Tschad 2006: Der 16-jährige Atim wird von seiner Familie in die Hauptstadt N'Djamena geschickt, um die Erschießung seines Vaters zu rächen. Er schleicht sich bei dem vermutlichen Mörder, dem Bäcker Nassara, als Lehrling ein, um ihn hinterrücks zu ermorden. Doch Atim entwickelt Mitgefühl und Sympathie für den alten Mann mit der jungen schwangeren Frau. Er fühlt sich immer mehr zerrissen zwischen den Erwartungen seiner Familie und dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft ...
Tschad 2006: Die Regierung erlässt eine allgemeine Amnestie für Kriegsverbrecher. Das ist keine gute Nachricht für viele Familien, die Angehörige verloren haben, auch nicht für die von Atim. Deshalb wird der 16-jährige Atim persönlich von seinem Großvater losgeschickt, um den Mörder seines Vaters zu bestrafen: mit dem Revolver. So macht sich der Jugendliche in die Hauptstadt N'Djamena auf. Der vermutliche Mörder, der alte Nassara, betreibt dort eine Bäckerei. Atim lässt sich von ihm als Bäckerlehrling anstellen.
Nassara kümmert sich mit seiner jungen Frau Aïcha um den für ihn verloren wirkenden Jungen und Atim lernt die Kunst des Brotbackens. Atim entwickelt eine große Zuneigung zu Nassara, der ihm den verlorenen Vater ersetzt. Auch Nassara hat väterliche Gefühle. Atim fällt es immer schwerer, die vom Großvater geforderte Tat zu vollbringen. Sein Zwiespalt wird noch größer, als Nassara vorschlägt, ihn zu adoptieren, und dazu die Einwilligung der Familie einholen will ...
Im Tschad herrscht seit 1965 Bürgerkrieg. Die Lage hat sich durch mehrere Friedensabkommen seit 2001 verbessert, bleibt aber instabil. Zum Problem des Krieges kommen in dem Land noch Dürre und Hungersnot.
Der Regisseur wurde selbst bei Kämpfen verletzt und verließ das Land daraufhin. Er sagt über den Krieg: "Das furchtbare am Bürgerkrieg ist, dass plötzlich jegliche Grausamkeit, jedes Verbrechen erlaubt ist, ohne geahndet zu werden. Daraus ergibt sich dieses Verlangen nach Rache, das im Grunde nur der Wunsch nach Gerechtigkeit ist. Bei 'Daratt' interessierte mich, was vom Land nach dem Krieg übrigbleibt, die Ruinen. Wie kann man nach so viel Hass weiterleben? Was bedeutet es, einen Menschen zu töten?" Diese Fragen inszeniert er in seinem Film mit minimalistischen Bildern voller Spannung zwischen Körpern und Blicken - die Bäckerei wird zur Bühne.
Mahamat-Saleh Haroun wurde 1960 geboren. Er studierte Regie und Journalismus in Frankreich. Sein erster Spielfilm "Bye Bye Africa" über seine Rückkehr in sein zerstörtes Land, den Tschad, gewann in Venedig den Preis CinemAvvenire für den besten Erstlingsfilm. Sein Film "Abouna" von 2002 lief in der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes.
"Daratt - Zeit der Entscheidung" wurde mit dem Großen Preis der Jury und dem UNESCO-Preis in Venedig 2006 ausgezeichnet.