Das im ehemaligen Orsay-Bahnhof untergebrachte Museum wurde im Dezember 1986 eröffnet. Seine Architektur, seine Sammlungen und seine jüngst abgeschlossene Modernisierung zeugen auf sehr anschauliche Art von zwei Jahrhunderten künstlerischer, gesellschaftlicher, industrieller, politischer und urbaner Entwicklung.
In der relativ kurzen Zeit seines Bestehens kann das Museum stolze Erfolge vorweisen: Seit der Eröffnung kamen rund 75 Millionen Besucher, allein 2010 waren es drei Millionen! Beliebt ist das
Musée d’Orsay bei Europäern (vor allem Franzosen, Deutsche und Spanier) ebenso wie bei Nicht-Europäern (allen voran Japaner und Nordamerikaner). Der Film zeichnet die Geschichte des Hauses nach und vermittelt gleichzeitig eine Vorstellung davon, wie sich ein so großes internationales Museum an die Erfordernisse der heutigen Zeit anpasst. Die Geschichte des Bauwerks ist Anlass, Fragen der Erbepflege und der Umwidmung öffentlicher Gebäude zu thematisieren.
Regisseur Bruno Ulmer gewährt einen sehr persönlichen Blick hinter die Kulissen dieser Einrichtung, die jüngst umfassend modernisiert wurde. Ob in den Kellern oder Dachgeschossen des Museums, im Magazin oder in der Ausstellung selbst, immer ist die Geschichte des Hauses und der Menschen, die dort wirkten und wirken, präsent. Eine spannende Reise durch Zeit und Raum, die mit vielen unbekannten Facetten der Institution Orsay bekannt macht.
Nach 25 Jahren kann das Orsay-Museum optimistisch in die Zukunft blicken. An Erfahrungen reich und umfassend modernisiert, ist das Haus für die Erwartungen und Erfordernisse des 21. Jahrhunderts gerüstet. Gleichzeitig ist aber auch immer die Geschichte des Museums präsent, und ein Rückblick reicht viel weiter in die Vergangenheit zurück als bis Dezember 1986.
Auf der Suche nach dem Ursprung der Sammlungen und des Gebäudes spannt sich der Bogen zunächst von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs: Es war die Zeit der Weltausstellungen, der industriellen Revolution und der ersten Eisenbahnen, der offiziell anerkannten Kunst und der Ausstellung der Zurückgewiesenen (Salon des Refusés), der düsteren Landschaften und der ausgemergelten Arbeitergesichter, der Republik und eines gewissen Lebensüberdrusses. Dann spürt der Film den Ereignissen nach, die vom Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er-Jahre die Geschichte des Museums prägten: 1945 war der Orsay-Bahnhof Schauplatz der Rückkehr der Kriegsgefangenen und Deportierten, 1954 der von Abbé Pierre durchgeführten Aktion „Gare de l'Espoir“; 1956 trafen hier zahlreiche Ungarn-Flüchtlinge ein. Nach der Schließung des Bahnhofs drehte Orson Welles in dem verlassenen Bau Kafkas „Prozess“; später machten sich das Orsay-Theater und die Compagnie Renaud-Barrault das Gebäude zueigen. Schließlich wurde es endgültig geschlossen, und der Abriss drohte. 1978 wurde jedoch aus einem neuen Modernitätsverständnis heraus beschlossen, den Orsay-Bahnhof zu „retten“ und die in ihm verkörperte Geschichte kommenden Generationen zugängig zu machen.
In Orsay vermitteln sich Stimmungen vergangener Epochen und Zeiten, mit denen sich das noch junge Museum aktiv auseinandersetzen will. Von Anfang an und mehr noch in Zukunft, will es eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen und die Geschichte von Menschen erzählen, in denen sich das Publikum von heute wiederfinden kann. Damit verfolgt das Museum einen ganz pragmatischen Zweck: die Vergangenheit sehen, um die Zukunft zu verstehen.
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Das Musée d’Orsay in ParisEin Dokumentarfilm über die Geschichte des Museums
Regie: Bruno Ulmer
Produktion: Ladybirds Films, Musée d'Orsay, ARTE France (Frankreich, 2011 - 84 Min)