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24/09/07

Das Neujahrsessen am Hofe

Der Brauch des Neujahrsessen am Hofe der Kaiserinwitwe Cixi

Nach höfischem Zeremoniell wurde die Kaiserin jeweils am ersten und am fünfzehnten Tag eines Monats vom Kaiser oder dessen Hauptfrau bei Tisch bedient. Bei einer so bedeutenden Zeremonie (am Neujahrstag) aber bedienten beide gleichzeitig. Die Kaiserin kam zu Tisch, setzte sich aber nicht. Wie auch der Kaiser und dessen Frau faltete sie die Hände vor der Brust und grüßte zunächst den Himmel und dann die Erde mit einer würdevollen Geste. Dann nahm sie Platz (...)

Der Kaiser und seine Hauptfrau, die zu beiden Seiten der Kaiserin saßen, bedienten sie. Der Kaiser reichte ihr die Teekanne, seine Frau die Teeschale. Es gab dreierlei Speisen: Die Glücksspeisen,die Namen trugen wie „Längeres Leben als der Berg von Nan Shan“, „Die erfüllten Wünsche“, „Die große Vereinigung des Landes“ usw. Es waren die Köche, die sich diese Namen hatten einfallen lassen, um der Kaiserin zu gefallen. Die zweite Art von Speisen waren Tributgaben aus allen Gegenden des Reiches: Bärentatzen, Hirschbrüste, Meeresgarnelen usw. Und die dritte Art waren Speisen, die die Köche aus Gemüse der Jahreszeit zubereitet hatten. Niemand war abergläubischer als die Kaiserin: Deshalb nahm immer der Kaiser zuerst ein Gericht, mit dem man Glück wünschte, und seine Frau verkündete laut dessen Namen. Gewöhnlich war dies die Aufgabe des alten Eunuchen Zhang Fu. Doch bei einem solchen Anlass begnügte er sich damit, die Speisen der Frau des Kaisers zu reichen und ihr deren Namen zuzuflüstern. Sie müssen wissen, dass der Kaiser Guang Xu sich mit seiner Frau überhaupt nicht verstand. Aber an diesem Tag arbeiteten sie gut zusammen. Es war die einzige Gelegenheit des ganzen Jahres, bei der sie sich nicht stritten.

Jin Yi, Memoiren einer Hofdame der Verbotenen Stadt.

Erstellt: 04-03-05
Letzte Änderung: 24-09-07