadurch nicht möglich.

Innovation und intelligentere Angebote, darauf sollte man hoffen.

 

Quetzal: Welche Auswirkungen wird der Peak Oil auf die Gobalisierung des Handels haben?

J-M C.: Die Globalisierung des Handels kann stärker durch den Preis als den Peak in Frage gestellt werden.

 

Gilles heluin: Kann die Lösung rein technisch sein? Muss das jetzige Konsum-Gesellschaftsmodell hinterfragt werden?

J-M C.: Technische Lösungen dauern und sind teuer, deshalb muss die Konsumgesellschaft in Frage gestellt werden.

 

Massard: Ist das Masdar-Projekt (Abu Dhabi) technisch auch in Westeuropa vorstellbar?

J-M C.: Ja, in einer ganz anderen Form ist das Konzept der autarken Stadt vorstellbar. Davon wurde mehrmals im Film gesprochen.

 

Nichaunifroid: Technisch komplexe Lösungen, sind sie langfristig haltbar?

J-M C.: Die langfristigen Wirtschaftszyklen sind geprägt von kreativer Destruktion. Es ist ein zeitliches Problem. Die Preise sind ein wesentlicher Faktor bei den Zyklen.

 

Betehess: Überbevölkerung wird nicht wirklich thematisiert. Wird die Bevölkerung wachsen? Was ist die zulässige Höchstbevölkerung für die Erde?

J-M C.: Diese Frage hat nichts mit dem Film zu tun.

 

Ghost: Autarke Städte, ist dies in dicht besiedelten Regionen wie im alten Europa vorstellbar?

J-M C.: Auch im alten Europa gibt es noch freie Räume.

 

Ein letztes Wort, Herr Chevalier?

Danke für die zahlreichen und interessanten Fragen. Gute Nacht.





Erstellt: 29-08-08
Letzte Änderung: 20-01-09