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Rumänischer Film

Das rumänische Kino zwischen Krise und Aufbruch...

Rumänischer Film

Programmschwerpunkt: Das neue rumänische Kino - 26/05/10

Das "Goldene Zeitalter"?! Das rumänische Kino zwischen Krise und Aufbruch

Von Nadja Rademacher


Rumänien wurde oft als Land der Ungleichzeitigkeiten beschrieben. Kreativität und Stillstand, protzender Reichtum und Demut, brutale Urbanisierung und abgelegenste Dörfer - all das lässt sich andernorts selten so nah und gleichsam so fern voneinander erleben. Ungleichzeitigkeiten prägen auch das rumänische Kino.
Im Jahr 2009 wurden an die 15 Filme produziert, in Frankreich - zum Vergleich - über 200 Produktionen. Und doch gilt Rumänien als eines der dynamischsten und interessantesten Filmländer Europas.

Glaubt man den Statistiken, die vom Regisseur Cristian Mungiu zitiert werden, - als Beleg dafür, dass sich das rumänische Kino nicht wirklich im goldenen Zeitalter befindet -, so gibt es ca. 80 Leinwände für 20 Millionen Einwohner. Es heißt sogar, ein Rumäne gehe durchschnittlich nur alle zehn Jahre ins Kino! Und trotzdem entstehen neben den etablierten Festivals zahlreiche neue Initiativen wie beispielsweise 2009 das Timishort Film Festival in Timişoara/Temeswar, mit Filmemacher Corneliu Porumboiu als Mitglied der Jury.

Auffällig ist in den letzten Jahren besonders die Festivalpräsenz von rumänischen Filmen innerhalb wie auch außerhalb von Rumänien. Die bekanntesten rumänischen Filmemacher, wie Cristian Mungiu und Corneliu Porumboiu, wurden mit dem Transilvania International Filmfestival groß und bekannt. Das Festival wurde 2002 von einer jungen Initiative um Tudor Giurgiu und Mihai Chirilov in Klausenburg gegründet, um das rumänische Filmschaffen zu fördern, und hat dabei die nationale Filmförderung aufgerüttelt und verjüngt. Mittlerweile hat es sich zu einem der wichtigsten Festivals in Südosteuropa entwickelt. Aktuell wird an einer "Kino-Karawane" durch den Balkan gearbeitet, ein Projekt welches sehenswerte Filme in entlegene Regionen bringt.

Seit 2005 gibt es in Cannes regelmäßig Auszeichnungen für rumänische Filme, seitdem ist auch die Rede von der "Neuen Rumänischen Welle". Cristi Puiu war der erste im Bunde: Sein "Der Tod des Herrn Lazarescu" wurde in Cannes mit dem Preis "Un Certain Regard“ ausgezeichnet. Dann erhielt Corneliu Porumboiu die "Caméra d’Or" für "12:08 Jenseits von Bukarest". Im Folgejahr 2007 wurde Cristian Mungiu für "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und Cristian Nemescu erhielt postum den Preis „Un Certain Regard“ für den Film "California Dreamin'". 2009 erhielt Corneliu Porumboiu den Jurypreis der Sektion "Un Certain Regard" für "Politist, adjectiv".

Die Regisseure selbst äußern sich unterschiedlich zur Bezeichnung der „Neuen Welle“, die vor allem von der Presse geprägt sei. Gemeinsam ist der Generation das Bekenntnis zu Rumänien und die filmische Auseinandersetzung mit der jüngsten rumänischen Vergangenheit. Themen wie die ungeheuerliche Geburtenpolitik unter Ceauşescu, der Rückblick auf den Sturz des Ceauşescu-Regimes 1989, die Kritik am Gesundheitswesen aber auch an Mentalitäten werden auf eine sehr authentische, fast dokumentarische Weise filmisch bearbeitet. Die Verwendung von Handkameras, eine minimalistische Inszenierung sowie tragikomische Handlungsmotive sind charakteristisch für die Arbeiten dieser Regisseure.

Ein verbindendes Element ist weiterhin die Zusammenarbeit mit französischen oder in Frankreich lebenden, rumänischen Produzenten wie Daniel Burlac. Im letzten November ist ein Abkommen für Koproduktionen zwischen Frankreich und Rumänien unterzeichnet worden. Auch der Standort Deutschland mit Koproduzenten und Festivals, die auf den mittel- und osteuropäischen Film spezialisiert sind, spielt eine wichtige Rolle. Das jährlich im Frühjahr stattfindende goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films bietet Produktionen aus dieser Region eine Plattform. Wir sind stets gespannt auf Neues aus Rumänien. Auch wenn letzte Nachrichten lauteten, dass die dortige Kinoförderung drastisch gesunken sei – die nächsten interessanten Filme aus Rumänien kommen bestimmt!


Mit freundlicher Genehmigung von Nadja Rademacher
Festivalleitung goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films. Homepage: www.filmfestival-goeast.de


Weiterführende Links


  • Barbara Schweizerhof über das neue Kino aus Rumänien: auf epd-film.de
  • Hilke Gerdes über Rumänien und das rumänische Filmwesen: auf perlentaucher.de
  • Kurzfilme aus Rumänien im Kurzfilm-Magazin KurzSchluss auf der ARTE-Website
  • TIFF - Transilvania International Film Festival (in Englisch hier)

Erstellt: 26-04-10
Letzte Änderung: 26-05-10