Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > ARTE Journal

ARTE Journal

ARTE Journal bietet den europäischen Blick auf die wichtigsten Ereignisse des Tages.

> > Überblick: Griechenlands Schuldenkrise

16/09/11

Chronologie der griechischen Krise

Die griechische Tragödie nahm 2009 ihren Lauf, als erstmals die wahre Dimension des Defizits bekannt wurde. Seitdem folgt eine Hiobsbotschaft der nächsten. Eine Chronik der Krise in Griechenland

21. Juli: Die Staats- und Regierungschefs der 17 Euroländer kommen zu einem Krisengipfel in Brüssel zusammen. Erstmals sollen Banken und Versicherungen an einem neuen Hilfspaket für Griechenland beteiligt werden.

11. Juli: Die Finanzminister der Euro-Gruppe unterzeichnen den Vertrag zur Schaffung des neuen Krisenfonds für Euro-Wackelkandidaten (ESM), der zum 1. Juli 2013 die derzeitige europäische Finanzfeuerwehr EFSF ablösen soll. Der Fonds wird eine Kapitalausstattung von 700 Milliarden Euro haben, von denen 80 Milliarden bar eingezahlt werden.

2. Juli: Die Euro-Finanzminister geben die nächste Teilzahlung aus dem laufenden Hilfsplan frei. Die bisherigen Hilfen für Athen summieren sich damit auf 65 Milliarden Euro.

29. Juni: Das griechische Parlament stimmt dem Sparprogramm der Regierung zu. Damit ist der Weg für weitere Milliarden-Hilfen fast frei. Griechenland ist inzwischen mit 350 Milliarden Euro verschuldet, die Gesamtverschuldung beträgt damit fast das Eineinhalbfache des Bruttoinlandsprodukts.

24. Juni: Bei einem Gipfel in Brüssel beschließen die EU-Staats- und Regierungschefs, dass Griechenland ein weiteres milliardenschweres Hilfsprogramm der Europäer und des Internationalen Währungsfonds zur Abwendung einer Staatspleite erhalten soll. Voraussetzung ist die Billigung des Sparpakets durch das griechische Parlament.

22. Juni 2011
Das Parlament in Athen spricht Ministerpräsident Giorgos Papandreou das Vertrauen aus. Die Proteste aber gehen weiter. Vor dem Parlament demonstrieren rund 10.000 Menschen gegen den radikalen Sparkurs.

17. Juni 2011
Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou bildet sein Kabinett um. Finanzminister Papakonstantonou wird abgelöst. Er war bei den internationalen Institutionen anerkannt, gerade bei den Verhandlungen um die Sparpakete genoss er großen Respekt. Doch bei der griechischen Bevölkerung war er mehr und mehr unpopulär. An seine Stelle tritt Evangelos Veniselos, der gleichzeitig Vizeministerpräsident wird. Die Umbildung der Regierung war wegen der umstrittenen Sparmaßnahmen nötig geworden.

15. Juni 2011: Generalstreik gegen das neue Sparpaket der Regierung, das dem Parlament vorgestellt wird. Es soll Anfang Juli verabschiedet werden. Ministerpräsident Papandreou kündigt eine Kabinettsumbildung an. In den Straßen Athens kommt es am Rande der Demonstrationen zu Zusammenstößen mit der Polizei.

14. Juni 2011: Die Euro-Finanzminister beraten bei ihrem Treffen in Brüssel über die Griechenland-Rettung. Sie können sich nicht auf ein zweites Rettungspaket für das hoch verschuldete Land einigen.

13. Juni 2011: Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die langfristige Kreditwürdigkeit Griechenlands um ganze drei Noten auf nunmehr "CCC" ab. Das ist Ramsch-Status. Der Grund: eine Umschuldung wird immer wahrscheinlicher.

10. Juni 2011: Im Bundestag votiert eine Mehrheit für weitere Griechenland-Hilfen.

9. Juni 2011: Das griechische Kabinett beschließt ein neues Sparpaket - das ist Vorbedingung für die Auszahlung zusätzlicher Hilfskredite. Durch neue Steuern und Ausgabenkürzungen sollen 28 Milliarden Euro eingespart werden, durch die Privatisierung von Staatsunternehmen weitere 50 Milliarden Euro.

8. Juni 2011: Die Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission hält es in ihrem Prüfbericht für nahezu ausgeschlossen, dass Griechenland 2012 auf die Finanzmärkte zurückkehrt. Nach Angaben von EU-Diplomaten braucht das hochverschuldete Land 90 Milliarden Euro zusätzlich an Finanzhilfen, um eine Staatspleite zu vermeiden.

5. Juni 2011: Erneut Massenproteste

3. Juni 2011: EU, IWF und EZB stellen Athen ein positives Zeugnis über die Sparpolitik aus. Damit dürfte der Weg frei sein für die Auszahlung der weiteren Tranche in Höhe von zwölf Milliarden Euro.

31. Mai 2011: Die Verhandlungen für die Auszahlung der dringend benötigten nächsten Hilfstranche in Höhe von zwölf Milliarden Euro sind Berichten zufolge abgeschlossen. Athen stimmt offenbar zu, die Privatisierung staatlichen Besitzes zu forcieren. Zudem könnte die Mehrwertsteuer gesenkt werden.

27. Mai 2011: Die griechischen Parteien können sich nicht auf neue Sparmaßnahmen einigen. Diese sind aber Voraussetzung für die Auszahlung neuer Milliardenhilfen von EU und IWF. Ohne diese Hilfen droht Athen der Staatsbankrott.

11. Mai 2011: Erneuter landesweiter Streik

9. Mai 2011: Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die Kreditwürdigkeit Griechenlands um zwei weitere Stufen ab.

6. Mai 2011: Bei einem Krisentreffen beraten die Staaten der Eurozone über das hochverschuldete Griechenland.

26. April 2011: Athen räumt für 2010 ein deutlich höheres Haushaltsdefizit ein als bisher angenommen (10,5 Prozent statt 9,6 Prozent).

15. April 2011: Ministerpräsident Papandreou kündigt das nächste Sparpaket an. Auf die Griechen kommen neue Einsparungen zu – vermutlich in zweistelliger Milliardenhöhe.

7. März 2011: Die Ratingagentur Moody's stuft die Kreditwürdigkeit Griechenlands erneut deutlich ab.

31. Januar 2011:Die Arbeitslosigkeit klettert auf 15,1 Prozent – ein neuer Rekordwert.

15. Dezember 2010 und 23 Februar 2011: Bei Protesten gegen die Sparmaßnahmen der Regierung kommt es zu Ausschreitungen.


15. November 2010: Eurostat teilt mit, dass Griechenlands Haushaltsdefizit 2009 deutlich höher ausfällt als bisher angenommen.


11. September 2010: 20.000 Menschen demonstrieren gegen den Sparkurs der Regierung.

5. August 2010: Die zweite Tranche des Hilfspakets wird ausgezahlt. EU, EZB und IWF loben die bisherigen Reformen, mahnen aber auch weitere an.

20. Mai und 8. Juli 2010: Erneute Generalstreiks gegen die Sparpläne der Regierung legen Griechenland lahm.

18. Mai 2010: Die erste Tranche der EU-Hilfe für Griechenland (14,5 Milliarden Euro), wird nach Athen überwiesen.

12. Mai 2010: Griechenland erhält vom IWF die ersten 5,5 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket.

10. Mai 2010: EU und IWF beschließen ein beispielloses Rettungspaket an, um den Euro zu schützen. 750 Milliarden Euro sollen im Notfall für Kredite bereitstehen, davon wird Europa 500 Milliarden übernehmen, der Rest kommt vom Internationalen Währungsfonds.

7. Mai 2010: Bundestag und Bundesrat verabschieden das Gesetz zur Griechenland-Hilfe. Auch andere Euro-Länder billigen die Griechenland-Hilfe in Höhe von 110 Milliarden Euro und beschließen, die Staatsschulden schneller abzubauen. Die Börsenkurse fallen weiter.

6. Mai 2010: Das griechische Parlament beschließt das Sparprogramm. Die Furcht, dass die Griechenland-Krise auf andere Länder der Euro-Zone übergreifen könnte, lässt die Gemeinschaftswährung erstmals seit März 2009 unter die Marke von 1,26 Dollar fallen.

5. Mai 2010: Ein dritter Generalstreik legt Griechenland lahm. Bei den Protesten in Athen werden drei Menschen getötet.

3. Mai 2010: Das Bundeskabinett stimmt den Hilfen zu.

2. Mai 2010: EU, IWF und EZB einigen sich mit der griechischen Regierung auf Finanzhilfen im Umfang von 110 Milliarden Euro innerhalb der kommenden drei Jahre. Deutschland beteiligt sich an dem Paket mit 22 Milliarden Euro. Im Gegenzug soll Athen ein drastisches Sparprogramm umsetzen.

30. April 2010: Einzelheiten des drastischen Sparprogramms der griechischen Regierung werden bekannt. In Athen kommt es zu teils gewaltsamen Protesten. Deutsche Banken und Privatfirmen kündigen an, sich mit einem Milliardenbetrag am Not-Kredit für Griechenland zu beteiligen.

29. April 2010: Es wird deutlich, dass Griechenland bis 2012 mindestens 120 Milliarden Euro an Hilfen benötigt. In Deutschland verlangt die Opposition die Beteiligung der Banken.

28. April 2010: In der Eurozone bricht Panik aus. Der Euro fällt auf 1,31 Dollar, den tiefsten Stand seit einem Jahr. Der Finanzbedarf Griechenlands ist noch höher als erwartet. Für Anleihen muss das von der Pleite bedrohte Land mehr als 11 Prozent Zinsen zahlen. In Berlin drängt IWF-Chef Strauss-Kahn zur Eile - mit Erfolg. Die deutsche Hilfe soll nun schneller auf den Weg gebracht werden.

27. April 2010: Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Griechenlands Staatsanleihen auf Schrottstatus ab, die Risikoaufschläge schießen in die Höhe.

23. April 2010: Griechenland beantragt das Hilfsprogramm.

22. April 2010: Eurostat, die europäische Statistikbehörde, schätzt das griechische Haushaltsdefizit auf 13,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und nicht, wie von den Griechen angegeben, auf 12,9 Prozent. Gleichzeitig setzt die Rating-Agentur Moody’s die Kreditwürdigkeit Griechenlands erneut herab, was zu Panik auf dem Aktienmarkt führt.

16. April 2010: Die Finanzminister der EU treffen in Madrid zusammen um die griechische Finanzkrise zu erörtern.

11. April 2010: Die EU-Staaten einigen sich auf einen dreijähriges Hilfspaket für Griechenland. Es soll im ersten Jahr ein Volumen von 45 Milliarden Euro haben. Die Euromitglieder sollen 30 Milliarden Euro beisteuern, der IWF die restlichen 15 Milliarden Euro. Der deutsche Beitrag für 2010 wird auf 8,4 Milliarden Euro beziffert.

25. März 2010: Die Euro-Gruppe sagt Athen ein Hilfspaket freiwilliger bilateraler Kredite unter Beteiligung des IWF zu. Gewährt werden die Kredite aber nur im äußersten Notfall, wenn die Stabilität des Euro in Gefahr gerät.

15. März 2010: Die Finanzminister der Eurozone erklären sich bereit Griechenland finanziell zu unterstützen, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen.

5. und 11. März 2010: Weitere Generalstreiks

3. März 2010: Die griechische Regierung beschließt ein weiteres Sparpaket. Durch Steuererhöhungen, wie beispielsweise auf Alkohol, Tabak, Benzin oder Luxusgüter und das Einfrieren der Renten von Beamten und der Beschäftigten im Privatsektor sollen 4,8 Milliarden Euro eingespart werden.

26. Februar 2010: Verschiedene deutsche Banken, unter anderem die Commerzbank, die Hypo Real Estate, die Postbank und die Deutsche Bank kündigen an, dass sie nicht mehr in griechische Staatsanleihen investieren wollen.

24. Februar 2010: Die Gewerkschaften rufen in ganz Griechenland zum Generalstreik auf.

11. Februar 2010: Bei einem EU-Sondergipfel in Brüssel stärken die EU-Staaten Griechenland politisch den Rücken. Wie viel Geld Athen gewährt wird, bleibt aber offen.

10. Februar 2010: Mit einem Generalstreik protestieren die Staatsbediensteten gegen das Sparprogramm der Regierung.

5. Februar 2010: Aufgrund der Verschuldung Griechenlands und anderer EU-Staaten wie Spanien und Portugal gerät der Euro unter Druck und fällt auf seinen tiefsten Stand seit acht Monaten: 1,3586 $.

3. Februar 2010: Brüssel segnet das Sparpaket ab: Athen bekommt zwei Jahre mehr Zeit, um seine maroden Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen. Die EU-Kommission stellt aber den griechischen Haushalt unter ihre Kontrolle - ein in der EU-Geschichte einmaliger Schritt. Monatlich sollen die Griechen Bericht erstatten.

14. Januar 2010: Die griechische Regierung stellt ihr drastisches Sparprogramm vor. Geplant sind unter anderem Steuererhöhungen, Gehaltskürzungen für Beamte sowie ein Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst. Das Ziel: Bis 2012 soll das Defizit unter die Maastricht-Obergrenze von 3% des BIP gedrückt werden.

6.-8. Januar 2010: Experten der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank überprüfen in Athen die Staatsfinanzen des Landes.

8. Dezember 2009: Als erste Rating-Agentur setzt Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands um eine Stufe herab und beflügelt damit Spekulationen auf eine bevorstehende Staatspleite. Andere große Rating-Agenturen wie Moodys oder Standard & Poors folgen. Die Konsequenz: Griechenland muss den Käufern von Staatsanleihen deutlich höhere Zinsen zahlen. An der Börse in Athen brechen die Kurse um 6% ein.

Oktober 2009: Die frisch gewählte Regierung unter Ministerpräsident Papandreou korrigiert das Staatsdefizit des Landes drastisch auf 12,9% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) nach oben. Auch die Schulden erreichen ein Rekordniveau: 113,4% des BIP.

2001: Griechenland tritt als zwölfter Staat der Euro-Zone bei. Wie sich später herausstellt, hat Athen schon damals und in den folgenden Jahren seine Staatsfinanzen geschönt, allen voran seine Defizitzahlen.


(ARTE Journal/dpa/afp)

Erstellt: 26-01-10
Letzte Änderung: 16-09-11