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21.05.2005 - 00.05 : metropolis - 19/05/05

Das neue Zentrum Paul Klee in Bern

In Bern Hauptstadt der Schweiz gibt es derzeit Zoff. Es geht um Paul Klee, der hier aufgewachsen ist. Gehören seine Werke wirklich in einen gigantischen Mehrzweckbau am Stadtrand?

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Paul Klee kommt 1879 als zweites Kind eines deutschen Musiklehrers und einer Schweizerin bei Bern zur Welt. Ein Wunderkind im Zeichnen, Dichten und Geigespielen. In Deutschland entwickelt er sich zu einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Durch die väterliche Herkunft ist er deutscher Staatsbürger. Aber es sind das Kunstmuseum in Bern, Schweizer Mäzene und Sammler, die ihn unterstützen, als er 1933 Deutschland verlassen muss. Fast 60 Jahre lang hatten die Stiftung Paul Klee und seine Werke ihre Heimat im Kunstmuseum. Jetzt mussten sie umziehen in das neu erbaute Zentrum Paul Klee. Mit rund 4.000 Kunstwerken aus der Sammlung der Stiftung und aus Schenkungen können dort ständig neue Klee-Ausstellungen gezeigt werden. Platz genug bleibt für andere Ausstellungen, Konzerte, ein Kindermuseum, Konferenzsäle, Cafés, Boutiquen, Theateraufführungen.

Das Multigenie Klee soll sich in den kulturellen Aktivitäten des Zentrums widerspiegeln und Besuchermassen aus aller Welt anlocken. Die Kasse muss klingeln, denn Unterhalts- und Betriebskosten des Kulturzentrums werden schon jetzt als enorm hoch eingeschätzt. Beim Bau des Zentrums wurde auch nicht gespart: Stararchitekt Renzo Piano entwarf eine gewellte Stahlkonstruktion. Gewaltige Erdmassen und Finanzmittel wurden in Bewegung gesetzt, um aus künstlichen Hügeln die drei Hallen des Zentrums wachsen zu lassen. Dies war die Voraussetzung dafür, dass endlich alle Klee-Werke der Öffentlichkeit gezeigt werden können. Denn ein großer Teil der Werke Paul Klees befindet sich bis heute im Besitzt seiner Nachkommen. Diese allerdings bestanden darauf, ihren Besitz nur einem ausschließlich Paul Klee gewidmetem Museum zu überlassen. Dafür aber hatten weder die Stadt noch der Kanton Bern das Geld.

Paul Klee
Im Sommer 1914 bricht er zu einer Reise nach Tunesien auf, zusammen mit seinen Freunden und Malerkollegen August Macke und Louis Moilliet. Er entdeckt die Farbe, idealisiert die Kunst der Natur- Völker, der Kinder und Geisteskranken.1916 wird er zum Kriegsdienst im Deutschen Heer eingezogen. Im Gegensatz zu August Macke überlebt er den Ersten Weltkrieg. 1920 erhält er von Walter Gropius eine Stelle als Lehrer des Staatlichen Bauhauses in Weimar. Dort, wo kühle Sachlichkeit herrscht, ist Klee mit seinen dem Surrealismus verwandten Bildern, dem völlig eigenen, träumerischen Malstil, eine auffallende Figur. 1930 wird er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Nun ist er am Ziel seiner Wünsche. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten zerstört seine Pläne. Schon im April 1933 verliert er seine Professur, bald tauchen in den Propaganda- Ausstellungen der Nazis über so genannte „Entartete Kunst“ Bilder von Paul Klee auf.
Unfreiwillig kehrt Paul Klee Ende 1933 mit seiner Frau nach Bern zurück. Hier leben seine Freunde, seine Familie und Förderer. Dennoch hat Klee bis zu seinem Tod diesen erzwungenen Wechsel nie verwunden. Die renommierte Galerie von Eberhard Kornfeld in Bern. Er hat sich mit Leben und Werk Paul Klees wie kaum ein anderer auseinandergesetzt. Klee beginnt, trotz einer einsetzenden, unheilbaren Krankheit, sein kraftvolles Spätwerk. Allen Legenden zum Trotz hätte er auch das Schweizer Bürgerrecht erhalten - er stirbt nur wenige Tage vorher, am 29. Juni 1940, als Deutscher, als Fremder. Bestattet wird Paul Klee in Bern, in einem Grab, das merkwürdig isoliert ist von den anderen Ruhestätten. Auf seinem Grabstein einer seiner Texte, der mit den Worten beginnt: „Diesseits bin ich gar nicht fassbar....“

Klees Nachlass
Seine Witwe kann mithilfe des Kunstmuseums Bern und dem dortigen Fördererkreis den Nachlass ihres Mannes vor dem Zugriff der Alliierten schützen, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges deutsches Vermögen im Ausland beschlagnahmen. Eine Klee-Gesellschaft wird gegründet, die den Nachlass des deutschen Malers Paul Klee aufkauft. Heute aber verbleibt auf Dauer nur noch ein Werk von Klee im Kunstmuseum Bern - weil es nicht transportfähig ist. Fast alles andere, Tausende von Klee-Werken und die neue Stiftung Paul Klee, sind aus dem Kunstmuseum verschwunden.
Offiziell wird beteuert, man habe einen Kompromiss gefunden: Kunstmuseum und Zentrum tauschen Klee- Bestände befristet untereinander aus. Aber das Problem liegt tiefer. Es geht auch um Geld. Macht das Zentrum Paul Klee Schule, könnten bald ähnliche Kunst- Zentren wie Staubsauger regionale Museen leer fegen und öffentliche Mittel aufsaugen... Sicherlich brauchen auch Kunstwerke mit der Zeit neue Räume, um sie einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Allerdings erst im Juni, nach der Eröffnung, wird sich zeigen, ob ein solch gigantisches Projekt wie das Zentrum Paul Klee, wirklich zu einem Publikumsmagneten werden kann.
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Zentrum Paul Klee
Eröffnungswochen vom 20. Juni bis 3. Juli 2005
Monument im Fruchtland 3
Bern 31
Tel. +41 (0)31 359 01 01
>> Offizielle Homepage de Museums

Themenabend - Das Jahrhundertgenie Paul Klee
Freitag, den 17. Juni 2005 um 22.15 Uhr
Zum Themenabend wird ab Mitte Juni ein Internet-Dossier online gestellt.

22.15 Zwischen Aufbruch und Vollendung
Paul Klee und Bern
Dokumentation von Bärbel Walter, Alex Funk
Der Film dokumentiert jene Berner Jahre, die wie eine Klammer - gleichsam Anfang und Abschluss bildend - das Schicksal Paul Klees umschließen. In der wechselvollen Spannung zwischen Aufbruch und Vollendung wird das atemberaubende Werk und facettenreiche Leben von Paul Klee in Bern lebendig, der Stadt, in der der Künstler geboren wurde und in die er - aus Nazi-Deutschland als "entartet" vertrieben - zurückkehrte.

23.00 Paul Klee, die Stille des Engels
Dokumentation von Michael Gaumnitz
Dem Künstler Paul Klee gelang es auf seiner Suche nach Wesen und Wirkungsweise von Formen und Farben, die gängigen Grundsätze in Komposition und Perspektive zu revolutionieren und den starren Gegensatz von figürlicher und abstrakter Darstellung zu überwinden. Die Dokumentation will Verständnis für das bildnerische und das literarische Werk Klees wecken und die künstlerischen Probleme thematisieren, die ihm am Herzen lagen und die noch immer aktuell sind.

23.55 Paul Klee und das Bauhaus
Dokumentation von Leonore Brandt
Paul Klee gilt bereits im Jahre 1920 als außergewöhnliche Erscheinung in der Kunstöffentlichkeit und erhält einen Ruf an Deutschlands modernste Kunsthochschule, das "Staatliche Bauhaus Weimar", das später auf Druck der Nazis nach Dessau umzieht. Die Visionen des Bauhauses korrespondieren auf vielfältige Weise mit der Ideenwelt Paul Klees, so dass eine produktive Schaffensphase folgt.

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Metropolis
Samstag, den 21. Mai 2005 um 00.05 Uhr
Wiederholung am Sonntag, 22. Mai um 18.05 Uhr
Redaktion: WDR
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Erstellt: 19-05-05
Letzte Änderung: 19-05-05


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