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Das Wunder der Anden

Im Oktober 1972 stürzte ein uruguayisches Flugzeug in den schneebedeckten Anden ab. An Bord war eine Rugbymannschaft aus Montevideo. Das Wrack wird erst nach Wochen gefunden. Die Geretteten haben nur durch einen Tabubruch überlebt. Sie haben sich vom Fleisch ihrer toten Kameraden ernährt.

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Das Wunder der Anden

Im Oktober 1972 stürzte ein uruguayisches Flugzeug in den schneebedeckten Anden ab. An Bord war eine Rugbymannschaft aus Montevideo. Das Wrack wird erst nach (...)

Das Wunder der Anden

20/09/10

Das Wunder der Anden - Interview mit Gonzalo Arijón

Transkript


Gonzalo Arijon ist der Regisseur des Films "Wunder der Anden".

Gonzalo Arijon wurde 1956 in Montevideo (Uruguay) geboren und lebt seit 1979 in Frankreich. Er studierte Film und Anthropologie und drehte bereits zahlreiche Dokumentarfilme für bekannte Fernsehsender in Frankreich und anderen europäischen Ländern.

Wie war Ihr Verhältnis zu den Überlebenden des Flugzeugabsturzes? Warum haben Sie diesen Film gemacht?

Ich stamme wie die meisten von ihnen aus Montevideo. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und kenne sie seit meiner Kindheit, obwohl wir nicht wirklich miteinander befreundet waren. Rugby ist ein elitärer Sport, mein Terrain war eher Fußball. Einige der Jungs gingen später auf das gleiche Gymnasium wie ich: Roberto Canessa, Gustavo Zerbino, Carlito Paez, Nando Parrado. Ich war sehr betroffen, als ich von dem Flugzeugabsturz erfuhr. Noch mehr erschüttert war ich allerdings, als zwei von ihnen 72 Tage nach dem Absturz in einem erbärmlichen Zustand am Ufer eines Flusses in Chile aufgefunden wurden. Ihr Überleben erschien mir wie ein Wunder, einfach unvorstellbar! Die ganze Welt hat damals mitgelitten und sich gefreut. Die glückliche Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Es war das Ende der Ära Allende, die Presse war damals in Chile allgegenwärtig und äußerst aktiv. Tagelang war die Rettung Gesprächsthema in so gut wie jedem Haushalt. Nach und nach tauchten erste Vermutungen auf, die Geretteten könnten sich mit dem Fleisch der Toten ernährt haben, um zu überleben. Ich war darüber schockiert und wollte, wie die meisten Menschen, lieber an ein Wunder glauben. Als solches hat die Presse den Vorgang anfangs auch dargestellt. Doch dann veröffentlichten einige Massenblätter auf der Titelseite Fotos von Crewmitgliedern, auf denen auch menschliche Überreste zu erkennen waren. Von diesem Augenblick an kippte die Stimmung: Aus dem Wunder wurde ein Alptraum. Nach ihrer Bergung am 21. Und 22. Dezember blieben die Überlebenden über Weihnachten zunächst in Chile. Sie wurden von den chilenischen Behörden befragt und haben dabei nie etwas beschönigt oder verheimlicht. Doch wie ich später erfuhr, erhielten sie von den Behörden die Anweisung, sich gegenüber der Presse nicht zu äußern, solange sie sich in Chile aufhalten. Ihnen war zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, wie heftig die Öffentlichkeit auf ihre Schilderungen reagieren würde. Aber die Gerüchte kursierten bereits und die bekanntermaßen katholische und konservative chilenische Armee war entsetzt. Bei der Ankunft der Überlebenden in Montevideo, eine Woche nach der Bergung, erwartete die Öffentlichkeit eine Erklärung.

Wie alle meine Landsleute habe auch ich mir die Liveübertragung der Pressekonferenz angesehen. Im Verlauf dieser Pressekonferenz entstand ganz zaghaft und behutsam Vertrautheit. Danach applaudierten die Zuhörer. Es war unglaublich, phantastisch. Mit ihrem Applaus wollten die Anwesenden signalisieren: „Wir wussten, was ihr sagen würdet. Uns war wichtig zu sehen, wie ihr es sagen würdet und ihr habt es so behutsam dargestellt, dass wir Euch hiermit sagen wollen: wir stehen auf Eurer Seite….“

 

Die Öffentlichkeit hat auf die Schilderungen der Überlebenden mit Applaus reagiert. Denke Sie dass man heute noch applaudieren würden?

Das ist eine tolle Frage! Ich glaube, ja! Obwohl ich mir angesichts der weltweiten Renaissance konservativer Werte nicht ganz sicher bin.

 

Der Beifall galt auch für die Art und Weise, wie sie das Unaussprechliche darstellten, das Tabu in Worte fassten. Sie sprachen von Kommunion!

Ja, sie alle stammten aus sehr gebildeten Kreisen. Das war übrigens ein sehr wichtiger Aspekt. Sie alle hatten eine katholische Erziehung und gehörten sozusagen zur „besseren Gesellschaft“ Uruguays. Sie waren untereinander befreundet und teilten die gleichen Ansichten und Überzeugungen. Ihre Familien lebten alle im gleichen kleinen Stadtteil einer kleinen Hauptstadt eines kleinen Landes. Man kannte sich und hielt zusammen. Als ihnen erstmals der Gedanke kam, das Fleisch ihrer toten Freunde zu essen, um selbst zu überleben, waren sie über sich selbst zunächst zutiefst schockiert. Es gab endlose Diskussionen in dem havarierten Flugzeugrumpf. Schließlich erschien ihnen die Idee der Kommunion als Ausweg und sie schlossen einen Pakt. Dieser Pakt war das Ergebnis eines langen Findungsprozesses, einer intensiven moralischen und spirituellen Auseinandersetzung. Viele ihrer Leidensgenossen starben. Sterben in dieser Situation war einfach. Man brauchte sich nur gehen zu lassen, die Hoffnung auf Rettung aufzugeben und vier Tage später war man tot. Ernährungsphysiologisch - soviel wussten sie – bot ihr Entschluss die Chance zu überleben. Das wurde ihnen von den Medizinstudenten in der Gruppe bestätigt. Das Problem war kein physiologisches, sondern ein ethisch-moralisches. Die Überlebenden hätten die Toten gerne um deren Zustimmung gebeten, sich ihrer Körper bedienen zu dürfen, um weiter leben zu können. Deshalb war der Pakt für alle Beteiligten so außerordentlich wichtig. Indem sie grundsätzlich einwilligten, ihren Körper im Fall des Todes den Überlebenden als Nahrungsquelle zu überlassen, konnten sie sich einreden, jeder der bereits Verstorbenen hätte dem ebenfalls zugestimmt. Sie haben von dem Fleisch der Toten gegessen. Nichts Außergewöhnliches oder Übernatürliches geschah. Nach einer gewissen Zeit hatten sie sich fast daran gewöhnt. Eine gewisse Routine stellte sich ein. Dazu kam die Niedergeschlagenheit. Es ist anzunehmen, dass sie nach einer bestimmten Zeit nicht mehr bei jeder Mahlzeit an Kommunion dachten.

Andererseits waren sie unglaublich naiv. Keiner hatte nach der Rettung ernsthaft die Absicht, irgendetwas zu verschweigen. Roberto und Nando, zum Beispiel, sind mit ihren Rugbyschuhen in 4.000 Metern Höhe über 50 Kilometer weit gelaufen. Sie haben drei Viertel der Cordillere in 10 Tagen durchquert, womit sich selbst durchtrainierte, kerngesunde und gut ausgerüstete Andinisten, die ihren Spuren folgen wollen, schwer tun. Das Fleisch trugen sie im Rucksack. Nur wenige Stunden bevor die Rettungsmannschaften eintrafen, haben sie die Reste begraben. Zurück in der Zivilisation, empfanden sie sowohl Freude als auch eine gewisse Wehmut, diese Welt, in der sie 72 Tage lang die einzigen Lebewesen waren, für immer hinter sich zu lassen.

Den Hirten und Bauern gegenüber erzählten sie nichts. Doch schon dem ersten Arzt, der sie betreute, haben sie alles gestanden. Er hat sie anschließend ganz normal weiterbehandelt, und der Priester, bei dem sie die Beichte ablegten, hat ihnen problemlos die Absolution erteilt.

Die anderen Überlebenden, die im Flugzeug geblieben waren, erfuhren aus dem Radio, dass die beiden es geschafft hatten und sie nun bald auf Rettung hoffen konnten. Für sie war das Erwachen brutal. Sie sahen sich erstmals mit den Augen der anderen. Rund um das zerschellte Flugzeug bot sich ein schreckliches Bild. Sie fragten sich, welche Szenerie die Retter vom Hubschrauber aus erblicken und was diese dann über sie denken würden. Angesichts ihres desolaten Zustands fehlte ihnen jedoch die Kraft, auch nur das Geringste beiseite zu schaffen oder zu verbergen. Doch Gustavo hatte sich vorgenommen, das Andenken der Verstorbenen zu wahren. Deshalb sammelte er die Überreste ein und ordnete sie namentlich den Toten zu. Als die Retter eintrafen, ging er als erstes zu ihnen teilte ihnen mit, welchem Toten die Gebeine gehörten.

 

Können Sie uns etwas über die Dreharbeiten erzählen?

Ja. Ich habe zunächst mit jedem der 16 Überlebenden sehr lange Gespräche geführt. Ich habe jeden einzelnen gebeten, mir 24 Stunden zu gewähren. Nicht, um die ganze Zeit mit ihm zu reden, sondern um ihn einen Tag lang zu begleiten und ihn beim Essen, Spazierengehen, Schlafen, Arbeiten usw. beobachten zu können. Wir sind aus der Stadt raus gefahren und haben den Trubel hinter uns gelassen. Ich wollte die Interviews im Freien aufnehmen, mit dem Himmel als Hintergrund. Ich habe mich sehr nach den Tageszeiten gerichtet. Bestimmte Themen wurden nur zu bestimmten Zeiten angesprochen. Ich wollte das Ganze nicht im Studio machen. Ich glaube, die Umgebung hat sehr viel Einfluss auf die Qualität der Erzählungen und Gespräche.

Wir haben drei Wochen gebraucht. Es war eine sehr intensive Zeit. Jeden Tag die gleiche Geschichte, aber aus einem anderen Mund!

Als nächstes sind wir dann in die Berge gefahren, zu der Stelle, wo das Flugzeug zerschellt war. Jahrelang hatte niemand mehr den Unglücksort erwähnt. Nur Nando Parrado, der bei dem Absturz seine Mutter und seine Schwester verlor, fuhr regelmäßig einmal im Jahr dorthin. Von der argentinischen Seite der Anden aus benötigt man vier bis fünf Tage, um die Unglücksstelle zu erreichen. In der Zwischenzeit gibt es auch die Möglichkeit, zu Pferd dorthin zu gelangen. Jedes Jahr pilgert eine Handvoll kleiner Gruppen dorthin, um der Toten und Überlebenden zu gedenken. Die Überlebenden kehren ebenfalls gelegentlich dorthin zurück. Ich wollte unbedingt an den Ort des Geschehens, um dort einige Zeit zu verbringen, einschließlich einer Nacht. Heute ist von dem Flugzeug nichts mehr zu sehen. Der Gletscher hat es verschlungen. Doch vor einigen Jahren konnte man das Wrack unter dem Eis noch erkennen. Die Experten meinen, der Gletscher werde es über kurz oder lang weiter unten an der Gletscherstirn wieder freigeben. Im Tal sind noch Teile des Wracks zu sehen, die man hier zurück gelassen hat: Teile von Flügeln, Motor und Fenster. Doch das meiste wurde von den Bewohnern der Region am Unfallort, rund um das Massengrab aufgeschichtet.

Wir brachten alle Überlebenden zur Unglücksstelle. Ich bat sie, sich dort nebeneinander hinzusetzen, um eine Sequenz zu drehen. Es war seltsam. Sie drängten sich ganz eng aneinander, so als ob sie sich gegenseitig wärmen wollten. Dabei schien die Sonne und es war überhaupt nicht kalt....

Danach stellte ich einige Szenen nach und ließ mich dabei von ihren Erzählungen inspirieren. Es war mir sehr wichtig, mir die Freiheit zu nehmen, diese Bilder zu konstruieren. Dieser Teil des Films ist wesentlich. Ich habe dafür mit einem großartigen Kameramann zusammen gearbeitet, César Charlone, mit dem ich auch befreundet bin. Er kommt aus Uruguay und hat bereits einen Oscar erhalten. Er ist ein international anerkannter Top-Kameramann.... Er hatte einen direkten Bezug zu der Geschichte, weil er mit einigen der verunglückten Passagiere in die gleiche Schule gegangen war. Er kannte diese Leute vor dem Absturz viel besser als ich. Außerdem war sein Vater damals Botschafter in Chile und sollte eigentlich in diesem Flieger sitzen. Ich war mir deshalb sicher, dass er mir keinen Korb geben würde! Er hat auch gleich ohne Zögern zugestimmt. Ihm war sofort klar, was ich wollte: nichts Deskriptives, keine Dialoge, keine Rekonstruktion, eher etwas Neues. Das eigentliche Ziel bestand nicht darin, etwa Neues zu machen, sondern eine angemessene Form zu finden, um das zu vermitteln, was mir vorschwebte. So sind diese Bilder entstanden. Es sind Traumbilder, überbelichtet, weiß, verschwommen. Die Konturen sind unklar, man kann nicht allzu viel erkennen. Diese Bilder sollen nichts Spezifisches darstellen, sondern etwas Traumartiges bzw. eine Stimmung wiedergeben. Sie sollen den Zuschauer in die weiße Abgeschiedenheit versetzen, in der die Opfer des Absturzes bis zu ihrer Rettung ausharren mussten. Es sind irreale Bilder, Erinnerungen … Wessen Erinnerungen? Meine eigenen, die der Opfer, durch die Brille meiner Gefühle und Emotionen gesehen? Ich weiß es nicht. Dieser Teil des Films ist nicht dokumentarisch. Ich habe mir für diese Bilder keine konkreten Anregungen bei den Überlebenden geholt, sondern sie höchstens zu Äußerlichkeiten wie Kleidung usw. befragt.

 

Wo wurde der Film gedreht?

Ich wollte unbedingt, dass der Hirte (der die beiden Überlebenden nach ihrem 10-tägigen Marsch durch die Anden gefunden hat) in dem Film vorkommt. In meinen Augen war er eine der zentralen Figuren dieses Dramas. Anfangs zog ich sogar in Erwägung, den Film „Das Gleichnis vom guten Hirten“ zu nennen. Wäre dieser Hirte nicht zur Stelle gewesen, hätte er sich anders verhalten, wären die beiden Männer verloren gewesen. Man darf nicht vergessen, dass damals die Guerrilla überall war. Es war durchaus nicht selbstverständlich, anderen zu helfen, vor allem nicht, wenn sie so furchterregend aussahen, wie die beiden. Dieser Mann hatte nie etwas von dem Flugzeugabsturz gehört. Und dennoch ist er ganz selbstverständlich auf die beiden zugegangen. Er stand auf der anderen Seite der Schlucht und hat ihnen mit Zeichen klar gemacht, sie sollen dort bleiben wo sie waren und warten. Kurze Zeit später kam er mit einem Stück Papier und Bleistift zurück, befestigte beides an einem Stein und warf ihn den beiden zu. Die beiden schrieben etwas auf den Zettel und warfen ihn zurück. Und da stand: „Ich komme aus dem Flugzeug, dass in den Bergen zerschellte…“ Diesen Satz zeigen wir auch im Film. Dann warf der Hirte ihnen Brot zu. Auch daran hat er als Mann der Berge gedacht. Anschließend überließ er die Herde seinem Sohn, setzte sich aufs Pferd und ritt 14 Stunden ohne Unterbrechung bis zur nächsten Polizeistation. Dort nahm man ihn zunächst nicht ernst. Man wollte ihm nicht glauben, doch glücklicherweise hatte er das Stück Papier dabei. Damit ließen sich die Polizisten schließlich überzeugen und ließen sich von dem Mann zu der Stelle führen, wo er die beiden zurück gelassen hatte. Der Hirte hat für die Rettung dieser Männer drei Tage seines Lebens geopfert. Sein Verhalten mag für einen Berghirten normal sein, für jeden anderen ist es absolut ungewöhnlich. Die Überlebenden haben es so formuliert und das ist ungeheuer wichtig: Die Welt braucht gute Hirten. Wir sind dabei, uns in eine Welt ohne gute Hirten zu verwandeln. Die Fähigkeit für andere da zu sein, die Bereitschaft, anderen oder Fremden zu helfen, geht verloren. Deshalb habe ich dem Hirten im Film eine zentrale Rolle zugedacht. Vor mir hat sich niemand für ihn interessiert. Ich habe ihn kennengelernt, weil er Kontakt zu einigen der Überlebenden hielt. Einige von ihnen waren Gäste auf seiner Goldenen Hochzeit vor einigen Jahren.

Für die impressionistisch angehauchten Bilder brauchten wir Schnee, auch wenn sie undeutlich, überbelichtet und flüchtig sind. Außer Schnee benötigten wir noch einen Flugzeugrumpf und diverse andere Requisiten. Dreharbeiten in den Bergen sind sehr teuer. Das Flugzeugwrack hatten wir der Armee abgekauft, doch wir hätten es in die Berge transportieren müssen. Außerdem sind die Wintertage in den Bergen kurz und sehr kalt. Die gesamte Crew dorthin zu verfrachten hätte enorm viel Aufwand und Geld gekostet. César hatte das alles bedacht und kam mit einem genialen Vorschlag. Er sagte zu mir: „Wir haben nicht genug Geld, um an den Originalschauplätzen zu drehen, also stell das Wrack einfach irgendwo auf. Ich mach Dir die Bilder, die Du haben willst, egal wo wir drehen.“ Also haben wir das Wrack auf einem verlassenen Kasernenhof aufgebaut. César war bereit, drum herum Tücher zu staffieren und irgendwie klar zu kommen, ohne das Wrack vom Fleck zu bewegen. Mir ging das dann aber doch etwas zu weit. Ich dachte, wir sollten versuchen, bessere Drehbedingungen zu schaffen. So kam ich auf die Idee, das Wrack ein paar Kilometer weiter in den Sanddünen aufzubauen. Ich dachte, wenn man dann noch völlig überbelichtet, müsste der Effekt so sein, wie ich ihn wollte. César war einverstanden: Der Sand als Hintergrund war ideal! Jetzt brauchte er nur noch einen Bildausschnitt zu wählen, auf dem weder Pinien, noch Meer, noch Straße im Hintergrund zu sehen sind. Allerdings mussten wir uns zunächst mit einem deutschen Umweltschützer auseinandersetzten, der an diesem Strandabschnitt wohnte und uns verbieten wollte, das Wrack dort aufzustellen. Letztendlich sind wir irgendwann nachts angerückt, und haben unsere Kulisse aufgebaut.

90 % der Aufnahmen, die Erinnerungen simulieren, entstanden in den Dünen. Die Dreharbeiten fanden gegen Ende des Winters, in den letzten Augusttagen statt. Zu dieser Jahreszeit ist es an der Küste immer stürmisch. Der Wind weht mehrere Tage lang ziemlich heftig. Das war zwar gut für die Bilder, aber der Regen hat uns schwer zugesetzt.

Alle anderen Filmsequenzen sind in High Definition gedreht.

 

Diese „Erinnerungsbilder“ sind für den Zuschauer schwer zu ertragen.

Genau diesen Effekt wollten wir erzielen. Dafür nahmen wir auch gewisse Längen in Kauf. Wir wollten, dass die Zuschauer, die sich anschauen, wie diese Menschen die 72 Tage nach dem Absturz überlebten, nachvollziehen können, wie es ihnen ergangen ist. Dazu gehört auch eine gewisse Langeweile, von denen die Überlebenden ebenfalls berichtet haben. Der Film hat eine Zeitlichkeit und einen Rhythmus, die nicht dem Effizienzkodex von TV-Produktionen entsprechen.

Eine letzte Frage, die sich beim Betrachten dieses Films geradezu aufdrängt: Die Suche nach dem havarierten Flugzeug wurde damals abgebrochen, weil das weiße Wrack im Schnee nicht auszumachen war. Hat man daraus Konsequenzen gezogen, indem man Flugzeuge heute farbig lackiert?

Ja! Flugzeuge, die die Anden überqueren, sind heute bunt lackiert.

 

Wir bedanken uns für dieses Gespräch. März, 2008

Erstellt: 19-03-08
Letzte Änderung: 20-09-10