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08/02/05

Christina Plaka, Manga-Zeichnerin

Begegnung mit Manga-Zeichnerin Christina Plaka.
Vor zwei Jahren ist die heute 20-jährige als neues Mangatalent entdeckt worden, heute zählt sie zu den wenigen professionellen, deutschen Mangaka. Mit "Prussian Blue" ist im Herbst letzten Jahres ihre erster eigener Band erschienen und im Februar 2005 wird Tokyopop ihr erstes Taschenbuch publizieren. Mehr darüber von Christina persönlich....

Mang'Arte: Wie sind Sie zum Mangazeichnen gekommen? Was hat den Anstoß gegeben?
Das waren die ersten Anime, die ich vor etwa 10 Jahren regelmäßig auf RTL2 gesehen habe - solche wie Mila Superstar ( Attack No.1 ), Lady Oscar ( Berusayu no bara ) oder   u.a. Die kleinen Superstars ( Hikari no densetsu ). Zu der Zeit wusste ich gar nicht, dass es zu diesen Animationen auch Mangavorlagen gibt oder dass Manga überhaupt  existieren. Mit ca. 13 Jahren kaufte ich mir meinen allerersten Manga “ Gun Smith Cats “und war fortan vom Manga in seiner Form begeistert - denn mir wurde daraufhin klar, dass ich meine eigenen Geschichten, die ich bis dato in einem sehr einfachgehaltenen “ Kinderbuchstil “ angefertigt hatte, nun auch auf professionellem Wege festhalten konnte - den wohl aber ausschlaggebendsten Anstoß zum professionellem   Mangazeichnen lieferte mir Carlsens Veröffentlichung von “ Dragonball “ in japanischer " Leserichtung!

Mang'Arte: Sie sind im März 2002 vom Carlsen Verlag als neues, deutsches Mangatalent bei einem Manga-Zeichenwettbewerb entdeckt worden. Können Sie uns ein bisschen mehr darüber erzählen?
Der Weg zu Carlsen war jedoch ein wenig komplizierter - parallel zum Leipziger Buchmesse Beitrag “ Vampire 1776 “ entstand das erste Kapitel meines Manga “ Prussian Blue “ mit anderen Skizzen und einem Handlungsplot, mit denen ich mich direkt als zeichnerin bei Carlsen beworben habe. 2000 hatte ich mich zum ersten Mal beworben,wurde aber abgelehnt. Im März 2002 meldete sich sodann Joahim Kaps bei mir, wirtrafen uns direkt auf der Messe in Leipzig und ca. ein Jahr später landete meine Geschichte in der “ Daisuki “, also dem Mädchen Mangamagazin von Carlsen.

Mang'Arte: Wenn ein Hobby zum Beruf wird, ist das oft ziemlich anstrengend…
Ja, allerdings! Insbesonders in der Zeit, als ich meine Kapitel aus 35 Seiten bestehend monatlich abgeben musste, einmal zwischendurch übelst erkrankt bin und immer durchgängig zeichnen musste! Ich betone immer wieder sehr gerne: Es ist einfach etwas anderes, ob man als Hobbyzeichnerin für sich selbst oder den Bekanntenkreis ohne richtigen Zeitdruck zeichnet oder aber , ob man mit Terminabgabe parallel zum Studium etc. für ein größeres Publikum arbeitet und dabei auch z.T. die Wünsche und harte Kritik der Leser beachtet... Es gab sogar Momente, in denen ich davon überzeugt war es nicht schaffen zu können, diesen imensen Druck nicht standhalten zu können.

Mang'Arte: Wie entstehen die Ideen für ihre Geschichten und Personen? Wie entwickeln sich die Ideen zum Abdruck? Wie läuft die Produktionsphase ab? Wie viele Stunden am Tag zeichnen Sie?
In erster Linie inspiriert mich das Fernsehen und in letzter Zeit auch immer mehr die Musik! Ich glaube meine Ideen für Personen und Handlung bzw. Genreauswahl beziehe ich aus meinem eigenen Interesse für bestimmte Themen...Inspirationen bezüglich Handlungsbogen etc. fallen auch mir nicht immer auf anhieb ein - ganz und gar nicht erst , wenn ich im Uni-Totalstress versinke ( Klausuren, Referate etc. )!!
Wenn mich dann aber plötzlich eine Inspiration zu einer bestimmten Szene überkommt, dann skizziere ich diese in sehr groben Zügen schnell auf Papier oder schreibe sie in kurzer Form nieder. Daraufhin folgt der nächste Arbeitsschritt der Vorskizze, die ein ungefähres Bild über Konzeption der im Buch abgebildeten Mangaseite ist - d.H.
Panelaufbau und Perspektiven sollten in etwa dem späteren Original entsprechen - nachdem ich diese Vorskizzen angefertigt habe, schicke ich diese in kopierter Form zu meinem Redakteur, um das OK zu erhalten oder Kritik zu empfangen.
Daraufhin fertige ich die Originalseiten an, beginne also noch einmal mit der Bleistiftzeichnung, auf die ich später tuschiere und in einem letzten Arbeitsschritt ggf. noch Rasterfolie einklebe.....hmh, wieviele Stunden ich pro Tag zeichne, kann ich leider nicht genau sagen....das hängt auch besonders davon ab, ob ich in der vorlesungsfreien Zeit oder während der Vorlesungszeit an der Uni zeichne..im Unialltag kann es sogar vorkommen, dass ich nur am Wochenende für fünf bis sechs Stunden zum Zeichnen komme - dagegen in der freien Zeit schon mal zehn bis zwölf Stunden insgesamt vor dem Zeichentisch sitze - unterbrochen von kurzen Pausen natürlich!

Mang'Arte: Zeichnen und colorieren Sie alles mit der Hand?
Ja. Ich bin einfach kein Computerbenutzer - Typ...erstens ist mir schon sehr früh klar geworden, dass ich meinen Zeichenstil und meine gesamte Arbeit natürlich und pur halten möchte, also fern von jeglicher Art digitaler Hilfsmittel, zweitens hätte ich niemals die Geduld und die Ausdauer mich für Stunden vor einen Bildschirm zu setzen.

Mang'Arte: Ihr erster großer Erfolg war “Prussian Blue”. Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Serie gemacht? Wird es weitere Folgen geben?
Mit Sicherheit habe ich durch mein erstes Buch viel zeichentechnisches und erzähltechnisches dazugelernt - ich befinde mich auch immer noch in einem Lernprozess!
Ich war in erster Linie aber sehr überrascht über die positive Resonanz vieler Leser. Das gibt mir den Mut und die Kraft weiterzumachen und nicht aufzugeben.
Die Fortsetzung zu Prussian Blue startet nächstes Jahr bei Tokyopop D unter dem neuen Titel “ Yonen Buzz “ , und ich hoffe, dass ich noch sehr sehr lange an der Serie arbeiten darf! Ich habe die Serie auf mehrere Bände aus konzepiert, wie viele es dann letztendlich werden, weiß ich selbst noch nicht einmal - das lasse ich offen stehen...

Mang'Arte: Ihr neue Reihe YONEN BUZZ wird im Frühjahr 2005 herauskommen. Können Sie uns ein bisschen mehr darüber verraten?
Natürlich will ich nicht allzu viel verraten, kann aber sagen, dass die Handlung von Prussian Blue zwei Jahre später fortgesetzt wird und sich die Bandmitglieder neuen Problemen stellen müssen. Es wird sich in YB auch viel mehr um die Musik an sich drehen, um die Vergangenheit einzelner Figuren und die Bewältigung anstehender Probleme.

Mang'Arte: Werden Sie in Zukunft ausschließlich für Tokyopop arbeiten?
Keiner weiß, was die Zukunft bringen wird, aber so wie es momentan läuft, bin ich überglücklich! Und in Tokyopop habe ich ein bezauberndes Team, das ich schätze und sehr lieb gewonnen habe!

Mang'Arte: Gibt es ein Vorbild, Zeichner die Sie bewundern?
Ja, da gibt es einige...von den Mangazeichnern am meisten bewundere ich Minekura Kazuya , die Zeichnerin von “ Saiyuki “ und “ Bus Gamer “. Ganz aktuell beobachte ich aber auch anlässlich meines für die Zwischenprüfung bevorstehenden Prüfungsthemas, Tezuka Osamu, wie mich die Arbeitsweise und Geschichtenentwicklung dieses sog. Mangapioniers fasziniert, obwohl seine Werke schon bis zu über vierzig Jahre alt sind - am meisten angetan bin ich von seiner Einstellung gegenüber künstlerischer Freiheit!

Mang'Arte: Alle Mangas spielen in Japan, tragen japanischen Namen. Können Sie sich vorstellen eine ihrer Geschichten in Deutschland spielen zu lassen?
Ausschließen kann ich nichts; wer weiß..?

Mang'Arte: Lesen Sie Mangas anderer Länder?
Da ich selbst bis zum Kopf über im Arbeitsstress versinke, komme ich fast gar nicht mehr dazu überhaupt noch irgendwelche Manga zu lesen - bisher habe ich Manga japanischer Autoren gelesen und einiger deutschen Nachwuchszeichner! In Zukunft möchte ich aber auch unbedingt Manga aus aller Welt wie u. A. viele Manhwa lesen!

Mang'Arte: Sie werden im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse sein? Inspiriert Sie der Kontakt mit ihren Lesern?
Ja, in Frankfurt werde ich auf alle Fälle mit dabei sein! Der Kontakt mit den Lesern inspiriert mich zwar nicht für meine Ideen zum Manga, aber gibt mir wie gesagt immer wieder neue Kraft weiterzumachen und immer besser zu werden - immerhin zeichnet man für die Leser!! Wenn es sie nicht gäbe, wäre meine Arbeit schon fast sinnlos.....

Mang'Arte: Neben dem vielen Zeichnen studieren Sie Japanologie. Welche Pläne und Wünsche haben Sie für die Zukunft?
Im Moment nur, dass ich das Studium heil überstehe, nebenbei noch den Band 2 zu YB rausbringe und in spätestens drei bis vier Jahren vom Zeichnen und einiger Übersetzungsarbeiten leben kann.

Das Interview wurde von Julia Neugebauer geführt. September 2004.

Erstellt: 10-09-04
Letzte Änderung: 08-02-05