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10/03/05

Christian Dreller, Achterbahn GmbH

Interview mit dem Verlagsleiter der Achterbahn GmbH, Christian Dreller


„Tarot Café als Einstiegsdroge“

Mang'Arte: Der Achterbahn Verlag wurde im Jahr 2003 gegründet und ist somit ein eher junger Verlag. Wie entstand damals die Idee einen Verlag zu gründen und was waren Ihre Beweggründe?

Das Programm, welches heute bei Achterbahn zu Hause ist, gab es schon bis 2002 innerhalb der Achterbahn AG. Als diese im Herbst 2002 Insolvenz anmelden musste, wurde schnell klar, dass der klassische Verlagsbereich innerhalb der AG wirtschaftlich durchaus lebensfähig war. Als damaliger Verlagsleiter konnte ich zusammen mit dem Programmleiter Andreas Hahn-Heinrichs schnell Partner finden, um die Strukturen zu retten und in einer neuen Firma zusammen mit dem Gesellschafter Lappan Verlag aus Oldenburg auszubauen.

Mang'Arte:Der deutsche Manga-Markt wird sehr stark von Großverlagen dominiert. Wie stehen Sie diesen Konkurrenten gegenüber und was unterscheidet Sie als kleinen Verlag, was Ihr Angebot und Ihren Alltag betrifft von diesen Giganten?

Wir haben ein tragfähiges Comicprogramm, das ganz ohne fernöstliche Themen auskommen würde. Da wir aber einige inhaltlich interessante Titel und Reihen entdeckten, haben wir unseren Programmhorizont um koreanische Comics, sogenannte „Manhwas“ erweitert. Wir können uns als kleiner Verlag also ganz gezielt besonders schöne Happen aus dem großen Angebot fischen – das zeigt sich auch in der Sorgfalt, mit denen wir zu Werke gehen, denn unsere Manhwas sind aus untypisch hochwertigem Material hergestellt und liegen in der höheren Preisklasse um 10,- €.

Mang'Arte:Der Achterbahn Verlag hatte sich bisher sehr stark auf deutsche Comics spezialisiert. Doch seit kurzem sind auch Manhwa-Veröffentlichungen vorzufinden. Haben Sie vor, sich in der Zukunft verstärkt auf diesen Bereich zu konzentrieren?
Wir leisten uns da sehr wenig Scheuklappen – wenn uns mehr fernöstliche Titel begeistern, wird es da sicher noch mehr geben, wenn es keine überzeugenden Themen und Autoren gibt eben weniger. Auf jeden Fall werden wir weiterhin eine der ersten Adressen für deutsche Zeichner und Autoren bleiben.

Mang'Arte:Der koreanische Comic, der Manhwa wird in der europäischen Leserichtung gelesen, während der japanische Manga von hinten nach vorne gelesen wird. Haben Sie vor, bald auch Manga-Autoren in Ihren Verlag mit aufzunehmen?
Nein, das ist bisher nicht geplant.

Mang'Arte:Können Sie sich vorstellen, dass Ihre Kundschaft, die bisher eher deutsche Comics gelesen hat, sich für Mangas begeistern werden kann oder stellen die Manga-Leser eine separate Leserschaft dar?

Wir unterscheiden noch ein wenig zwischen dem Manhwa- und Mangaleser, das ist u. a. ein Grund für unsere Entscheidung keine Mangas zu verlegen: Der deutsche Comicleser, der bisher keine östlichen Bücher in der Hand hatte, findet mit dem Manhwa, der ja wie gewohnt von links nach rechts gelesen wird, eine einfachere Einstiegsdroge als in einem Manga aus Japan.


Mang'Arte:Wie erklären Sie sich den immensen Erfolg von Mangas auf dem deutschen Markt in den letzten Jahren? Was macht Ihrer Meinung nach die Faszination der Manga-Welt aus?

Es gibt immer große Wellenbewegungen in den Trends, so alle 10-15 Jahre dreht sich das meist komplett. Anfang der Neunziger wurde die Welt mit franko-belgischen Comics überschwemmt, jetzt sind es Mangas – was ja gar nicht so schlecht ist. Sicher hat das Fernsehen mitgeholfen, Mangas bekannt zu machen. Die bekannten Serien liefen und laufen auch alle im Fernsehen, das gibt auch den Comicverkäufen Schwung. Dazu ist eine ganz neue Generation von Lesern herangewachsen, die mit Mangas das Lesen begonnen haben, ohne Berührungsängste. Hinzu kommt, dass es Mangas schon sehr günstig gibt – ob vom Taschengeld sechs Euro für einen preiswerten Manga oder das doppelte für einen klassischen Comic ausgegeben werden soll, ist bei den jüngeren Lesern sicher oft eine wichtige Frage.

Mang'Arte:Am 28.2. erschien der zweite Teil des erfolgreichen Manwhas Tarot Café. Wie würden Sie Lesern dieses Interviews die Neuveröffentlichung schmackhaft machen?
Am besten erst in den ersten Teil der Serie schauen – die unglaublich kunstvollen und detailverliebten Bilder suchen ihresgleichen, dazu kommen die spannenden und düsteren Figuren. Danach hält man es kaum noch bis zum nächsten Band aus ...

Mang'Arte:Wie wird des mit der Tarot Café Reihe weitergehen? Hat die Autorin Park Sang Sun bereits weitere Projekte angekündigt?
In Korea existieren bereits fünf Bände, die bei Achterbahn erscheinen werden. Die Autorin hat in Korea auch andere Titel z. B. in Zusammenarbeit mit anderen Storyschreibern herausgebracht.

Mang'Arte:Was werden Sie Manga-Fans 2005 noch bieten können?
Im April kommt Band 4 des Tarot Cafés, Band 5 ist in Vorbereitung, außerdem arbeiten wir gerade an einer neuen Reihe aus Korea – das ist natürlich noch alles geheim, aber es werden genauso schöne Manhwas wie unser Tarot Café!

Mang'Arte:Herr Dreller, ich danke Ihnen für dieses Interview!


Interview wurde von Patricia Czarkowski durchgeführt. März 2005


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Mang'Arte
Das Online-Magazin für das „andere“ Manga

www.arte-tv.com/mangarte

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Erstellt: 10-03-05
Letzte Änderung: 10-03-05