„Coppélia“ ist eines der ersten großen Puppenballette und wurde 1870 uraufgeführt. Nach „La Sylphide“ und „Giselle“ erreichte das französische Ballett des 19. Jahrhunderts mit „Coppélia“ seinen unbestrittenen Höhepunkt. Charles Nuitter, der belesene Archivar der Pariser Oper, und der Choreograf Arthur Saint-Léon (1821 – 1871) schrieben das Libretto gemeinsam nach E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“. Die Musik stammt von dem Komponisten Léo Delibes (1836 – 1891). „Coppélia“ erzählt die Geschichte einer lebensgroßen mechanischen Puppe, die einem jungen Mädchen so täuschend ähnlich ist, dass sie leidenschaftliche Liebe erregt. Coppélia, das Mädchen mit den Emaille-Augen - wie das Ballett im Untertitel heißt - übt auf Franz eine verführerische Anziehungskraft aus. Swanilda, seine Geliebte, ist eifersüchtig und versucht ihn zurück zu gewinnen. Swanilda will Franz seine Untreue beweisen. Sie entdeckt Coppélia in der Werkstatt des Puppenmachers Coppelius. Als Swanilda erkennt, dass Coppélia eine Puppe ist, atmet sie erleichtert auf. Doch der Puppenmacher erweckt sein Geschöpf tatsächlich zum Leben, verliert dabei aber jegliche Kontrolle über sein verhextes Werkstück: Die beseelte Coppélia wird immer ungezogener und richtet inmitten ratternder Uhrwerke und Automaten ein wildes Chaos an.
ARTE zeigt drei Variationen des mittlerweile zum Ballettklassiker avancierten Stückes mit Léo Delibes Originalmusik von 1870. Der erste Teil des Films stellt das Stück aus der Zeit der Romantik in einer Neufassung von Pierre Lacotte vor, die 2001 an der Pariser Oper zu sehen war. Pierre Lacotte hält sich in Teilen an die klassische Vorlage und streicht mittels der Kostüme den Schauplatz der Handlung heraus: Saint-Léon, der eine Vorliebe für klassische Nationaltänze hatte, verlegte das Geschehen abweichend von der literarischen Vorlage in eine Kleinstadt nahe der galizisch-ungarischen Grenze. Ungarische Tänze wie die Mazurka und die Csárdás waren so zum ersten Mal auf einer Ballettbühne zu sehen. Der zweite Teil des Tanzfilms über das trügerische Spiel mit der Illusion zeigt eine Aufführung des Staatsballetts Marseille aus dem Jahr 1975. Der Puppenmechaniker Coppelius, getanzt von Roland Petit, ist darin nicht mehr der verrückte Gelehrte, sondern ein verführerischer Pygmalion. Abweichend von dem Originallibretto verliebt sich hier der Puppenmacher in sein eigenes Geschöpf. Roland Petit stellt dies in einem humorvollen Tanz mit einer an seinen Füßen befestigten Stoffpuppe dar. Er haucht Coppélia mit seinen eigenen Bewegungen Leben ein, so dass seine Tanzpartnerin täuschend echt wirkt. Der dritte und letzte Teil des Films präsentiert das Stück in einer Aufführung des Balletts der Oper von Lyon aus dem Jahr 1993. Die Inszenierung von Maguy Marin setzt die Figur Coppélia mit filmischen Mitteln ins Unendliche fort. Maguy Marins Coppélia vervielfacht sich, sie wird von Frauen und Männern in uniformen roten Kostümen und hochhakigen roten Schuhen verkörpert. Bei Maguy Marin ist Coppélia ein androgynes Wunschgebilde ähnlich einer Barbie-Puppe.







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