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DVD-News - 20/09/07

Das Leben ein Pfeifen

Ein Film von Fernando Pérez


Märchenhafte Geschichte über die Suche nach dem Glück

Kuba/Spanien 1998, 106 Min.
Regie: Fernando Pérez
Mit Claudia Rojas, Luis Alberto García, Coralia Veloz, Bébé Pérez
 
Synopsis: Das 20-jährige Waisenkind Bébé, die Erzählerin, kann entscheiden, wer glücklich sein wird. Sie erzählt drei Geschichten, von der Suche nach dem Glück. Ihre Protagonisten sind die nymphoman veranlagte Tänzerin Mariana, die Altenpflegerin Julia, die ständig in Ohnmacht fällt, und der arbeitslose Tagedieb und Musiker Elpidio, für den die Ankunft eines Heißluftballons mit einigen Wissenschaftlern an Bord sein ganzes Leben verändert.
 
Kritik: "Alle Filme, die ich gesehen habe, weckten bei mir Emotionen. Jetzt habe ich die Gelegenheit, selbst Emotionen zu wecken, zu gestalten, und sie dem Zuschauer mitzuteilen. Ich kann Gefühle und Gedanken mit vielen Menschen teilen. Das macht mich glücklich." Es klingt vielleicht erst einmal ein wenig schlicht und einfach, was Regisseur Fernando Pérez über seinen Film sagt, aber wer DAS LEBEN EIN PFEIFEN  gesehen hat, der weiß, dass die Botschaft dieses Films zutiefst human und berührend ist. DAS LEBEN EIN PFEIFEN ist ein Film über die Suche nach dem Glück, über magische Momente, die jeder in seinem Leben hat, und über das Sehen und Wahrnehmen derselben. Die Tänzerin Mariana, die Altenpflegerin Julia und der Tagedieb und Musiker Elpidio sind die auserwählten Glückskinder Bébés, der Erzählerin. Der Film folgt ihnen, die Geschichte spinnt sich lose um deren Schicksal, schlägt aber auch immer wieder mal kleine Bögen, um andere Menschen kurz vorzustellen, die sich zumeist kontrastiv zu den drei Figuren verhalten. Da trifft Elpidio etwa auf einen Mann, der ihm eine seltsame Geschichte erzählt: Er sei als der ehrenwerteste aller privaten Taxifahrer ausgezeichnet worden, weil ein Kunde bei ihm im Wagen 50.000 US-Dollar vergessen hat und er sie ihm tatsächlich bis auf den letzten Cent zurück gegeben habe. "Warum?" fragt Elpidio ihn überrascht. "Weil ich meine innere Schönheit nicht zerstören wollte", gibt dieser zur Antwort. "Du bist verrückt", erwidert Elpidio. "Du sagst, ich bin verrückt, meine Mutter sagte, ich bin ein Idiot." Elpidio geht weiter, doch die Begegnung hat etwas in ihm ausgelöst. Fiel doch wenige Tage zuvor ein Organizer aus einem Heißluftballon direkt auf ihn, als er auf einer Mauer am Hafen lag. Er stahl das Geld - 2.000 US-Dollar - und gab den Rest der Besitzerin - einer jungen Meeresbiologin - zurück, mit der er alsbald ein Verhältnis begann. Nach der Begegnung mit dem Mann bekommt er ein schlechtes Gewissen. Später einmal wird er seiner Geliebten den Diebstahl gestehen.
 
DAS LEBEN EIN PFEIFEN vermischt reale und surreale Momente kunstvoll miteinander, wobei die surrealen Momente und Motive überzeugender sind. Nach und nach finden die drei Protagonisten zu ihrem Glück, indem sie sich selbst besser kennen lernen. Dabei erhalten sie Hilfe von anderen Menschen, ohne die sie es wohl nicht schaffen würden. Der Film ist so reich an Motiven und Symbolen, dass hier nur wenige erwähnt werden können: alle drei Protagonisten sind etwa Waisenkinder, was sie miteinander verbindet. Daher fällt es ihnen schwer, echte Bindungen zu anderen Menschen einzugehen. Doch genau indem sie dies wagen, kommen sie auch sich selbst ein Stück näher. Die Erzählerin Bébé setzt eine magische Uhrzeit mit Treffpunkt fest: Am 4. Dezember um 4.44 sollen sich Mariana, Julia und Elpidio auf dem Platz der Freiheit einfinden. Die Menschen, die ihnen auf der Suche nach dem Glück (nach sich selbst) geholfen haben, versprechen, dort auf sie zu warten. Wer wird dorthin kommen? Wer wird auf sie warten?
 
DAS LEBEN EIN PFEIFEN  ist der einzige Film der 1998 auf Kuba gedreht wurde, mit ausländischem Geld. Er wurde mit diversen Preisen auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet. Seine Geschichte entführt in eine Welt voll des magischen Realismus, die üppige Pracht seiner Bilder verzaubert. Worüber die Menschen in diesem Film nicht reden können wegen der Zensur - und da gibt es so einiges - darüber pfeifen sie. Eine Verweigerung ist dies allemal, genauso wie wenn Bébé am Anfang des Films nicht sprechen mag. Auch sie pfeift nur, und wird deswegen des Waisenhauses verwiesen - und genau das wollte sie erreichen, das kluge Mädchen, das später zur Glücksbotin wird. Der auf der DVD enthaltene Bonus-Film LA VIDA ES FILMAR von Beat Borter ist eine interessante Ergänzung. Die Dokumentation ist ein Making Of der Dreharbeiten, aber noch viel mehr. Umfragen im Team und auf der Strasse zum Thema Glück bieten einen spannenden kurzen Einblick in die kubanische Gesellschaft am Ende des 20. Jahrhunderts.
 
Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 23-04-07
Letzte Änderung: 20-09-07