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Der Zweite Weltkrieg und die US-Army

The War: Wie haben Amerikaner den Krieg erlebt, wie empfanden Deutsche und Franzosen die Ankunft der Amerikaner?

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Der Zweite Weltkrieg und die US-Army

The War: Wie haben Amerikaner den Krieg erlebt, wie empfanden Deutsche und Franzosen die Ankunft der Amerikaner?

Der Zweite Weltkrieg und die US-Army

Im Fokus: der zweite Weltkrieg und Amerika - 08/02/10

Dem Krieg in die Augen sehen - "Der Ken-Burns-Effekt"

„Der Zweite Weltkrieg fand an 1.000 Schauplätzen statt, zu viele, um von allen zu erzählen“. Diese Bemerkung hat Ken Burns jeder Episode seiner Dokumentation über den Zweiten Weltkrieg, „The War“, vorangestellt. Irgendwie führt er dann aber doch an 1.000 Orte und in 1.000 Erinnerungen – eine gigantische Bestandsaufnahme, 14 Stunden lang.


In die Geschichte hineinzoomen

Burns ist so eine Art vierte Kraft im amerikanischen Dokumentarfilm. Es gibt die Selbstinszenierung Michael Moores, mit der dieser in „Roger & Me“ – seinem prämierten Film über die Entlassungswelle bei General Motors – Ende der 80er begann. Schon damals trat er vor die Kamera und machte sich selbst zum Teil des Geschehens, indem er tatsächlich eingriff statt nur zu dokumentieren; der Methode ist Moore treu geblieben: in „Bowling for Columbine“ (2002), seiner Abrechnung mit der Gewalt und Waffenkultur in den USA, über „Fahrenheit 9/11“ (2004), einem Film über die Beziehungen zwischen Bush und Bin Laden, bis zu „Sicko“ (2007), in dem er die Missstände im amerikanischen Gesundheitssystem dokumentiert.

Diese Arbeitsweise steht im extremen Gegensatz zu derjenigen von Frederick Wiseman, der seine Geschichten aus langen Beobachtungen entstehen lässt. Von „Juvenile Court“ (1973), der das amerikanische Jugendstrafgesetz kritisch angeht, bis hin zu „Domestic Violence“ (2001) über häusliche Gewalt hielt er mit seiner Kamera so lange auf Szenen in Gerichtssälen, Therapiegruppen oder bei Polizeieinsätzen, bis seine Akteure ihn und die Kamera vergessen hatten. „Realficton“ nennt er das, denn so realitätsgetreu seine Filme auch sind, die Auswahl der Bilder und der Schnitt erzeugen dann doch eine Fiktion.

Und dann ist da noch Errol Morris, dessen Dokumentarfilme visuellen Kunstwerken gleichen. Für „The Fog of War“ über die Lektionen, die der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert McNamara aus dem Vietnamkrieg gelernt hat, bekam er einen Oscar. Morris greift mal ein, mal nicht, aber er schöpft immer aus den Möglichkeiten des Kinos, schafft „dreamscapes“, Traumlandschaften. Und inmitten dieser blühenden US-Dokumentarfilmszene hat Burns, geboren 1953 und seit den 80er Jahren Filmemacher, seine eigene Art entwickelt, Welten aus Archivmaterial entstehen zu lassen. Die meisten seiner Filme sind Meditationen über Amerika, und das hat ihn immer wieder in die Geschichte zurückgeführt.

Der Ken-Burns-Effekt

Burns hat sich 1990 mit der Bürgerkriegs-Reihe „The Civil War“ einen Namen gemacht, 1994 in „Baseball“ 14 Stunden lang die Geschichte des populären US-Sports erzählt und 2001 mit „Jazz“ ein Meisterwerk über den uramerikanischen Musikstil gedreht. Seine Filme entstehen jenseits der Kinogesetze, ein Film wie „The War“ ist nicht auf einen Rutsch zu bewältigen. Markenzeichen des Regisseurs ist der „Ken-Burns-Effekt“ – das Abfilmen von Fotografien, die er durch langsames Zoomen und Schwenks zum Leben erweckt. Mit dieser Inszenierungsart haucht er unbewegten Bildern große Emotionen ein und trägt dabei doch immer der Wahrhaftigkeit des Dokuments Rechnung, eine Technik, die auch „The War“ so einzigartig macht.

Am Ende des Films, in den Tagen vor dem 8. Mai 1945, berichten schließlich einige Protagonisten vom Einmarsch der amerikanischen Armee in die Konzentrationslager. Burnett Miller, einer der Soldaten aus Sacramento, erzählt, wie er nach Mauthausen in Österreich kam und plötzlich wusste, warum er in diesem Krieg gekämpft habe. In dem Ort neben dem Lager hätten alle gelogen, als sie behaupteten, nichts gewusst zu haben – dabei habe man den Tod riechen können.

„The War“ zeigt, wie Leidenschaft mit einem Gefühl für Gerechtigkeit zusammenhängt; er verweist aber auch immer wieder in die Gegenwart. Und hier offenbart die „von unten“ erzählte Geschichte einen zweiten „Ken-Burns-Effekt“: Der Zweite Weltkrieg kommt einem gefährlich nahe; der Filmstil des amerikanischen Erfolgsregisseurs zwingt den Zuschauer geradezu, dem Krieg in die Augen zu sehen.

Susan Vahabzadeh



Während der Dreharbeiten brach der Irakkrieg aus. Hat sich das in irgendeiner Weise auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Wir hatten mit den Dreharbeiten schon vor dem 11. September begonnen. Die Anschläge hatten Unverständnis und Angst hervorgerufen, ähnliche Gefühle wie 1941 der Überraschungsangriff auf Pearl Harbor. Deshalb lagen bei den Zeitzeugen, die wir für die Reihe befragten, die Gefühle blank, denn die jüngsten Ereignisse hatten ihre Erinnerungen an den Krieg wieder aufleben lassen, als sei er gestern gewesen. Dann zogen die USA in Afghanistan und im Irak in den Krieg.

Wir hatten schon vor diesen Ereignissen reiflich über unser Thema nachgedacht. Deshalb versuchten wir auch nicht, das, was vor sechzig Jahren geschah, anhand des völlig anders gelagerten aktuellen Geschehens zu verstehen. Dennoch drängt sich natürlich ein Vergleich auf. Bei einer Filmvorführung in den USA kam es zu einer Begegnung zwischen einem Kriegsveteranen aus unserem Film, einem Vietnamveteranen und einem jungen Soldaten, der im Irak gekämpft hatte. Es war unglaublich, wie viele Gemeinsamkeiten es gab, als sie über ihre Kriegserfahrungen sprachen.

Lynn Novick, Koregisseurin und Koproduzentin von THE WAR





Erstellt: 22-02-08
Letzte Änderung: 08-02-10