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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 03. Januar 2008 - 29/12/07

Comrades In Dreams

Ein Film von Uli Gaulke


Dokumentation über ungewöhnliche Kinobetreiber

Leinwandfieber
Deutschland 2006, 94 Min.
Buch und Regie: Uli Gaulke
Mit Anup Jagdale, Han Yong-Sil, Lassane Badiel, Penny Tefertiller

Synopsis: Der Dokumentarfilmer Uli Gaulke - selbst Mitbegründer des Berliner Programmkinos Balazs - reist nach Nordkorea, Amerika, Burkina Faso und Indien. Er stellt vier Menschen vor, die eine gemeinsame Leidenschaft besitzen: Ihre grosse Liebe zum Kino.

Kritik: Uli Gaulke findet es nicht so wichtig, ob er die Sprache seiner Darsteller sprechen kann oder nicht. Nach seinen erfolgreichen Dokumentationen HAVANNA, MI AMOR (2000) und HEIRATE MICH (2003) die auf Kuba spielten bzw. eine kubanische Darstellerin hatten, ist er diesmal gleich in drei weitere Länder gefahren, deren Sprache er nicht beherrscht. Oft lässt er sich von seinen Übersetzern die Szenen nur kurz zusammenfassen, denn es geht ihm vor allem um die Stimmung. Emotionen sind international verständlich, darauf setzt der Berliner Filmemacher: "Dann habe ich Stimmungen, die ich nur an den Gesichtern ablesen kann, an den Gesten, an den Bewegungen. (...) Kino hat ja mal so angefangen, dass keiner irgendwas verstanden hat, es gab ja keinen Ton. Das heißt, Kino hat so angefangen, dass nur über Gesten kommuniziert wurde. Dazu bin ich in den letzten drei Jahren zurückgekommen." Ein interessantes Konzept, das hier sehr gut funktioniert.

© Zorro Film
Uli Gaulke
Gaulke verbindet seine vier Porträts völlig unterschiedlicher Kinobetreiber, die in vier unterschiedlichen Ländern operieren. Es ist spannend, bei seiner Parallelmontage zu erkennen, dass allen vieren ihre unbedingte Liebe und Leidenschaft für das Kino gemein ist. Anup ist in Indien mit seinem Wanderkino gleich mit drei Lastwagen unterwegs. Von Dorf zu Dorf zieht er, und die Leute danken es ihm. Fast immer sind seine Vorstellungen von pathetischen Bollywoodwerken ausverkauft. Ähnlich aufwendig ist es für Lassane, Luc und Zakaria in Burkina Faso, ihre abendlichen Vorführungen zu organisieren: Auf drei Mofas holen sie die Filmrollen ab, und kurz vor der Vorstellung sind sie noch damit beschäftigt, zahlende Freunde ins Kino zu locken. Dieses Problem hat die Nordkoreanerin Han Yong-Sil nicht. Sie ist die Genossin Filmvorführerin, und sie meint es ernst mit ihrer Aufgabe. Die Filme sollen den Arbeitern nach getanem Werk zur Erbauung dienen. Ihre Pflichterfüllung und die ihres Mannes stellt sie noch vor ihre Ehe. So eine entschlossene Frau gab es selten auf der Leinwand zu sehen. Penny aus Wyoming wirkt erst mal wie das genaue Gegenteil von Han Yong-Sil. Ihre mütterliche, freundliche Art passt gut in das Kino mit der Popcornmaschine, das wie eine grosse Scheune aussieht, "The Flick". Als die Kinder aus dem Haus waren, hat die freundliche Frau eine neue Aufgabe gesucht und gefunden. Jetzt betreibt sie ihr eigenes Kino. Zum Überleben reicht es kaum, die Freundinnen helfen ihr unentgeltlich aus. Aber Spass macht es, und so kann sie dort ja auch einen ihrer Lieblingsfilme immer wieder zeigen, TITANIC. Dieser kommt auch in Burkina Faso ganz gut an, während er in Nordkorea nicht auf dem Programm steht. Wahrscheinlich würde er die Arbeiter nur unnötig verwirren. In Indien würde der Film auch nicht so gut ankommen. Anup ist der Meinung, ein Schiffsuntergang ist für sein dörflich geprägtes Publikum nicht genug Geschichte, und solch riesige Mengen Wasser kann man sich auf dem trockenen Land gar nicht vorstellen.

COMRADES IN DREAMS lebt von seinen Protagonisten, die dem Zuschauer immer mehr ans Herz wachsen. Spannend ist es zu sehen, dass Menschen, deren Kulturen gegensätzlicher nicht sein könnten, wie etwa die der Nordkoreanerin Han Yong-Silund der Amerikanerin Penny, sich in ihrer Leidenschaft fürs Kino und ihrer grundsätzlichen Einsamkeit sehr nahe stehen. "Zwei solche extreme Welten gegenüberzustellen und trotzdem Gemeinsamkeiten zu finden, war eine grosse Herausforderung." Beim Drehen der einen Episode hatte er jeweils die andere Frau bereits im Kopf. "Ich hatte die Chance, sie das erste Mal 'an den Tisch' zu bringen. Das reizt mich, wenn ich vier Länder in einem Film zusammenbringe." Man wünscht es diesem schönen Dokumentarfilm, dass er auch viele viele Zuschauer aus vielen, vielen Ländern zusammen bringt und sie in ihrem Erlebnis des Sehens vereint.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 28-12-07
Letzte Änderung: 29-12-07