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Mit offenen Karten

Mit offenen Karten wird jeden Samstag um 19.15 Uhr auf ARTE ausgestrahlt, ebenso wie am Mittwoch um 00.50 Uhr und am Samstag um 11.45 Uhr. Die Sendung wird (...)

Mit offenen Karten

23/06/05

DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO (1. TEIL)


Das Land



Kleine Kolonialgeschichte


Wolfgang Reinhard
Kröner, Stuttgart - 1996

Vor sieben Jahren ist Wolfgang Reinhards "Geschichte der europäischen Expansion" in vier Bänden erschienen – das einzige Übersichtswerk zum Thema in deutscher Sprache, das den neueren Forschungsstand verarbeitet. Nun liegt auch eine handliche Kurzfassung dieses Werks vor, welche die geschichtliche Entwicklung bis zur Gegenwart nachzeichnet. Der Verfasser unterscheidet drei Grundtypen der Kolonisation: die Stützpunktkolonisation, wie sie die Portugiesen und Holländer im asiatischen Raum betrieben; die Siedlungskolonisation der Spanier und Engländer in Amerika, die von großen Migrationsbewegungen getragen wurde; die Herrschaftskolonien, wie Engländer und Franzosen sie in Indien und Teilen Afrikas einrichteten. Wie schon im vierbändigen Werk legt Reinhard besonderes Gewicht auf die wirtschaftlichen und politischen Vorgänge, wobei er generalisierende Erklärungsmodelle meidet und – soweit auf knappem Raum möglich – den regionalen Besonderheiten Rechnung trägt. Demgegenüber tritt die geistesgeschichtliche Entwicklung zurück: Sie wird zwar im Zusammenhang mit der Mission gestreift; der emanzipatorische Diskurs im Zusammenhang mit der Dekolonisation wird aber nicht berücksichtigt. Das trotz unvermeidlichen Verkürzungen überzeugend gegliederte und gut lesbare kleine Werk ist nicht zuletzt Ausdruck einer seit einiger Zeit sich anbahnenden Neubewertung der europäischen Überseekolonisation, was etwa dann sichtbar wird, wenn der Autor bemerkt, der Historiker habe dafür Verständnis aufzubringen, "dass Menschen unter Umständen lieber von ihresgleichen schlecht als von Fremden gut regiert werden wollen". (Quelle: Neue Zürcher Zeitung)



Regierungsauftrag Mord - Der Tod Lumumbas und die Kongo- Krise


Ludo de Witte
Forum Verlag, Leipzig - 2001

Die politische Karriere von Patrice Lumumba war von kurzer Dauer. Gerade drei Monate verweilte er als Premierminister Kongos im Amt, als er 1961 brutal ermordet wurde. Die Umstände seines Todes hat der belgische Soziologe Ludo De Witte detailliert untersucht und 1999 seine Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt, berichtet Andreas Eckert. Und die werfen kein gutes Licht auf die westliche Welt. Dass der CIA in die Ermordung des Staatsmannes verwickelt war, sei ja hinlänglich bekannt, weiß der Rezensent, aber die Mitverantwortung Belgiens sei bisher nicht so deutlich herausgearbeitet worden. Die Lektüre sei zwar fesselnd, lobt der Rezensent, trage aber auch zur Mythen- und Legendenbildung über Lumumba bei. Die Arbeit De Wittes sei verdienstvoll, aber auch streckenweise oberflächlich, etwa seine Analysen über den Kalten Krieg, die politische Ethnizität im Kongo und die Rolle der UN. Aber, informiert Eckert, das Buch De Wittes hatte Folgen. Nach der Publikation untersuchte eine Kommission des belgischen Parlaments die Umstände des Politmords, und immerhin gestand sie dann eine moralische Mitschuld Belgiens ein, so der Rezensent. (Quelle: perlentaucher.de / Frankfurter Rundschau)



Der afrikanische Traum


Ernesto Che Guevara


Das Jahr 1964, in dem Che Guevara im Kongo war, ist bisher noch kaum beleuchtet. Sein Tagebuch, jetzt erstmals vollständig veröffentlicht, schildert das bittere Scheitern eines Traums und gibt sehr persönliche Einblicke in die Gedanken und Gefühle des großen Revolutionärs. 1964 war Che inkognito nach Afrika gegangen. Schon sein erster Eindruck von den Führern der afrikanischen Befreiungsbewegungen, "die aus ihrer Situation einen lukrativen und wenig anstrengenden Beruf gemacht haben und in Hotels ein behagliches Leben führen", ist verheerend. Che Guevara versucht, aus den unerfahrenen schwarzen Kämpfern eine Guerilla-Armee zu schmieden, doch letztlich bleibt nur die Flucht in den Sarkasmus: "Es ist klar, dass eine solche Armee nur eine Daseinsberechtigung hat, wenn sie wie der Feind hin und wieder auch kämpft."
Dilettantisch vorbereitete Einsätze führen schließlich ins Fiasko, viele schwarze und kubanische Kämpfer fallen. Che glaubt nicht nach Kuba zurückkehren zu können, worum Fidel ihn freundschaftlich bittet: "Ich weiß, dass du am 14. achtunddreißig wirst. Meinst Du vielleicht, ein Mann fängt in diesem Alter an, alt zu werden?" Che geht dann nach Bolivien, um dort die revolutionäre Sache, unter besseren Bedingungen, wie er glaubt, zu befördern. Am 9. November 1967 wird er in Gefangenschaft erschossen




Herz der Finsternis


Joseph Conrad
Reclam, Ditzingen - 1991

Conrad verarbeitet in diesem grandiosen kleinen Roman sein eigenes Kongo-Abenteuer, von dem ihm eine zeitlebens zerrüttete Gesundheit und alptraumhafte Erinnerungen geblieben waren. Der Erzähler Marlow geißelt in der Figur des pervertierten Handelsagenten Kurtz den europäischen Kolonialismus, aber dem Autor geht es um mehr: die Fahrt in den urweltlichen Dschungel wird zur Entdeckungsreise ins Ungewisse der eigenen Existenz, in die Untiefen des Halb- und Schuld. (Klappentext)



Erstellt: 11-05-04
Letzte Änderung: 23-06-05