Religiös wurde Hülya nicht erzogen. In den Siebzigern kam ihre Familie aus der Türkei nach Deutschland – der deutschen Kultur hat sie sich schnell angepasst. Als Teenagerin gibt sie sich der Musik hin – mit Erfolg: Sie wird als die Newcomerin in Deutschland und der Türkei gehandelt – der große Durchbruch soll folgen. Neben der Musik interessiert Hülya sich für Spiritualität. Die Suche nach Gott wird immer stärker – sie widmet sich dem Koran, fängt an zu beten und findet zu Allah. Mit einem Leben auf der Bühne lässt sich das nicht immer vereinbaren …
Hülya Kandemir: "Je mehr ich da rein gegangen bin, desto mehr habe ich einfach gemerkt - okay, die Bühne ist eigentlich ein Ort, wo es wirklich nur um die Eitelkeit geht, wo man sich selbst darstellt, wo man von allen umjubelt wird und immer höher gemacht wird als man ist. Und das war für mich kein spiritueller Weg, wirklich. Also, da musste ich dann für mich selektieren. Und dann hatte ich eben ein Abendgebet, wo ich plötzlich zwei Bilder vor meinen Augen hatte. Ein Mal die Karriere Frau auf der Bühne und ein Mal mich so in diesem Gewand, in dem Kopftuch. Und als ich mich in diesem Kopftuch gesehen habe, das war eine Sekundenentscheidung. Ich habe mich in dem Moment entschieden – ich will das, das will ich sein. "
Aufgegeben hat Hülya die Musik nicht. Auf religiösen Veranstaltungen singt sie nach wie vor – der Unterschied zu Vorher: hier steht Allah im Mittelpunkt, nicht die Musikerin. Bereut hat die Muslima diese Entscheidung nie …
Hülya Kandemir: "Ich merke einfach wie viel es bei mir verbessert, meine Charakterzüge, welche Dinge für mich wichtiger werden und dass ich mich als Mensch einfach viel weiter entwickeln kann auf die Art und Weise. Und nicht mich mit irgendwelchen nichtigen Dingen beschäftige, wie ich lebe dafür, dass ich mir ein Haus baue, mir ein Auto kaufe oder für materielle Dinge, die mir Grunde genommen nichts für meine Seele und mein Leben und mein weiteres Leben nach dem Tod bringen können. Deshalb, ich bin „Gott sei Dank“, dass ich dass mir Allah diese Möglichkeit eröffnet hat das praktizieren zu dürfen."
In der Reportage zu sehenEkin Deligöz - Türkin und Grünen-Politikerin
Imam Ramazan Ucar
Pastor Gunter Marwege
Link>> Biographie von Hülya Kandemir
Buch
Himmelstochter. Mein Weg vom Popstar zu Allahvon Hülya Kandemir
Pendo Verlag
Aufgewachsen in einer türkischen Immigrantenfamilie in der Oberpfalz, zeigt sich schon früh Hülyas Talent als Sängerin. Um ihren Traum zu verwirklichen, bricht sie sogar vorzeitig die Schule ab. Schnell hat sie Erfolg mit gefühlvollen Songs voller Intensität, die sich aus Erfahrungen in ihrem Leben in Deutschland ebenso speisen wie aus der Musik ihrer türkischen Heimat. Doch sie ist getrieben von einer inneren Sehnsucht und beginnt, sich ausgiebig mit den verschiedenen Religionen zu befassen. Und eines Tages macht Hülya den entscheidenden Schritt: Sie wendet sich vom Showgeschäft ab hin zum Islam, der für sie die Religion der Liebe und Toleranz ist. Fortan trägt sie ein Kopftuch und lebt als praktizierende Muslimin. Für sie ist der Weg zum Glauben ein Weg in die Freiheit und zu innerem Frieden. Selbstbewusst steht sie für eine neue Generation Frauen und lebt beispielhaft den Ausgleich zwischen den Kulturen.







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