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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 09. November 2006 - 07/11/06

Children of Men

Ein Film von Alfonso Cuarón


Düstere Vision
der nahen Zukunft

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Großbritannien/USA 2006, 108 Min.
Regie: Alfonso Cuarón
Mit Clive Owen, Juliane Moore, Michael Caine, Clare-Hope Ashitey


  • Im Gespräch mit dem Regisseur Alfonso Cuarón und den Schauspielern Julianna Moore, Clive Owen und Michael Caine

Alfonso Cuaron über den Film
(00:00:42, mp3 Real Audio)
Julianna Moore über den Regisseur
(00:00:19, mp3 Real Audio)
Julianna Moore über die Geschichte
(00:00:35, mp3 Real Audio)
Clive Owen über das Ungewöhnliche an dem Film
(00:00:56, mp3 Real Audio)
Clive Owen über die Botschaft des Films
(00:00:41, mp3 Real Audio)
Michael Caine über seine Rolle
(00:00:44, mp3 Real Audio)
Michael Caine über den Film
(00:00:13, mp3 Real Audio)

Synopsis: London im Jahre 2027. Die Menschheit leidet unter einem Fruchtbarkeitsdefekt. Der jüngst Erdenbürger stirbt mit 18 Jahren. Überall herrscht Anarchie. Der ehemalige politische Aktivist Theo wird aus seiner Lethargie gerissen, als seine Ex-Geliebte ihn von ihrer neuen Terror-Organisation kidnappen lässt. Sie überredet ihn dazu, mit Hilfe seiner alten Kontakte die junge Kee außer Landes, in Sicherheit zu bringen. Wie sich herausstellt, ist Kee schwanger, was für etliche Gruppierungen von großem Interesse ist...


Kritik: Alfonso Cuarón ist mit CHILDREN OF MEN eine beängstigend real wirkende Dystopie gelungen, die noch lange im Kopf des Zuschauers nachwirken wird. Das liegt einerseits daran, dass der Film in sehr naher Zukunft spielt. 2027 sieht alles noch ähnlich aus wie heute, nur die Technologie hat sich weiterentwickelt. Doch die Menschheit ist in nackter Anarchie versunken. Sie weiß, dass sie aussterben wird und somit scheint für die meisten Menschen alles egal geworden zu sein.

Einzig England wird noch von einer Art Militärdiktatur straff regiert. Grund für viele Flüchtlinge aus der ganzen Welt, dort hin zu wollen. Doch sie werden direkt nach ihrer Ankunft wie Tiere in Käfige gesperrt. Plakatwände werben mit dem Slogan „Sie bestimmen wann“ für ein frei erhältliches Gift, das sich jeder für seinen Freitod besorgen kann. Cuarón hat sich von realen Ereignissen und aktuellen politischen Themen bei seiner Inszenierung inspirieren lassen, das macht seinen Film einerseits unheimlich und gleichzeitig so interessant.

Das Geniale an CHILDREN OF MEN ist, dass es dem Film gelingt, den Zuschauer von Anfang an so sehr in seinen Bann zu ziehen, dass dieser die finstere Zukunftsvision regelrecht physisch mit erleidet. Dies gelingt ihm zu einem großen Teil durch die hervorragende Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki, der sein Können bereits für Regisseure wie Terrence Malick , Michael Mann und Tim Burton unter Beweis stellte.

Der ganze Film ist in einem dokumentarischen und damit sehr atmosphärischen Stil gedreht, der den Zuschauer noch viel dichter an die Handlung heranführt. Es gibt kein Entkommen. Diese Wirkung kommt vor allem in den Actionsequenzen zum Tragen, etwa in einer mehrere Minuten dauernden Plansequenz, in der Theo erst bei einer Straßenschlacht in einen Hinterhalt gerät, sich dann einem Kreuzfeuer aussetzt um in einem besetzten Haus Kee zu finden und zu retten, die bereits ihr Baby geboren hat. Die Szene ist sehr überzeugend inszeniert, man fühlt sich als sei man inmitten einer Kriegsreportage und bangt jede Sekunde mit.

Auch dadurch, dass der Zuschauer genauso wenig Überblick über die sich ständig wendende Handlung hat und es ihm dabei genauso wie der Hauptfigur Theo ergeht, wird ihm wie Theo auch immer wieder der Boden unter den Füssen weggerissen. Das ist innerhalb des Films logisch und keineswegs ärgerlich; die Hoffnung bleibt. Sie stirbt ja bekanntlich zuletzt.


Die Besetzung des Films ist mit Clive Owen als Theo, Juliane Moore als seine Ex-Geliebte und Clare-Hope Ashitey als schwangere Kee sehr gut gelungen. Eine sehr schöne Rolle, die die wenigen versöhnlichen und warmen Momente des Films liefert, verkörpert Michael Caine als Jasper, der einzige und älteste Freund Theos, der ebenfalls mal politischer Aktivist war. Er wohnt mit seiner stummen Jugendliebe in einem Haus im Wald, in der Nähe von London. Theo besucht ihn manchmal, um mit ihm zu kiffen und die gemeinsame Vergangenheit nostalgisch aufleben zu lassen. Auch er findet ein sehr trauriges, aber immerhin stilvolles Ende.

Engländer scheinen ein Abo zu haben auf Dystopien, dem Gegensatz zu Utopien, den Zukunftsvisionen eines perfekten Staates. George Orwell (1984), Aldous Huxley (SCHÖNE NEUE WELT) und Ray Brudbury (FAHRENHEIT 451) haben dies eindrucksvoll in der Literatur bewiesen. Danny Boyle (28 DAYS LATER), Alan Moore (V FOR VENDETTA) und Michael Winterbottom (CODE 46) drehten beeindruckende Filme zum Thema. CHILDREN OF MEN reiht sich hier nahtlos ein, auch wenn der – bereits für den Oscar nominierte - Ausnahme-Regisseur Alfonso Cuarón (Y TU MAMÁ TAMBIEN) aus Mexiko stammt. Aber der gleichnamige Roman stammt immerhin aus der Feder der englischen Bestellerautorin P.D. James, die vor allem für ihre Kriminalromane bekannt und beliebt ist.


Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 07-11-06
Letzte Änderung: 07-11-06