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China

In dieser Rubrik können Sie die Zusammenfassungen und Kommentare der, von ARTE gesendeten Filme, wieder finden.

China

01/02/03

Das Kino Festlandchinas

China: „Die sechste Generation“

Das Kino Festlandchinas wiederum leidet unter dem Widerspruch, dass einerseits die Marktwirtschaft eingeführt wurde, andererseits die staatliche Zensur weiter besteht. Paradoxerweise hat dieser Widerspruch die interessanteste Strömung unter den derzeitigen chinesischen Kinowelten entstehen lassen: Die „sechste Generation”. Diese Cineasten-Generation hat sich aus einem gemeinsamen traumatischen Erlebnis heraus entwickelt - der Repression am Tien-An-Men-Platz. Ihre in Eigenregie produzierten, illegalen, mit sehr bescheidenen Mitteln gedrehten Filme bekräftigen die einmal getroffene Entscheidung im Dokumentarstil (keine Tonmischung, schlichte Ästhetik) und erzählen in freiem Stil einfache, im Großstadtmilieu angesiedelte Geschichten über die chinesische Jugend von heute. Dadurch unterscheidet sie sich von der vorhergehenden Generation (der „Fünften”, die Mitte der 80er-Jahre entstanden war), die sich um ein anderes tragisches Ereignis in der Geschichte des Landes geschart hatte: die Kulturrevolution. Filmemacher wie Chen Kaige („Lebe wohl, meine Konkubine“, Goldene Palme bei Festival von Cannes 1993) oder Zhang Yimou („Die rote Laterne“) haben sich vorsichtigerweise von den politisch gefährlichen urbanen Themen entfernt und erzählen Geschichten, die ein Jahrtausende altes China zeigen, von dem das westliche Publikum entzückt ist. Heute machen diese beiden Cineasten Filme, die mit der Regierung völlig auf einer Linie sind: Zhang Yimous „Heroes” hat das großzügigste Budget aller chinesischen Filme bisher, während Chen Kaiges „Der Kaiser und sein Attentäter“ die Geschichte des ersten Kaisers erzählt, der China einte, Qin Shi Huangdi.

Die Filmemacher der „sechsten Generation“ wie Zhang Yuan („East Palace, West Palace“), Jia Zhangke (Xiao Wu/“Plaisirs Inconnus”) oder Liu Bingjian („Cry Woman“) wissen trotz all ihrer kreativen und radikalen Energie sehr wohl, dass auch sie das Publikum der Filmfestspiele und ausländische (insbesondere europäische) Geldgeber interessieren müssen, wenn sie weiter Filme machen wollen. Es ist sehr schwierig, wenn man bei sich zu Hause nur im Untergrund wirken kann, das eigene Publikum nicht erreicht (weil ein Vertrieb ihrer Filme in China nicht gestattet ist) und systematisch vom Drehverbot der Regierung bedroht ist. Werden diese Filmemacher gezwungen sein, die Themen aufzugeben, die sie heute so talentiert verteidigen? Macht eine Zensur durch die Regierung in der heutigen Zeit einen Sinn?

Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 01-02-03