Wie alle christlichen Feste beruht auch Lichtmess auf alten heidnischen Bräuchen. Die Kelten feierten am 1. Februar das Lichterfest Imbolc, ein Reinigungs- und Fruchtbarkeitsritual, das die länger werdenden Tage und den Neubeginn des Lebens einläuten sollte. Ebenfalls im Februar feierten die Römer ihren Fruchtbarkeitsgott Lupercus und hießen das Licht mit Fackelzügen willkommen. Unter Papst Gelasius I. wurden diese Feierlichkeiten im 5. Jahrhundert n. Chr. christianisiert. Fortan gab es das Lichterfest Festa Candelarum, das vierzig Tage nach der Geburt Christi, der auch „das Licht der Welt“ verkörpert, an die Darstellung des Herrn im Tempel (Christi Lichtmess) und ab 1372 auch an die Reinigung der Jungfrau Maria (Mariä Lichtmess) erinnerte. An Lichtmess findet in der katholischen Kirche die Kerzenweihe statt. Die geweihten Kerzen sollen Unwetter und böse Geister abhalten. Sie werden auch zur Totenwache angezündet oder bei Prozessionen über Felder getragen, deren künftige Ernten es zu schützen gilt.Prozessionen gibt es heute kaum mehr. Ein anderer Brauch jedoch hat sich vor allem in Belgien und Frankreich gehalten. Hier ist Lichtmess der „Tag der Crêpes“, eine Tradition, die manche auf Papst Gelasius I. zurückführen, der Rom-Pilgern die leckeren Eierkuchen angeboten haben soll. Andere wiederum erklären den Zusammenhang mit der runden Form und der goldgelben Farbe der Crêpes, die an die Sonne und somit an das Licht und den Neubeginn in der Natur erinnern. Fest steht, dass die Zubereitung der Crêpes mit abergläubischen Handlungen verbunden ist, die an alte Schutz- und Fruchtbarkeitsrituale erinnern. So glaubten die Bauern viele Jahrhunderte lang, dass ihre Ernte verderben würde, wenn sie an Lichtmess keine Crêpes zubereiteten. Noch heute wird demjenigen ein gutes Jahr prophezeit, der in der linken Hand ein Goldstück hält, während er mit der rechten seine Crêpes wendet. In manchen Regionen müssen junge heiratswillige Frauen mit geschicktem Wurf sechs Crêpes hintereinander wenden; wenn sie es schaffen, dann findet die Hochzeit noch im selben Jahr statt, sagt man.
Es gibt also zahlreiche Traditionen, aber noch mehr Rezepte. In der Bretagne, Heimat der Crêpes und der Buchweizenpfannkuchen „Galettes“, heißt es, es gäbe ebenso viele Crêpesrezepte wie Kirchtürme. Das Grundrezept ist immer dasselbe: Man nehme ein wenig Mehl, etwas Milch, Eier und eine Prise Salz. Dann braucht man etwas Geduld, denn der Teig muss ruhen. Und viel Geschick, um die Crêpe mit elegantem Wurf zu wenden. Die Mühe lohnt sich, denn wenn sie erst einmal fertig sind, eignen sich die Crêpes für viele verschiedene Gelegenheiten. Sei es als einfache Zwischenmahlzeit mit ein wenig Butter oder Zucker, sei es bei festlichem Anlass als raffinierte Vorspeise oder Dessert – Crêpes schmecken immer!
Ingrid Bellot
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