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24/06/11

Das Berlin Festival

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Hauptstädter sind es eben gewohnt, sich durchzusetzen. Notfalls durch kollektiven Ungehorsam. Ende letzen Jahres wurde in Tempelhof der kleinste der drei Berliner Flughäfen wegen Unrentabilität geschlossen. Seitdem ist die Zukunft der 4 Mio. Quadratmeter großen Fläche mitten in Berlin ungewiss. Anwohner und Aktivisten wollen das Gelände für die Allgemeinheit öffnen, jedoch gibt es Entwürfe für eine Rotlichtmeile oder ein Hochglanz-Medienquartier.

Aus Protest dagegen versuchen Mitte Juni hunderte Demonstranten den Zaun zum Rollfeld zu überwinden und das Gelände symbolisch zu besetzen. Ein Großaufgebot der Polizei vereitelt das. Zwei Monate später darf der Flughafen wieder ganz legal betreten werden. Bei geschmeidigen 29 Grad im Schatten findet hier zum ersten Mal das Berlin-Festival statt. Neben den üblichen Festivalgrößen sind aus Berlin mit dabei: die Durchstarter Bodi Bill!

Eine Woche vor dem Festival gab es Beschwerden seitens der Anwohner. Deshalb musste zum Ärger des Veranstalters der gesamte Ablauf und Bühnenplan geändert werden. Fabian von Bodi Bill: „Ja, wegen Lärmbelästigung ... das ist halt ne interessante Geschichte, weil der Flughafen ja auch ein bisschen was mit Lärm zu tun hat wenn so ein Flugzeug startet und landet. Und jetzt haben sich die Anwohner so daran gewöhnt, dass hier Ruhe ist, dass sie gesagt haben: Alle Live-Bands müssen bis 20 Uhr fertig sein.“

Deshalb müssen Bodi Bill heute zwei Stunden früher auf die Bühne. Im Boarding-Bereich auf dem Rollfeld spielen sie vor heimischem Publikum unter vollem Körpereinsatz. „Schön ist“, meint Fabian, „dass Berlin so ein internationales Dorf ist. Und ich meine aus dieser internationalen Dörflichkeit heraus, sind schon viele Ideen entstanden.“ Sascha von Moderat: „Die ganze Welt ist nach Berlin gezogen, zumindest die musikalische Welt. Und man geht halt zum Bäcker und trifft dann irgendwie Chris Clark und fragt nach nem Remix.“

Um 02:00 morgens finden Konzerte nur noch auf der schallgeschützten MainStage im Hangar statt. Auf der Bühne spielt eine der vielversprechendsten Künstler-Kombination der Stadt: das Duo Modeselektor und Apparat – zusammen sind sie Moderat. Treibender Teil der Show sind die herausragenden Visuals der „Pfadfinderei“ - ein internationales Videokunstkollektiv, das sich selbst auch als multimediale Wurstfabrik bezeichnet.

Gernot von Moderat: „Diese elektronische Musik, die in Berlin ist und die Berlin auch ist, ist wie so ein Unkraut oder ein Geschwür, was immer wieder mit einem Spaten, wie so ein Maulwurfshügel von den Oberen platt geklopft wird und plop kommt schon auf der anderen Seite wieder der nächste Hügel raus. Und das hat sich in Berlin eigentlich nicht geändert, sondern es ist vom Prinzip her gleich geblieben. Und das der Sound von Berlin. Also sprich, diese Idee, die da drin steht, dieser Drang, frei zu sein.“
Moderat: „In Berlin kann man sich Idealismus noch leisten!“

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Video



Bodi Bill - I Like Holden Caulfield


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Freitag 4. September 2009 um 23.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2009, 52mn)
WDR

Erstellt: 03-09-09
Letzte Änderung: 24-06-11


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