Kuhmist statt CO2: Um so wenig Dreck wie möglich zu hinterlassen, sind diese Umweltschützer auf die Kutsche umgestiegen. Am 4. September von Sipson bei London aufgebrochen, durchquert die Öko-Karawane Südengland. Sie wollen etwas Freude in den Trübsinn des Kampfes gegen das CO2 bringen. Ihre Roadshow setzt sich aus einer Bauernkarre, zwei Pferden und etwa 15 Aktivisten zusammen. Ihr Codename: Climate Rush.
Seit eineinhalb Jahren haben die Suffragetten bei den Ökokriegern das Sagen. Sie organisieren ein Mega-Picknick im Flughafen Heathrow, um dortige Ausbauvorhaben anzuprangern; ketten sich an die Zäune des Londoner Abgeordnetenhauses und kleben sich an eine Statue in der Eingangshalle. Überall verteilen die Aktivistinnen ihre Zeitung mit dem nach dem Beatles-Song benannten Titel: „Here Comes The Sun“. Darin erklären sie, wieso die Suffragetten, die sie als die ersten Punks bezeichnen, ihre Vorbilder sind.
1893 gesteht Neuseeland als erstes Land der Welt den Frauen das Wahlrecht zu. Zehn Jahre später stürzen sich Engländerinnen unter dem Namen „Suffragetten“ in den Kampf. Sie führen einige schlagkräftige Aktionen durch, indem sie Männern vorbehaltene Kirchen oder Golfplätze anzünden. 1913 begeht eine von ihnen Selbstmord, indem sie sich unter die Hufe des Pferdes von König Georges V wirft. 1918 gesteht das englische Abgeordnetenhaus Frauen endlich das Wahlrecht zu. Ein Jahrhundert später greifen die CO2-bekämpfenden Neo-Suffragetten nicht nur ihren Kleiderstil auf, sondern auch ihre Courage.
Den Suffragetten auf ihrer Reise zu folgen, heißt, sich vom CO2 verabschieden. Der Karawane der Suffragetten können sich Freiwillige für einen Tag oder einen Monat anschließen. Der Ursprung der Anti-CO2-Bewegung liegt im Jahr 2006, als das erste „Camp for Climate Action“ in der Nähe von Leeds neben dem größten Kohlekraftwerk organisiert wurde. Seither werden jedes Jahr Felder in stark CO2-belasteten Gebieten besetzt. In bis zu zweihundert Workshops kann man vom aktivistischen Journalismus bis zur Bienenzucht alles lernen. Eine Umwelt-Messe für sämtliche Klima-Aktivisten. Unter ihnen sind auch die gefürchteten Plane Stupid.
Am 27. Februar 2008 erklimmt Tamsin das Dach von Westminster, eines der am schärfsten bewachten Gebäude Englands. Mit dabei sind fünf Mitglieder von Plane Stupid, eine Aktionsgruppe, die sich für die Einschränkung des Flugverkehrs einsetzt. Sie hängen ein Transparent auf und geben Live-Interviews am Handy. Tamsin wird zum ersten Mal verhaftet.
Die letzte Etappe der „grünen Karawane“ ist die symbolische Stadt Totnes. Das Dorf mit seinen 7.700 Einwohnern ist die Pionierstadt des „Transition Town Movement“. Seit 2005 haben sich mehrere hundert Städte und Stadtviertel dem Konzept des Umweltschützers Rob Hopkins angeschlossen. Sein Ziel: Gemeinden, die sich selbst versorgen. Ohne CO2-Ausstoß.
Rob Hopkins: "Unserer Herausforderung besteht darin, zu fragen, was als nächstes kommt. Es geht nicht darum umzukehren, wir können nicht zurück, selbst wenn wir das wollten. Unsere Vergangenheit ist nicht gerade rühmlich, auch nicht unsere Gegenwart. Wir müssen auf eine Weise weitermachen, die der Zukunft zuträglich ist: Wie werden wir leben, ohne auf fossile Energieträger zurückzugreifen? Was werden wir tun, damit wir abends beruhigt ins Bett gehen können, weil wir so wenig wie möglich CO2 während unserer täglichen Aktivitäten produziert haben?"
Um ihre CO2-Produktion drastisch verringern, haben die Bewohner der „Transition Towns“ ein Credo: Zu Fuß einkaufen gehen und nicht kilometerweit mit dem Auto fahren. Um die Luftverschmutzung durch Gütertransport zu reduzieren, wurde eine lokale Währung in Geschäften eingeführt, die Produkte aus einem Umkreis von weniger als 100 Kilometern verkaufen. In Totnes kann man sich umweltverträglich beerdigen lassen, Fair-Trade kleiden und alle Häuser haben Solaranlagen. Von England aus erobert die Bewegung die ganze Welt, von Australien bis in die USA.
Links
- Offizielle Website von Climate Rush
- Die Suffragetten auf Wikipedia
- Offizielle Website vom Climate Camp
- Offizielle Website von Plane Stupid
- Blog zur "green caravane"
Nächste Aktion
Nächste Aktion vom 07. bis zum 18. Dezember in Kopenhagen>> Mehr Infos
Buch
"The Transition Handbook. From Oil Dependency to Local Resilience"von Rob Hopkins, 2008
Green books
>> Mehr Informationen







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