Der Dalai Lama ist im Westen für viele Sinnsuchende das größte Vorbild, den Tibetern gilt er als Reinkarnation Gottes. Er ist eine kultisch-religiöse Autorität, Friedensnobelpreisträger und Botschafter des Buddhismus. Gleichzeitig ist er aber auch das bis heute im Exil lebende Oberhaupt Tibets. Im März 2008 trat Tibet und der Dalai Lama durch den Aufstand der Mönche noch mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Die Dokumentation, die kurz vor dem Aufstand entstand, zeigt ein umfassendes Porträt des Dalai Lama. Und liefert gleichzeitig wichtige Hintergrundinformationen zur politischen Lage in Tibet.
- 10.08.2008, 18.15 Uhr
Dalai Lama - Ein Herz für alle Menschen
Dokumentation, Frankreich 2008, ARTE F, Erstausstrahlung, 43 Min.Regie: Franck Sanson
Im tibetischen Buddhismus gilt der Dalai Lama als Mensch, der sich entschlossen hat, weiterhin in der Welt zu leben, obwohl er als erleuchtetes Wesen den Kreislauf der Wiedergeburt bereits hätte verlassen können. Gleichzeitig betrachten die Tibeter ihn aber auch als staatliches Oberhaupt Tibets. Der 14. Dalai Lama flüchtete 1959 mit seinem Gefolge ins Exil. Nachdem, so die tibetische Sichtweise, das vorher unabhängige Land von China annektiert worden war. Im Februar 2008 empfing das geistige Oberhaupt der Tibeter Kameraleute in seiner Residenz im nordindischen Dharamsala. Sehr lebendig und humorvoll erzählt er aus seinem Leben, angefangen von seiner Kindheit im legendären Potala-Palast in Lhasa und seinen Versuchen, der Wachsamkeit seiner Meister zu entgehen. Sein jüngerer Bruder Ngari Rinpoche schildert die Flucht 1959.
Der Premierminister der tibetanischen Exilregierung, Samdhong Rinpoche erläutert die Modernisierungsbestrebungen des Dalai-Lama, der den direkten Übergang von der weltweit letzten Theokratie zur weltlichen Demokratie vollziehen will.
Zusammen mit Archivbildern fügen sich diese Erzählungen zu einer Biografie des Friedensnobelpreisträgers zusammen und liefern die Hintergründe für die aktuelle Lage in Tibet unter chinesischer Besatzung. Die Tibeter sprechen von kulturellem Völkermord und demografischer Aggression und sehen ihre Identität bedroht.
Deutlich wird auch, warum sich die junge Generation, die im Exil aufgewachsen ist, heute in einem Gewissenskonflikt befindet und zwischen dem Festhalten an der buddhistischen Tradition des Gewaltverzichts und der gewaltsamen Durchsetzung der Unabhängigkeit schwankt.
Durch sein unermüdliches Streben nach Aussöhnung appelliert der Dalai-Lama an unser Gewissen, an unsere Bereitschaft, für Frieden, Menschenrechte, Brüderlichkeit und Verantwortungsbewusstsein einzustehen.