- Definition des Fetischismus
Der Fetisch dient als imaginärer Ersatz für den fehlenden Penis der Mutter und soll diesen Mangel der Frau verbergen und kompensieren. Weiterhin dient er als Schutz vor Kastration: Da die anderen den Fetisch nicht als solchen erkennen, kann er auch nicht gestohlen werden. Der Akt des Stehlens kommt einer Kastration des Bestohlenen gleich. Oft wird auch der Fetisch durch eine aggressive Handlung (Diebstahl) erworben, zumal der Begriff der Gefahr an sich eine wichtige Rolle spielt. Die Gegenstände, die als Fetische dienen, stehen für Körperteile der Mutter. Fetischismus ist eine Folge der Identifizierung mit der phallischen Mutter, wobei die Trennung von der Mutter größere Angst auslöst als die Kastration des Vaters.Der Fetisch kann als bloße Stütze des Sexualverhaltens dienen, er kann aber auch den Partner zurückdrängen oder sogar ganz ersetzen. Fetischismus ist auch ein Schutzverhalten gegen Homosexualität.
(Quelle der französischen Version ist die Website http://psychiatriinfirmiere.free.fr)
- Mark Lampheres Fetischismus
Schon sein ganzes Leben lang fühlt sich Mark Lamphere (Michael Redgrave) von den Frauen beherrscht (insbesondere von seiner Mutter und seiner Schwester, die ihm seine Lebensgestaltung vorgeschrieben haben) oder verfolgt (z.B. von seiner eifersüchtigen Sekretärin, Miss Robey). Deswegen hegt er einen heftigen Groll gegen Frauen. Diese Wut wird noch durch ein traumatisches Ereignis verstärkt, das die Ursache seiner Neurose ist und das am Ende des Films ans Licht kommt: Mark Lamphere glaubt, seine Mutter habe ihn eines Abends eingesperrt, um auf einen Ball zu gehen, obwohl sie versprochen hatte, ihm eine Geschichte zu erzählen. Es stellt sich heraus, dass in Wirklichkeit Marks Schwester ihn eingesperrt hatte, um ihm einen Streich zu spielen.
Seitdem rächt er sich durch den Fetischismus für sein Gefühl der Kastration und der enttäuschten Liebe – denn wie bereits gesagt ist der Fetischismus die Folge einer traumatischen Trennung von der Mutter und wird als Möglichkeit empfunden, sowohl sich selbst vor Kastration zu schützen als auch die anderen zu kastrieren. Mark Lamphere ist eine Art moderner König Blaubart. Er bildet Zimmer, in denen Frauen ermordet wurden, in seinem Haus detailgetreu nach. In diesem zwanghaften „Sammeln“ von Zimmern äußert sich sein Fetischismus, der z.B. bei Mark Rutland, der männlichen Hauptfigur in Alfred Hitchcocks „Marnie“, in der Leidenschaft für Zoologie zum Ausdruck kommt.
- Mark Lampheres Zwangsneurose
Die peinliche Genauigkeit, mit der Mark Lamphere die Mordschauplätze nachbildet, legt die Vermutung nahe, dass er an einer Zwangsneurose leidet und daher übergroßen Wert auf Symmetrie, Genauigkeit, Ordnung und Perfektion legt. So merkt er zum Beispiel, dass die Kerzen im Zimmer seiner Frau Celia nicht symmetrisch angeordnet sind und dass eine von ihnen kürzer ist als die anderen. Als die junge Frau die Nachbildung ihres Zimmers betritt, wird ihr bewusst, dass ihr Mann dieses Detail genau berücksichtigt hat. Die Zwangsneurose geht mit verschiedenen Symptomen einher. Mark Lamphere leidet zunächst einmal an Zwangsbefürchtungen: Menschen mit dieser Störung sind beherrscht von dem Gedanken an einen Gegenstand oder eine Situation, die ihnen Angst macht. Bereits die bloße Erwähnung des Objekts löst die Angst aus. So gerät Mark Lamphere zum Beispiel in finstere Stimmung und weicht seiner Frau aus, als diese ihn mit einer bestimmten Blume im Knopfloch am Bahnhof abholt. Sie findet schließlich heraus, dass ein enger Zusammenhang zwischen diesen Blumen und dem Tag besteht, an dem Mark eingesperrt wurde, und dass allein durch den Anblick einer solchen Blume das Kindheitstrauma wieder hochkommt.
Weiterhin hat Lamphere Angst vor verriegelten Türen, die für ihn Eingesperrtsein oder Ausgeschlossensein bedeuten. So reagiert er sehr heftig, als seine Frau zum Spaß ihre Zimmertür abschließt und ihn nicht hereinlässt. Als er sich von seiner eifersüchtigen Sekretärin mit seiner Frau in dem Zimmer einsperren lässt, das er für ihre Ermordung eingerichtet hat, überkommen ihn nach kurzem Zögern unwiderstehliche Mordgelüste: Durch das Geräusch des Schlüssels, der sich im Schloss dreht, flammt sein Frauenhass in voller Stärke wieder auf.
Daher geht er auch mehrmals seiner Frau aus dem Weg, als er mit Gegebenheiten konfrontiert wird, die diesen mörderischen, ihn beängstigenden Hass in ihm auslösen. Diese Angst ist charakteristisch für Zwangsimpulse, unter denen Mark Lamphere ebenfalls leidet. Betroffene Menschen haben Angst, eine absurde, kriminelle oder verbotene Handlung auszuführen. Tatsächlich begehen sie die gefürchtete Tat aber nicht, sondern bereiten sie höchstens vor. Diese Zwangsimpulse sind auch für Marks Schuldgefühle wegen des Todes seiner ersten Frau verantwortlich, denn er ist überzeugt, sie durch mangelnde Liebe umgebracht zu haben.
Merkmale einer zwanghaften Persönlichkeit:- Unentschlossenheit, Zweifel und übermäßige Vorsicht
- ständige Beschäftigung mit Details, Regeln, Listen, Ordnung, Organisation und Programmen
- Perfektionismus, der verhindert, dass Aufgaben zu Ende geführt werden
- übertriebene Skrupel, Gewissenhaftigkeit und unverhältnismäßige Leistungsbezogenheit unter Vernachlässigung von Vergnügen und zwischenmenschlichen Beziehungen
- Unnachgiebigkeit und Eigensinn
- Bestehen auf Unterordnung anderer unter eigene Gewohnheiten oder unbegründetes Zögern, Aufgaben zu delegieren
- Stabile Persönlichkeit mit wenig sozialen Kontakten
- Mögliche Komplikationen: Depressionen, Hypochondrie, Ängste, Zwangsgedanken und –impulse.
Tatjana Marwinski






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