31.03.2007Darfur : der erste Völkermord dieses Jahrhunderts?
Von Alain Chabod et Wissam Charaf - ARTE GEIE – Frankreich 2007
Video - 22'Nach schwierigen Verhandlungen mit den Behörden der sudanesischen Zentralregierung in Khartum ist es den ARTE-Reportern Alain Chabod und Wissam Charaf zum fünftenmal gelungen, die westsudanesische Region Darfur zu bereisen. Das Regime von Präsident Omar al-Bachir versucht die Konfliktregion so weit wie möglich vor den Augen der internationaler Öffentlichkeit abzuschirmen, einige westliche Beobachter bezeichnen die Übergriffe der Regierung als ethnische Säuberung, andere sprechen ganz offen von einem Völkermord, dem ersten in diesem Jahrhundert.
Im Norden der Kriegsprovinz herrscht auch nach der Unterzeichnung des zweiten Friedensabkommens vom Mai 2006 weiterhin eine grosse Spannung, die ungewisse Sicherheitslage bedroht nicht nur die einheimische Bevölkerung sondern auch die 5000 Friedenssoldaten, die die Afrikanische Union entsandt hatte und die 13 000 Helfer internationaler Hilfsorganisationen, die vor allem versuchen, die Flüchtlinge in den zahlreichen Lagern mit dem Notwendigsten zu versorgen. Von den sechs Millionen Einwohnern des Darfour sind 2,5 Millionen Flüchtlinge im eigenen Land, 200 000 haben Zuflucht im benachbarten Tschad gefunden. Die Angaben über die Zahl der Todesopfer schwanken zwischen 200 und 400 000.
Im Februar 2003 eskalierte der Konflikt, nachdem afrikanische Milizen der Darfour-Rebellen staatliche Einrichtungen angegriffen hatten, um die Marginalisierung durch Khartoum anzuprangern. Ein erster grosser Sieg der beiden Rebellen-Milizen von der „Sudanesischen Befreiungsarmee“ und der „Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit“ war die Eroberung der Garnisonsstadt al-Faschir im Juni 2003 , dabei wurden 75 Soldaten der Regierungstruppen getötet, Waffenlager wurden geplündert und vier Militärhubschrauber zerstört. Als Reaktion liess Khartoum aus den nomadischen Stämmen der Region Darfur Reitermilizen rekrutieren und bewaffnen, diese sogennanten Dschandschawid-Milizen griffen nicht nur Verbände der Rebellen sondern auch die Zivilbevölkerung an.
Am 8.April 2004 wurde auf Vermittlung der Afrikanischen Union ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, im April 2005 erinnerte Generalsekretär Kofi Annan daran, dass UN-Beobachter die Gewalt in der Region als „ethnische Säuberung“ bezeichnet haben. Danach schlugen Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch, Amnesty International und die Gesellschaft für bedrohte Völker Alarm. Der sudanesischen Regierung wurden systematische Massaker gegen die aufständische Bevölkerung im Westen vorgeworfen. Am 31.August 2006, zwei Monate nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1706, die die Entsendung einer 20 000 Mann umfassenden Friedenstruppe vorsieht. Präsident Omar al-Bachir hat das UN-Begehren zurückgewiesen. Auch dem französischen Präsidenten Jacques Chirac war es beim letzten Afrika-Gipfel in Cannes nicht gelungen, die Machthaber in Khartoum umzustimmen.







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