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Dienstag, 15. Mai 2007 um 22.40 Uhr - 09/05/07

Das Leben ein Traum

von Pedro Calderón


Was ist das Leben? Zuckender Schaum, ein Schatten, Trugbild, Witz und Traum? Mit großartigen Schauspielern vom NT Gent hat Johan Simons Calderóns barockes Welttheater in eine stillgelegte Industrielandschaft versetzt, und zwar in die Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck. Simons inszenierte "Das Leben ein Traum" (1635), einen der bedeutendsten Texte der spanischen Barockliteratur, als sinnliches Spiel voller geheimnisvoller Spiegelungen und surrealer Perspektiven. Eine Produktion der RuhrTriennale aus dem Jahr 2006.

Theater, Deutschland 2007, ARTE/WDR
Regie: János Darvas, Drehbuch: Pedro Calderón de la Barca, Kostueme: Greta Goiris, Inszenierung: Johan Simons, Komponist: Peter Vermeersch; Ausstattung: Luc Goedertier, Freddy Schoonackers; Dramaturgie: Stefanie Karp, Koen Tachelet; Licht: Mark Van Denesse
Steven Van Watermeulen (König Basilius), Betty Schuurman (Königin Clorilena), Aus Greidanus Jr. (Sigismund), Wim Opbrouck (Clotaldo), Servé Hermans (Astolfo), An Dours (Estrella), Kaja Herbers (Rosaura), Frank Focketyn (Klaroen), Sanne den Hartogh (Anführer Befreiungsbewegung), Christoph Homberger (Sänger), Piet van Steenbergen (Gambe), Eriko Semba (Gambe), Dirk Moelants (Gambe), Pedro Guridi (Klarinette), Jurgen De Bruyn (Laute), Thomas Baeté (Gambe), Anne Bernard (Gambe)

Das Leben ein Traum? Schon seine Geburt stand unter einem schlechten Stern. Prophezeit wurde ein monströses Wesen, eine Tragödie mit Mord am Vater, dem König Polens. Der Vater verbannte seinen neugeborenen Sohn in einen Turm. Nach Jahren - inzwischen seines Amtes müde - will er nun ergründen, ob sich denn nicht mit Mut und Klugheit jenes Sternenwort besiegen ließe. Über Nacht wird Sigismund zum Prinzen über Polens Reich. Herrschen soll er, probeweise. Man traut ihm zu, dass er den Stern seiner Geburt besiegt und den Fluch für immer löst. Doch es kommt anders.

Im Rausch der neuen Macht verliert er die Beherrschung. Die Übergangsharmonie ist dahin. Den Diener kippt er vom Balkon, beleidigt Hof und Leute, spricht von Liebe, doch handelt mit Gewalt und holt wütend aus gegen den eigenen Vater. Das Muster eines Albtraums.

Die höfische Gesellschaft kennt kein Pardon. Sie verstößt den verfluchten Sohn ein zweites Mal. Sein Leben als Prinz wird von seinen Wächtern zur Episode verklärt, zum Traumbild. Johan Simons inszeniert "Das Leben ein Traum", eines der großen Epochenstücke des spanischen Barock, als sinnliches Spiel voller eigenartiger Spiegelungen und surrealer Perspektiven auf Verdrängtes und Ausgegrenztes. Das Streben nach neuer, rationaler Weltordnung hat seinen Preis. Gezahlt wird mit barer, blutiger Münze: mit dem Ausbruch von Gewalt als langsamem Übergang in den Zustand galoppierender Anomalien. Eine Produktion der RuhrTriennale in Koproduktion mit NT Gent.


Johan Simons ist Regisseur und Intendant. 1976 war er einer der Mitbegründer des vom Werktheater inspirierten Schauspielerkollektivs Wespetheater. Nach dessen Auflösung 1982, gründete Johan Simons das Regiotheater und wurde dessen künstlerischer Leiter. Die Stücke entstanden jedoch nicht mehr aus Improvisationen, sondern wurden speziell für das Ensemble geschrieben.
Der Schlagzeuger Paul Koek arbeitete als Musiker an einigen Produktionen mit.

Erstellt: 09-05-07
Letzte Änderung: 09-05-07