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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 25. Januar 2007 - 26/01/07

Das Fräulein

Ein Film von Andrea Staka


Eine Geschichte über
Heimat in der Ferne

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Schweiz/Deutschland 2006,
Regie: Andrea Staka
Mit Mirjana Karanovic, Ljubica Jovic, Marija Skaricic
 
Synopsis: Drei Migrantinnen aus Ex-Jugoslawien, Ruza, Mila und Ana arbeiten in einer Kantine in Zürich. Sie haben sehr unterschiedliche Lebensläufe. Nach und nach entwickelt sich eine vorsichtige Freundschaft zwischen Ruza und Ana.
 
Kritik: In DAS FRÄULEIN geht es der Regisseurin Andrea Staka um die Frage, „ob die Heimat letztlich nicht in uns selbst liegt. Das entspricht meiner persönlichen Erfahrung und Entwicklung. Ich bin als Kind kroatisch-bosnischer Eltern in Zürich aufgewachsen. Die Ferien verbrachten wir in Dubrovnik und Sarajevo. Und seit acht Jahren wohne ich in New York.“
 
Fein beobachtet hat sie den Alltag der 50-jährigen alleinstehenden Ruza, die es in jahrelanger mühevoller Arbeit zu einer kleinen Kantine im Industrieviertel Zürichs gebracht hat. Für sie arbeitet die 60-jährige Mila, die glücklich verheiratet ist und auf ein kleines Häuschen in Kroatien spart. Routiniert spult sich der Kantinenalltag ab, bis Ruza abends ihre Einnahmen zählt und in ihre kleine Singlewohnung zurückkehrt. Als eines Tages die 22-jährige Ana auftaucht, bringt sie die eingespielte Routine völlig durcheinander. Aber es gelingt ihr, einen Zugang zu der verschlossenen Ruza zu finden und eine Freundschaft mit ihr aufzubauen.
 
Andrea Staka erzählt ihre Geschichte in einer stillen und einfachen Art, die dennoch sehr einprägsam ist. Jede der drei Frauen bekommt dabei eine eigene Atmosphäre, eine eigene Farbgebung und einen eigenen Kamerastil, die ihre jeweils unterschiedlichen Charaktere betonen. Während in Ruzas Leben Monotonie und Eintönigkeit vorherrschen, geht es im aufgeräumten Leben der freundlichen Mila vor allem beschaulich zu. Die temperamentvolle Ana begleiten kräftige Farben und eine bewegte Handkamera. Sie lebt in den Tag hinein, hat flüchtige Affären mit Männern, legt sich nicht fest. Sie wirkt fröhlich, unverdorben und direkt. Im Laufe der Handlung erfahren wir von ihrer furchtbaren Vergangenheit in Sarajewo, dem Tod ihres Bruders und ihrer schweren Krankheit, die bedrohlich über jedem ihrer Tage liegt. So ein Stoff könnte – käme er in die falschen Regiehände – Ausgangsmaterial sein für ein furchtbar kitschiges Drama. Doch Andrea Staka gelingt es ohne viel Aufsehen und ohne überflüssige Schnörkel einen erstaunlichen Film zu drehen, der durch seine Schlichtheit überzeugt.
 
Leicht und zufällig kommt der Alltag dreier Frauen daher, der dennoch in jeder Einstellung komponiert und geplant ist. Aber das verbirgt der Film genauso geschickt und unaufdringlich, wie Ana niemandem von ihrer Krankheit erzählt. Andrea Staka stellt drei starke Frauen ins Zentrum ihrer Handlung, die davon kein Aufheben machen, und die dennoch um soviel bewusster leben, als all die Männer, die in diesem Film zu sehen sind. Mirjana Karanovic und Ljubica Jovic, die beide aus Ex-Jugoslwaien stammen, - die Ruza und Mila spielen - sprachen beide kein Deutsch, sie lernten ihre Rollen phonetisch. Das Ergebnis ist beeindruckend. Irgendwann bricht die Staka ihre Geschichte einfach ab, und lässt uns, die Zuschauer mit einem offenen Ende allein. Wer das „Fräulein“ eigentlich ist, bleibt ebenfalls unklar. Vom Alter her wäre es auf den ersten Blick Ana, doch auch die unverheiratete Ruza käme in Frage. Beide werden sie mit den gleichen Worten an die Tische der Kantine gerufen: Fräulein, bitte zahlen.“
 
Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 23-01-07
Letzte Änderung: 26-01-07