Synopsis : (Erster Teil) 1956. Von Mexico aus, wo er im Exil war, nimmt Fidel Castro (Demian Bichir) ein Schiff nach Cuba, um dort den Widerstand gegen den General Batista zu organisieren. Er fördert die Guerilla mithilfe von Ernesto Guevara (Benicio del Toro). Dieser Argentinier, dem sehr schnell den Spitznamen « Che » auferlegt wird, erweist sich als ein gefürchteter Kriegsführer. (Zweiter Teil) 1965. Nach seiner Rede bei der UNO in New York, in der er den amerikanischen Imperialismus anprangert, gibt Che sein hohes Amt in Cuba auf, um in Südamerika Revolutionen anzustiften, diesmal allerdings in Bolivien. Alles fängt wieder von vorne an, wobei die Guerilla dort gefährlicher ausfällt als in Cuba. Die Lage wird zusehends kritischer.
Kritik: Obwohl der Film in spanischer Sprache gedreht wurde, ist « Che » entschieden amerikanisch insbesondere aufgrund jener unnachahmlichen Fähigkeit, trotz der vielen Nebenhandlungen die Spannung und die Kohärenz aufrechtzuerhalten. Fraglich ist, ob eine englische Version vorgesehen ist, zumindest für den nordamerikanischen Markt, denn Steven Soderbergh nimmt schliesslich ein relativ bescheidenes Budget in Anspruch und wendet sich somit von einer Superproduktion ab. Und wie so oft ergibt sich daraus ein sonderliches Werk, was durch eine gewisse Schwerelosigkeit und einen harmonischen Ablauf überrascht, obwohl sich verschiedene Perioden und Situationen überlappen. Dieser Film beruft sich auf zwei Vorbilder: einerseits auf Oliver Stone (jedoch ohne jenes typische mühsame Treiben) für den abwechselnden Schnitt und für die verschiedenen Bildtexturen (wie in « JFK » oder « Nixon »); anderseits auf Michael Mann (aber auf etwas bescheidenere Weise) für jene Kunst der Distanzierung, die aus den politischen Filmen der siebziger stammt und dessen paranoide Züge auch in « Revelations » und « Ali » zur Geltung kamen.Wie von einem Hauch Heroismus umgeben, der jedoch nicht über den physischen Schmerz hinwegtäuscht, ist Che vom seinem Kampf beseelt: er lebt nun in einer anderen Dimension (« Um hier zu überleben, um den Kampf zu gewinnen, muss du leben als wärst du schon tot. », erklärt er seiner Truppe). Darauf beruht gerade die zurückhaltende Regie Steven Soderberghs, der übrigens selbst unfassbar scheint. Das Bild des argentinischen Machos, das er gern für seine Männer bereithielt, ist hier kaum ausgeprägt: Che Guevara, durch Benicio del Toro personifiziert, befindet sich im Herzen eines verzwickten Dramas. Die Informationsflut vermischt sich mit dem epischen Ausmass des Filmes, der jedoch völlig nachvollziehbar ist, vielleicht gerade weil der Regisseur auf eine anti-spektakuläre, aber dennoch spannende und einnehmende Handlung setzt. Das Porträt hat den Anschein einer Mosaik und nicht einer Freske. Das Bild, das vom Che vermittelt wird, ist geradezu neutral: viele haben Che als Ikone für ihre Zwecke umgestaltet, Soderbergh dagegen befasst sich nur mit seinen Taten und Reden. 1964 gewährte der Revolutionär einer amerikanischen Journalistin ein geheimes Interview, dessen Offenbarungen sich dem Text der wütenden Offstimme im ersten Teil beimischen. Dies ist umso zutreffender als der Che sich im Interview damals noch zurückhaltender als sonst verhielt, um den Kriegsführer par excellence darzustellen.
Der zweite Teil ist dem ersten entgegengesetzt: wir wohnen hier dem langsamen Todeskampf Che Guevaras, gleichsam seinem Leidensweg bis Golgotha. Hier ergänzen sich der Drang zu den Grenzen der Filmkunst und das Schaffen eines überdimensioniertes Werkes. Der Tod des Kämpfers, die einzige subjektiv verfilmte Szene, scheint dem Che folgerichtig seine menschliche Dimension wiederzugeben. Obwohl er für seinen untypischen « Sex, Lüge und Video » die Palme D'or erntete, ist Soderbergh kein sinnlicher Regisseur; er bleibt seinem distanzierten, 'glatten' Stil treu: kein Pathos und keine unerträgliche Momente. Es wäre falsch, dies als mangelnde Risikobereitschaft zu deuten, denn diese Vorgehensweise trägt nicht nur dazu bei, den Film trotz gigantischer Laufzeit im Zaum zu halten, sondern auch dazu, dem politischen Engagement des bekanntesten Revolutionärs gerecht zu werden.Julien Welter







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In Form einer Mosaik und nicht einer Freske stellt dieses Porträt Che Guevaras ein gewagtes Experiment an der Grenze der Filmkunst dar: ein Unterfangen wie es nur das amerikanische Kino zu wagen vermag.
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