Anja Thiele : Man sollte auf keinen Fall alle Klienten die ALG II erhalten über einen Kamm scheren und differenziert jeden Einzelfall für sich betrachten. Welchen familiären Hintergrund hat er, wie steht es um seine gesundheitliche Verfassung oder spielen finanzielle Probleme eine Rolle. Das alles kann wichtig sein, denn diese Dinge können den Klienten so belasten dass er seinen Pflichten auch gegenüber dem Arbeitsamt nicht nachkommen kann. Solche Problemlagen tauchen immer häufiger auf, darauf muss der persönliche Ansprechpartner und der Fallmanager im Besonderen eingehen.
Aber ist gibt auch immer wieder positive Beispiele, Klienten bemühen sich engagiert und intensiv um eine neue Stelle, sind hoch motiviert und würden mit einem Studienabschluss auch putzen gehen, um bloß zu arbeiten. Leider wissen wir alle, wie es um unseren deutschen Arbeitsmarkt bestellt ist, im besonderen in den neuen Bundesländern. Aufgabe der ARGE´n sollte es daher weiterhin sein, die Menschen zu aktivieren und zu motivieren, damit sie nicht den Mut verlieren.
Am konkreten Beispiel wird deutlich, dass die Wiederaufnahme einer Arbeit nach monatelanger Untätigkeit häufig mit einer Umstrukturierung des gesamten Lebens einhergeht. Ist die Arbeit eines « Fallmanagers » da nicht nur der Tropfen auf den heißen Stein ?
Das sehe ich nicht so, der Fallmanager soll derjenige sein, der gemeinsam mit dem Klienten einen neuen "roten Faden" in dessen Leben bringt. An diesem "roten Faden" wird dann gemeinsam gearbeitet, hier bedient sich der Fallmanager der bestehenden Netzwerke seiner Stadt. Der Klient bekommt wieder Struktur in sein Leben, es werden Arbeitsbündnisse arrangiert, welche ihm auch auf seinem weiteren

- Interview:
Vor allem Rückhalt im Elternhaus und positive Kontakte zu Gleichaltrigen machen Kinder "widerstandsfähiger" und helfen ihnen, mit der Armut besser umzugehen.
Prof. Margherita Zander im Interview.

Der Abstieg geht wesentlich schneller und ist er ist definitiver als der Aufstieg. Wie viele Menschen kommen denn tatsächlich wieder richtig auf die Beine ?
Hier kommt es auf die Sicht des Fallmanagers an: "Was bedeutet für den Betroffenen wieder richtig auf die Beine kommen?". Für mich persönlich steht die Stabilisierung der Persönlichkeit des Klienten im Vordergrund. Für mich ist es schon ein Erfolg, wenn jemand zum gemeinsam vereinbarten Termin in der Suchtberatung geht oder sich der Entziehungskur stellt... Damit kann ich persönlich sagen, dass sehr viele meiner Klienten wieder auf die Beine gekommen sind.
Wie hat sich Ihre Arbeit konkret seit Einführung von Hartz IV verändert. Sehen Sie, dass die Menschen durch den größeren Druck schneller in den Job finden ?
Meine Arbeit hat sich seit der Einführung vom ALG II nicht wesentlich geändert. Ich war davor im Sozialamt tätig und hatte auch hier schon mit multiplen Problemlagen der Klienten zu tun. Es gab auch zu Zeiten des Bundessozialhilfegesetzes schon Sanktionsmaßnahmen, daher gibt es für mich persönlich keine Veränderung. Ein positiver Druck, hier über Sanktionierung der Leistungen, kann erzieherisch positive Wirkung haben, muss aber nicht.
Glauben Sie, dass unsere bisherigen Werkzeuge ausreichen, um der zunehmenden Zahl von gesellschaftlich ausgeschlossenen Menschen angemessen zu begegnen ? Was würden Sie sich von der Regierung wünschen ?
Ich kann nur für Chemnitz sprechen, hier gibt es ein engmaschiges Hilfssystem, welches betroffene Menschen nutzen können. Wer sich helfen lassen will, bekommt jede Möglichkeit der Unterstützung. Dies setzt immer aber voraus, dass die Menschen auch Interesse an Hilfe haben, was aus meiner Erfahrung nicht immer der Fall ist. Das muss man dann als Fallmanager auch akzeptieren!!!!
Wünsche an die Regierung kann ich ganz klar definieren, Stellenzuführung an die ARGE´n in Deutschland, die Arbeit ist sehr schwer und sollte nicht über Personenkennziffern definiert werden!!!!! Es sollte den ARGE´n soviel Spielraum eingeräumt werden, dass sie soviele MA wie möglich und auch nötig einstellen können!!!!! Betreuungszahlen der persönlichen Ansprechpartner und Leistungsbearbeiter von über 400-500 Fällen/MA sind nicht zuträglich für die Qualität unserer Arbeit !






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

