Samstag, 12. September 2009 um 19.00 Uhr - 10/09/09
Chinesen kaufen Kamerun
Von Patrick Fandio – ARTE GEIE / Impala Productions – Frankreich 2009
Die chinesische Wirtschaft kauft weltweit Öl und Erze und seit einiger Zeit erwerben sie auch Land in Afrika, etwa in Kamerun.
Für die Menschen im Dorf Ndioré und in der Stadt Nanga Eboko am Ufer des Flusses Sanaga, der über 900 Kilometer durch das Land fließt, sind die Chinesen ein alltäglicher Umgang: Professor Chang und seine Mitarbeiter von IKO bauen dort seit drei Jahren auf 14 000 Hektar Mais, Reis, Soja und Maniok an. Daneben haben sie eine Fabrik zur Verarbeitung der Ernte errichtet und ein Ausbildungszentrum.
Es ist ein interessantes Geschäftsmodell: Die chinesische Delegation hat mit der Regierung vereinbart, über das Land kostenlos verfügen zu können. Im Gegenzug sicherten die Chinesen zu, Gemüse und Getreide in Massen zu produzieren und auf den lokalen Märkten zu bezahlbaren Preisen anzubieten. Die Landbevölkerung arbeitet auf den chinesischen Feldern für umgerechnet 1,50 Euro pro Tag – dafür mussten sie ihre Felder den Chinesen überlassen, auf denen sie bis dahin Familie für Familie Landwirtschaft betrieben hatten.
Im Osten des Landes steht eine alte verlassene Fabrik zur Reisverarbeitung – sie ist das nächste Objekt der chinesischen Geschäftstüchtigkeit. Dort will die Gruppe IKO einsteigen, dies alles mit dem ausdrücklichen Segen der chinesischen Regierung.
Präsident Hu Jintao fördert diese Pläne, denn im rasanten chinesischen Wachstum gehen mit der Industrialisierung in China immer mehr Anbauflächen verloren und damit werden immer mehr chinesische Bauern arbeits- und landlos. Millionen Bauern könnten also bald afrikanische Äcker bebauen.
In Kamerun werden die Chinesen wohl demnächst die komplette Kette der Nahrungsmittelerzeugung dominieren. Genau das kritisieren die internationalen Hilfsorganisationen: Der Ausverkauf der Erde der armen Staaten kônnten bedeuten, dass sie ihre Eingeständigkeit der Nahrungsmittelerzeugung auf lange Sicht komplett verlieren. In diesen Krisenzeiten ist Land zu einer strategisch wichtigen Ressource geworden.
ARTE Reportage
Samstag 19. September 2009 um 06.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2008, 43mn)
ARTE
Erstellt: 10-09-09
Letzte Änderung: 10-09-09