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14/01/05

Das Rennen von Belleville

Ein Film von Sylvain Chomet


Ein Film voller Humor den man
auf keinen Fall versäumen sollte

Synopsis

In der Pariser Banlieue wächst CHAMPION mit seiner Großmutter MME SOUZA und seinem schwer übergewichtigen Hund auf. Tag und Nacht wird er von ihr auf das große Rennen, die Tour de France vorbereitet. Doch während einer Etappe wird er von mysteriösen Männern – die Spur führt über den Großen Ozean in die Riesenstadt Belleville, in der Mme Souza die Drillingsschwestern „Les Triplettes de Belleville“ kennenlernt. Gemeinsam nimmt man den Kampf mit den Entführern auf.


Die Kritik zum Film

Der erste lange Animationsfilm von Sylvain Chomet, 2003 ‚außer Konkurrenz’ im Wettbewerb von Cannes gezeigt, avancierte zum Publikumsliebling des Festivals und kurz darauf auch in Frankreichs Kinos. Zum ersten Mal war es einem Zeichentrickfilmer im Land der Comiczeichner gelungen, Animationstugenden aus England (Timing/Rhythmus/Sinn für Parodie) mit der technischen Virtuosität Amerikas zu verbinden und gleichzeitig eine urfranzösische Geschichte zu erzählen.

Mit vielen Augenzwinkern und ein wenig Wehmut lässt Chomets Team das Frankreich der 50er Jahre wiederauferstehen, eine Ära, die Chomet wegen ihrer Wahrhaftigkeit – große, noch nicht von materiellen Interessen geprägte Ideen gingen eine Symbiose ein mit Design, Kleidung und Savoir Vivre – besonders fasziniert. Hinzu hat er die Megalopole Belleville erfunden, eine Verschmelzung von Baustilen aus Paris, New York und Montreal, wo Chomet langen als Animationszeichner gearbeitet hatte. Faszinierend an den „Triplettes de Belleville“, so der Originaltitel, sind vor allem die zeichnerische Liebe zum Detail, die Verschmelzung von 2- und 3-D-Technik und die auf Fahrradspeichen, Staubsaugern und anderen ungewöhnlichen Instrumenten komponierte Musik des Francokanadiers Benoît Charest. Champions fettleibiger Hund Bruno stellt seinen entfernten Disney-Verwandten Goofy, was die Echtheit einer Hundeseele betrifft, leicht in den Schatten.

Martin Rosefeldt
Der französische Zeichner und Autor Sylvain Chomet machte bereits 1996 mit seinem ersten Kurzfilm "La vieille Dame et les pigeons" auf sich aufmerksam. Er hatte ihn 10 Jahre angestrengter Arbeit gekostet. Das Dekor dieses ersten Films stammte von Nicolas De Crécy, mit dem Chomet bereits am Drehbuch für den Film "Léon la came" zusammen gearbeitet hatte. Dieser Film steht für eine Renaissance des kleinen Formats, die sich seither bestätigt hat. Auch "Triplettes de Belleville" ist eine absolut mitreißende Entdeckung, denn der Kenner wird den ganz besonderen, nostalgischen Reiz der Farbwelt von De Crécy wiedererkennen.

Das Filmdekor stammt aber von dem hoch talentierten Evgeni Tomov, der allerdings aus der gleichen Schule stammt. Die von Chomet erdachten Figuren sind unglaublich ausdrucksstark und erinnern an Goosens oder Boucq. Das Ganze ergibt ein Spektakel von unglaublicher Vielfalt; jede Szene, jede Einstellung ist faszinierend und voll unglaublich verwirrender Komik. Gleich zu Beginn gibt die kleine, kurzsichtige, aber dennoch aufmerksame Oma Souza Anlass zu Heiterkeit, wenn . Madame Souza ohne Worte versucht (der Film kommt insgesamt fast ohne Dialoge aus), ihren Enkel seiner tiefen Melancholie zu entreißen. Obwohl der Hund Bruno, den sie dem Jungen schenkt, diesen nicht erheitern kann, interessiert sich Chomet bis ins letzte Detail für den Vierbeiner. Er zieht die Dehnübungen des müden Tieres ins Lächerliche und nimmt ihn als Symbol für das triste Einerlei dieses kleinen Dorfes, wo die einzige Abwechslung darin besteht, den vorbeifahrenden Zügen nachzujaulen.
Aber das Fahrrad, das Champion entdeckt, ändert alles.

Mit dem Radfahren beginnt für den Jungen das Abenteuer. Als er von eigenartigen Gesellen entführt wird, macht sich Madame Souza in Belleville auf die Suche nach Champion. Die Stadt ist überdimensioniert und voller Übergewichtiger - ein Augenzwinkern in Richtung eines rein fiktiven Amerikas. Aber auch das Klischee der französischen "Triplettes" wird durch den Kakao gezogen: Kabarettsängerinnen, deren Lieblingsgericht Frösche in allen erdenklichen Ausführungen sind. Kurzum, ein Film voller Humor, dessen Feinsinnigkeit der regelmäßige, aber sparsame Einsatz von 3D-Technik keinen Abbruch tut; vielmehr verzaubert er diese Erzählung, die man auf keinen Fall versäumen sollte.
Olivier Bombarda

Das Bonusmaterial

Wer sich für den Beruf des Animationsfilmers interessiert, der kann in dem Making of, in dem ausführlichen Interview mit dem sympathisch-bescheidenen Sylvain Chomet, anhand dreier, von ihm kommentierter Szenen und schließlich in einer Zeichenstunde mit dem unprätentiösen Genie eine Menge erfahren: über seine Lehrjahre in England und in Kanada, über seine dabei gewonnene Erkenntnis, dass es angesichts der langen, aufopferungsvollen Entstehungszeit eines Trickfilms besser ist, jedem Zeichner eine eigene Figur anzuvertrauen und über das Zusammenwirken zwischen Musik und Bild. Auch Komponist Ben Charest ist durch „Das Rennen von Belleville“ bekannt geworden, so bekannt, dass für seinen gleichnamigen Titelsong ein eigener Video produziert wurde – auch er als Bonustrack auf dieser schönen DVD enthalten.
Martin Rosefeldt
Das Rennen von Belleville
Regie/Drehbuch/Animation: Sylvain Chomet
Musik: Ben Charest
Frankreich/Kanada, 2003, 78’



Sprachen: Deutsch/Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Dt. Kinotrailer, Making of, Interview mit Sylvain Chomet, 3 kommentierte Szenen, Zeichenunterricht mit Sylvain Chomet, Musikvideo „Les Triplettes de Belleville“, Fotogalerie

Erstellt: 20-12-04
Letzte Änderung: 14-01-05