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ARTE KULTUR - 09/11/06

Comic - Landru von Christophe Chabouté

Christophe Chabouté gehört zu den talentiertesten französischen Comiczeichnern und ist ein Genie der Schwarzweiss-Technik.In seinem neuesten Comic hat Chabouté das Schicksal von Landru, einer der bekanntesten Serienmörder in der Geschichte Frankreichs, nachgezeichnet.

Die Reportage sehen (real video- 3'34)

Christophe Chabouté ist, wo man ihn nicht erwartet. Er hat seiner Heimat Elsass den Rücken gekehrt und ist auf die Ile d'Oléron gezogen. Aus seiner Kinderheit
hat er sich einen scharfen Blick für Orte und Menschen bewahrt, wie eines seiner ersten Alben beweist: "La Bête".

"Eine neue Geschichte ist bei mir immer eng verknüpft mit einer ganz eigenen Stimmung. Bei "La bête" zum Beispiel war der Auslöser, dass ich einfach Lust hatte,
schneebedeckte Wälder zu zeichnen, Schnee und Wölfe."

Seine Figuren sind oft raue, schweigsame Typen. Schonungslos entlarvt Christophe Chabouté die menschlichen Niederträchtigkeiten und Schwächen.

"Meine Figuren sind weder böse, noch lieb, sie sind. Ganz einfach. Ihren Charakter arbeite ich schon heraus, aber nicht auf übertriebene Art und Weise, eher ganz dezent und nuanciert."

Lange galt Christophe Chabouté als Meister des Idyllisch-verwunschenen. Mit "Purgatoire" wagt er eine radikale Kehrtwende. Er zeichnet eine Stadt-Geschichte, benutzt Farben, mischt das Gewöhnliche mit dem Fantastischen.

"Ich führe den Leser gerne auf das Seil. Ich führe ihn in den Alltag, der phantastische Elemente enthält. Wenn der Leser dann ins Phantastische abdriftet, bringe ich ihn wieder in den Alltag zurück."

Jetzt wieder eine Kursänderung: mit "Landru", seinem neuesten Comic. Chabouté greift die Geschichte eines französischen Serienmörders auf - und wagt eine sehr persönliche Sichtweise. Seine "stummen" Bilder, der präzise Bildausschnitt, der Wechsel zwischen positiver und negativer Darstellung öffnen die Tür zur Fiktion.

"Landru, das ist vor allem ein Kopf. Ich fand, dass er einen Kopf hatte, den man einfach zeichnen musste. Deshalb habe ich mich ein bisschen mit seiner Biografie befasst und festgestellt, dass es Lücken in den Ermittlungen gab. Über Landru weiß man nur, was im Untersuchungsbericht steht und was die Presse während des Prozesses und dem zwei Jahre dauernden Ermittlungsverfahren geschrieben hat. Was man nicht weiß, ist warum er die Frauen umgebracht hat. Man kann sich zwar denken, dass es wegen ihres Geldes war, aber man weiß nicht, wie er sie getötet hat, weil er sie immer verbrannt hat… "

Mit seiner eindrucksvollen Darstellung des Landru-Prozesses kurz nach dem ersten Weltkrieg wirft Christophe Chabouté die Frage auf, ob Landru tatsächlich der Schuldige ist, für den man ihn hält. Der Leser soll nicht sofort das Offensichtliche glauben.

"Das Interessante an dieser Geschichte ist, jemanden für unschuldig zu erklären, der in aller Augen als Schuldiger gilt. Ich will die Leute zum Nachdenken zwingen. Sie sollen nicht alles schlucken, was ihnen vorgesetzt wird, sondern auch mal ein bisschen nachdenken."

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ARTE Kultur
Von Montag bis Samstag um 20.00

Erstellt: 08-11-06
Letzte Änderung: 09-11-06