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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 27. Dezember 2007 - 07/01/08

Das Herz ist ein dunkler Wald

Buch und Regie: Nicolette Krebitz


Was kommt nach der heilen Welt?

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Deutschland 2007, 124 Min.
Mit Nina Hoss, Devid Striesow, Franziska Petri, Marc Hosemann, Monica Bleibtreu, Otto Sander

© X Verleih
Synopsis: Eines Morgens entdeckt Marie, glückliche Mutter zweier Kinder mit dem Musiker Thomas, dass ihr Mann ein Doppelleben führt. Er hat eine Geliebte, die ein Kind mit ihm hat, in derselben Stadt, wenige hundert Meter von ihrem Haus entfernt. Maries heile Welt bricht innerhalb von wenigen Sekunden zusammen. Wie soll ihr Leben weitergehen?

Kritik: Völlig unspektakulär inszeniert die Schauspielerin Nicolette Krebitz die Anfangsszenen ihrer zweiten Regiearbeit. Eine intakte Kleinfamilie, Vater, Mutter, zwei Kinder, Reihenhaus. Wenige Minuten später fällt die heile Welt in Trümmer, als Marie herausfindet, dass Thomas ein Doppelleben führt. Sie bricht zusammen. Als sie wieder zu sich kommt, geistert sie umher, durch den Vorort der Kleinstadt. Spielende Kinder erinnern sie irgendwann an ihre eigenen. Sofort eilt sie nach Hause, mechanisch erledigt sie ihre mütterlichen Pflichten.

© X Verleih
Nicolette Krebitz konzentriert sich ganz auf ihre Hauptdarstellerin Nina Hoss und erzählt 24 Stunden aus dem Leben von Marie. Wird es ihr gelingen, mit den neuen Lebensumständen zurecht zu kommen? In Rückblenden erzählen sich Momente ihrer Beziehung mit Thomas. Wie auf einer Art Probebühne werden ohne jegliche Requisiten starke emotionale Momente in Szene gesetzt, ein Streit, eine Versöhnung, ein erstes Treffen. Nina Hoss und David Striesow haben bereits sehr überzeugend in Christian Petzolds YELLA ein Paar gespielt, und ab und an erinnert man sich auch daran.

Der Charakter von Nina Hoss ist sehr komplex, der Film ist getrieben von ihrer Unruhe und ihrer Unsicherheit. So findet sich der Zuschauer auf einem Maskenball in einem Schloss wieder, den Marie besucht, weil dort ihr Mann mit seinem Trio als Musiker auftreten wird. Sie will mehr über diesen einst so geliebten Menschen herausfinden, der ihr auf einmal so fremd erscheint, als kenne sie ihn kaum. Der Maskenball erinnert in seiner unheimlichen und gleichzeitig erotisch knisternden Atmosphäre an Stanley Kubricks letzten Film EYES WIDE SHUT. Die visuellen Szenen sind hier sehr stark: bei Morgendämmerung etwa laufen einige Dutzend Menschen mit ihren Masken durch den angrenzenden Wald, um den Hausherren zu finden, der gedroht hat, sich umzubringen, weil seine Frau eine Affäre hat. Marie findet sich nach einer unglücklich verlaufenen Aussprache mit Thomas an der Seite eines Verführers wieder, der sie morgens nackt alleine im Wald zurück lässt. Marie läuft splitternackt durch den Wald, so aufrecht und elegant, als würde ihr ihre Nacktheit nichts mehr ausmachen. Was dann kommt, ist überraschend und unfassbar zugleich.

© X Verleih
Nicolette Krebitz hat gut daran getan, in ihrem zweiten Film völlig auf ihre Schauspieler zu vertrauen. Ihre Besetzung ist sehr gut, neben der großartigen Nina Hoss und David Striesow spielen Franziska Petri, Marc Hosemann, Monica Bleibtreu, Otto Sander überzeugend in den Nebenrollen. Auch die Verdichtung der Zeit auf einen einzigen Tag, hilft der stringenten Dramaturgie des Films. Hat sie sich bei ihrem Debütfilm JEANS oft genug noch in hippen Bildern verloren, die mehr wollten als sie waren, und auf szenekompatibel getrimmte Dialoge der Boys und Girls der Berliner Mitte Szene konzentriert, die nicht arg viel zu sagen hatten, so hat die Regisseurin mit DAS HERZ IST EIN DUNKLER WALD nun zu einem eigenen Ausdruck gefunden. Inspiriert haben sie dabei Filme, die sie in den Siebziger Jahren gesehen hat, in denen Frauen „komplizierte Gespräche mit Männern führten, und dabei schön, aber irgendwie traurig aussahen.“ Sie hat sich damals schon immer gefragt, was geht in diesen Frauen vor? Nun hat sie sich eine ausgedacht und hat Nina Hoss zu ihrer Komplizin gemacht. „Filme wie damals“ wollte sie machen „in denen Frauen so sein durften, wie Frauen eben sind.“

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 21-12-07
Letzte Änderung: 07-01-08