Schon das Kind muss tanzenRita Hayworth wird 1918 als Margarita Carmen Dolores Cansino in New York geboren. Ihre Mutter ist eine anglo-irische Immigrantin, die ihre Karriere als Showgirl begonnen hat, ihr aus Spanien stammender Vater Eduardo Cansino feiert als Tänzer und Tanzlehrer Erfolge. Die kleine Margarita muss sich früh an das unstete Künstlerleben gewöhnen - sämtliche Mitglieder der Familie sind in Eduardos Tanztruppe eingespannt. Kaum den Windeln entronnen, muss auch das Töchterchen beim Vater die damals üblichen Tänze einstudieren. 1926 ziehen die Cansinos nach Hollywood, wo Eduardo unter anderem als Musical-Choreograph Arbeit findet. Nur wenige Jahre später holt er Margarita als Tanzpartnerin auf die Bühne: Ihren ersten Auftritt hat sie 1932 im Foreign Club Café de Luxe in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana. Rita arbeitet mit eiserner Disziplin an sich und ihrer Tanzkunst. Die ausgeprägte schüchterne Zurückhaltung, die sie ihr Leben lang behalten wird, ist verflogen, sobald sie ins Rampenlicht tritt und mit ihrem Talent das Publikum begeistert.
Das Kino: die zweischneidige Metamorphose der Rita
1935 wird Rita vom damaligen Produktionschef der Fox entdeckt; kurz darauf folgt ihr Leinwand-Debüt. Aber zunächst ist sie nur eins unter vielen kleinen Starlets, die aufpassen müssen, im gigantischen Rummel von LaLaLand nicht unterzugehen. Rita darf in ein paar Mini-Rollen auftreten, aber dann entlässt der neue Studioboss Zanuck, der ihr Potential nicht erkennt, die junge Frau aus ihrem Vertrag. Nach ein paar kleinen Eskapaden heiratet Rita 1937 den umtriebigen, wenig sympathischen Parvenu Ed Judson. Immerhin bringt Judson es fertig, Studiomogul Harry Cohn so lange zu bearbeiten, dass er Rita für sieben Jahre bei der Columbia unter Vertrag nimmt. Als erstes ändert das Filmstudio ihren Namen: Ab jetzt nennt sie sich Rita Hayworth. Ihre schwarze Mähne wird rotbraun gefärbt, und per Elektrolyse verhilft man ihr zu einem neuen, höheren Haaransatz. Rita Hayworth muss sich dem Diktat des studioeigenen Pressebüros wie auch dem ihres Mannes beugen und sich wie jeder Hollywood-Star umstylen lassen, bis sie dem geltenden Schönheitsideal der Zeit entspricht. Der rührige Judson organisiert überdies eine horrende Anzahl von Interviews und Foto-Sessions: bis 1940 erscheinen über Rita mehr als 3800 Presseartikel; es ist nicht ein einziger darunter, in dem ihr früheres Leben zur Sprache kommt.
Innerhalb von zwei Jahren gelingt es ihr, aus dem B-Movie-Genre auszubrechen und sich 1939 in Howard Hawks' Abenteuerstory "Only Angels Have Wings" ("SOS – Feuer an Bord") in einer größeren Rolle zu profilieren. In "The Lady in Question" steht sie zum ersten Mal mit Glenn Ford vor der Kamera. Zwischen den beiden knistert es so gewaltig, das den Zuschauern der Atem stockt. Das Studio nutzt die Gunst der Stunde: Insgesamt fünf Mal bringt das Leinwand-Traumpaar die Kassen zum Klingeln. Der fulminante Durchbruch lässt nun nicht mehr lange auf sich warten. Das Technicolor-Drama "Blood and Sand" ("König der Toreros"), in dem Rita Hayworth an der Seite von Tyrone Power, Linda Darnell und Anthony Quinn zu sehen ist, verleiht ihr die Weihe zur Hollywood-Königin. Ein weiterer Höhepunkt in der Karriere der unvergleichlichen Tänzerin ist der Film "You'll Never Get Rich" ("Wer wird schon reich beim Militär?"), in dem sie als Partnerin von Fred Astaire brilliert.
Am 11. August 1941 prangt auf dem Cover des amerikanischen Life Magazine ein geradezu überirdisches Foto von Rita Hayworth. Ab sofort wird die Diva für sämtliche G.I.s im Zweiten Weltkrieg zum ultimativen Pin-up-Girl. Ihr Bild ziert sogar eine der ersten Atom-Bomben, die am 1. Juli 1946 über dem Bikini-Atoll gezündet wird. Ritas späterer Kommentar dazu: "Ich hasse den Krieg. Diese ganze Geschichte mit der Bombe macht mich völlig krank."
1942 lässt Rita sich scheiden, um im folgenden Jahr die Frau des genialen Orson Welles zu werden; aus der Ehe geht eine Tochter namens Rebecca hervor. Der amerikanische Film erlebt gerade sein goldenes Zeitalter, und es scheint, als ob all seine Brillianz und all sein Glamour in dieser einzigartigen Verbindung zusammenfließen. Auch die Beziehung mit Welles geht in die Brüche; jedoch dreht er mit Rita – sozusagen als Abschiedsgeschenk – vor der endgültigen Trennung 1946 noch einen seiner besten Filme, nämlich den Krimi "The Lady from Shanghai" ("Die Lady von Shanghai"). Rita verkörpert darin eine Femme Fatale namens Elsa Bannister und schockiert das Publikum mit platinblondem Kurzhaarschnitt. Spektakulär ist die Schlusssequenz, die sich im Morgengrauen in der schäbigen Szenerie eines Rummelplatzes in San Francisco abspielt: Gefangen in einem Spiegelkabinett verliert Elsa die Orientierung: von allen Seiten sieht sie sich bedroht durch die Reflektion ihres eigenen Gesichts, welches durch die vielfältige Brechung zur hässlichen Fratze entstellt ist. In dem Moment, als sie schreit "Ich will nicht sterben!", ereilt sie der Tod. Vielleicht wollte Welles mit dieser zynischen Parabel andeuten, welches Leben Rita neben ihrer Rolle als Star und Ikone in Wahrheit beschieden war.
Ruhm und tragischer Niedergang eines Stars
Bei einer Party, die Elsa Maxwell am 3. Juli 1948 in Cannes gibt, wird Rita dem Prinzen Ali Khan vorgestellt. Im folgenden Jahr feiern die beiden Hochzeit: ein gefundenes Fressen für die Presse. Die Verbindung eines Aristokraten mit einer Hollywood-Diva sorgt für Schlagzeilen ohne Ende - und das lange bevor Grace Kelly auf den Plan tritt. Tatsächlich ist die Ehe bis zur Scheidung im Jahre 1953 von Chaos und Leid geprägt und endet für die Schauspielerin nur mit neuen Blessuren. Für das oberflächliche Leben mit dem Prinzen, der gerne in mondänene Exzessen schwelgt, empfindet Rita schließlich nur noch Abscheu. Es folgen zwei weitere unglückliche Beziehungen. Später sagt sie dazu: „Worüber ich mich im Leben wundere, ist nicht, dass Ehen scheitern, sondern dass es auch glückliche Ehen gibt." 1951 kehrt sie mit "Affair in Trinidad" ("Affäre in Trinidad") auf die Leinwand zurück und ist zunächst erfolgreich. Ab den sechziger Jahren jedoch ist der Niedergang unaufhaltsam. Zum letzten Mal steht Rita Hayworth 1972 in dem Western "The Wrath of God" ("Zum Teufel mit Hosianna") vor der Kamera. Ohne es zu wissen, leidet sie bereits seit Mitte der fünfziger Jahre an der unerbittlich fortschreitenden Alzheimer-Krankheit, die damals nicht richtig erkannt wird. Rita stirbt 1987 in New York. Das einfache Leben, nach dem sie sich gesehnt hatte, war ihr nicht vergönnt gewesen: "Alles, was ich mir jemals gewünscht habe, war das, was sich jeder wünscht: Ich wollte einfach nur geliebt werden."
Themenabend Rita Hayworth22.05 : Rita / Dokumentar von Elaina Archer (USA, 2003, 60')
23.10 : Gilda / Film von Charles Vidor
> Freitag 10. Februar 2006: 22.05 bis 0.55






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