Hommage an Claude Lévi-Strauss - 04/11/09
Claude Lévi-Strauss, das Selbstbildnis des Ethnologen
Der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss ist der Begründer der strukturalen Anthropologie. Die Dokumentation zeichnet ein faszinierendes Porträt dieses großen Forschers. Zahlreiche Ausschnitte aus Interviews mit Lévi-Strauss von den 60er Jahren bis heute geben Einblick in das Denken eines Mannes, der stets für alle Menschen offen ist und - trotz seiner pessimistischen Sicht der gegenwärtigen Menschheitsentwicklung - den Glauben an die Schöpferkraft des menschlichen Geistes nie verloren hat.
Sie können diese Dokumentation sieben Tage lang nach der Ausstrahlung auf ARTE+7 ansehen.
Im Mai 2008 erschienen in Frankreich die Werke des Ethnologen Claude Lévi-Strauss in der renommierten Buchreihe "La Bibliothèque de la Pléiade". Diese Ehrung wurde bisher nur wenigen Schriftstellern zu Lebzeiten zuteil. Lévi-Strauss besitzt nicht nur als Wissenschaftler Weltruf. Sein Buch "Traurige Tropen" gehört zu den Klassikern der französischen Literatur.
Claude Lévi-Strauss wird 1908 in ein bürgerliches Milieu hineingeboren. Sein Vater war Kunstmaler, sein Großvater der Rabbiner der Synagoge von Versailles. Der junge Claude engagiert sich für die sozialistische Partei Frankreichs. Mit 20 schließt er ein Philosophiestudium ab, aber die Lehrtätigkeit in diesem Fach interessiert ihn nur mäßig. 1934 folgt er einem Ruf als Professor für Soziologie an die Universität von São Paulo. Im Landesinneren Brasiliens kommt er ein Jahr später erstmals mit den Caduveo- und Bororo-Indianern in Kontakt. 1938 folgt eine ausgedehnte Expedition zu den Nambikwara und den Tupi-Kawahib.
Der Mann, der später behauptet, "Reisen und Entdecker zu hassen", wird Ethnologe. 1940 emigriert Lévi-Strauss in die USA. Bei seiner Ankunft in New York begegnete er dem Surrealisten André Breton. Ferner lernt er den Linguisten Roman Jakobson kennen, einen Anhänger des Strukturalismus in der Sprachforschung. Er motiviert Lévi-Strauss, den strukturalistischen Ansatz auf den Bereich der Ethnologie zu übertragen.
Nach Kriegsende 1949 kehrt Claude Lévi-Strauss nach Frankreich zurück und legt seine Doktorarbeit mit dem Titel "Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft" vor. Nach einer Tätigkeit am Forschungszentrum CNRS wird er stellvertretender Direktor des Pariser Musée de l'Homme und bekommt anschließend einen Lehrstuhl für vergleichende Religionswissenschaften der schriftlosen Völker an der Ecole Pratique des Hautes Etudes.
1955 erscheint sein Buch "Traurige Tropen", das ihn weit über Wissenschaftlerkreise hinaus bekanntmacht. Ab 1959 lehrt er als Professor für Sozialanthropologie am Collège de France und gründet das Labor für Sozialanthropologie. Zwischen 1964 und 1971 veröffentlicht Lévi-Strauss das vierbändige Werk "Mythologica", 1973 erfolgt seine Aufnahme in die prestigeträchtige Académie Française. Der Forscher erhält zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, so 2003 den deutschen Meister-Eckhart-Preis.
Analysiert und hinterfragt werden in der Dokumentation auch der Ruhm und die allgemeine Anerkennung eines Menschen, der - seit dem Tod Jean-Paul Sartres im Jahr 1980 - als der bedeutendste Intellektuelle Frankreichs gilt.
Claude Lévi-Strauss' Blick auf die Welt von heute und auf die Vergangenheit regt ebenso zum Nachdenken an wie seine Trauer über das Verschwinden alter Kulturen oder seine Bewunderung für die Meisterwerke der Natur und der Kunst sowie seine Meinung über die Gefahren eines "Zuviel" an Kommunikation, vor denen er schon vor dem Internetzeitalter warnte. Vor allem fasziniert die Begeisterung, mit der Lévi-Strauss die Geheimnisse der Welt und der Menschheit zu lüften versucht, und der unerschütterliche Glaube des Atheisten an die Kraft des menschlichen Geistes.
Erstellt: 14-11-08
Letzte Änderung: 04-11-09