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Kino auf ARTE - 05/10/11

Convoy

Spielfilm, Großbritannien/USA 1978, ZDF
Regie: Sam Peckinpah; Buch: Bill L. Norton; Kamera: Harry Stradling Jr.; Komponist: Chip Davis; Schnitt: Garth Craven, John Wright, Graeme Clifford; Produzent: Robert M. Sherman; Produktion: EMI Films
Mit: Kris Kristofferson - (Martin "Rubber Duck" Penwald), Ali MacGraw - (Melissa), Ernest Borgnine - (Sheriff Lyle "Cottenmouth" Wallace), Burt Young - (Bobby "Love Machine" "Pig Pen"), Franklyn Ajaya - (Mike), Brian Davies - (Chuck Arnoldi), Seymour Cassel - (Gouverneur Jerry Haskins)

Martin "Rubber Duck" Penwald ist eine lebende Legende unter den Truckfahrern. Über ihn, so heißt es, erzählt man sich mehr Geschichten als über den berühmten Jesse James. Als eine Auseinandersetzung mit der Polizei eskaliert, wird er zur Leitfigur einer großen Protestbewegung: ein Convoy von Truckern und Hippies, der sogar in den obersten politischen Rängen für Aufruhr sorgt.



Der Truckfahrer Martin, CB-Funk-Codename "Rubber Duck" ("Gummiente"), ist ein Idol für seine Kollegen. Doch nicht nur für seinesgleichen ist Rubber Duck eine Berühmtheit, auch bei der Polizei hat sich der rebellische Trucker einen Namen gemacht. Insbesondere mit dem korrupten Sheriff Lyle Wallace gerät er immer wieder aneinander.
So auch, als der Sheriff Duck und zwei befreundete Kollegen auf einem Highway in Arizona in eine Radarfalle lockt und ihnen ihr letztes Geld abnimmt. Was als kleine Provokation beginnt, verschärft sich auf einer Raststätte zu einer handfesten Auseinandersetzung: Die ruhige Mittagspause endet in einer wilden Prügelei zwischen den Truckern und der Polizei. Daraufhin muss Duck auf schnellstem Wege den Bundesstaat verlassen.
In einem Konvoi aus Trucks fliehen er und seine Freunde über die Landesgrenze nach New Mexico, wo sie bereits von weiteren Truckern erwartet werden. Diese haben über Funk von der Auseinandersetzung gehört und solidarisieren sich mit ihren bedrängten Kollegen. In jedem Dorf und an jeder Kreuzung findet der Konvoi weitere Anhänger und Rubber Duck wird zum unfreiwilligen Anführer eines großen Protestzuges.
Doch auch Sheriff Lyle vergrößert seine Gefolgschaft und bleibt den Truckern auf den Fersen. Mit jedem Kilometer verhärten sich die Fronten und der persönliche Zwist der Männer entwickelt sich zu einem Kleinkrieg auf dem Highway, zu einer Verfolgungsjagd, die im ganzen Land für Aufruhr sorgt.

Berühmt geworden ist Sam Peckinpah durch seine so harten wie lyrischen Filme über "echte Kerle", zähe Männer in Bedrängnis. Seine Regiearbeiten haben Maßstäbe gesetzt im Western und im Actionkino Hollywoods und maßgeblich zur Erneuerung der Genres beigetragen. Auch mit "Convoy" bleibt der große Außenseiter unter den amerikanischen Regisseuren der 60er und 70er Jahren seinen Themen und Motiven treu: Das Duell zwischen "Rubber Duck" und "Dirty Lyle" steht in Einklang mit all den anderen grimmigen, kompromiss- und auswegslosen Kämpfen in Peckinpahs Filmen, die sich durch äußere Umstände immer nur noch verschlimmern.
Mit einer wilden Kneipenprügelei, dramatischen Verfolgungsjagden und dem eindrucksvollen Showdown auf der Brücke ist dem "Outlaw in Hollywood" mit "Convoy" ein überzeugender New-Hollywood-Film und ein Roadmovie der besonderen Art gelungen.
Das Aufbegehren von "Rubber Duck" Penwald gegen Ungerechtigkeit, seine Rebellion zunächst gegen die Staatsmacht, dann aber auch gegen die vonseiten der anderen Trucker gesetzten Erwartungen, kennzeichnet Kris Kristoffersons Cowboy der Landstraßen als einen großen Individualisten und als einen jener gebrochenen Helden, die man aus den Arbeiten von Sam Peckinpah kennt und schätzt.
"Convoy" präsentiert Mythen des Westerns in einem modernen Gewand mit Cowboys als Truckern. Kris Kristofferson, der in drei Peckinpah-Filmen spielte, brilliert als charakterstarker Einzelgänger, Ali MacGraw, die bereits 1972 in "The Getaway" für Peckinpah vor der Kamera stand, überzeugt als eine den Konvoi begleitende Fotografin, und Ernest Borgnine gelingt eine differenzierte Darstellung des Halunken "Dirty Lyle".
Die Action-Ballade wurde inspiriert vom gleichnamigen Countrysong von C. W. McCall, der auch im Film zu hören ist. Der Soundtrack zum Film, auf dem auch "Lucille" von Kenny Rogers enthalten ist, wurde ein Verkaufsschlager.
"Sam Peckinpah variiert und aktualisiert die Mythen des Westerngenres, wobei er mit den effektvollen Mitteln des Actionkinos ein pessimistisches Zeitbild entwirft. Der 'amerikanische Traum' von Individualismus, Freiheit und Abenteuer erstickt unter den Konventionen von "Law and Order", gegen die auch anarchische Befreiungsversuche letztlich wirkungslos bleiben: Am Ende wird auch der Rebell vereinnahmt und als legendäre Heldenfigur der kommerziellen Nutzung unterworfen. Ein spannender, perfekt inszenierter Film vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Gewalt." ("film-dienst")

Convoy
Samstag 29. Oktober 2011 um 01.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Grossbritannien, Usa, 1978, 111mn)
ZDF

Erstellt: 05-10-11
Letzte Änderung: 05-10-11