1) Wer und wie viele wurden deportiert?Die Deportierten kann man in folgende Gruppe zusammenfassen:- Deportierte aus politischen Gründen ("résistance politique", d.h. Kommunisten, Gaullisten, Sozialisten, Menschenrechtler). Man nimmt heute an, dass bis Ende 1944 aus dieser Gruppe 65-80.000 Menschen deportiert wurden. Allein 1943 wurden 65.000 Menschen aus Frankreich deportiert. Politische Geiseln wurden nicht nur durch die deutsche Besatzungsbehörde mittels Deportation liquidiert, sondern in Paris selbst wurden zwischen 1942 und 1944 254 Todesurteile gegen Geisel vollstreckt.
- Unerwünschte Ausländer, wurden zwischen 1940 und 1944 aus Frankreich in unbekannter Höhe in die deutschen KZ und in die Vernichtungslager deportiert.
- Eine andere Gruppe sind diejenigen, die aus rassischen Gründen deportiert wurden, d.h. Juden, Sinti und Roma. Was die Zahl der jüdischen Opfer betrifft, spricht Klarsfeld von 76.000 Menschen. Von dieser Zahl waren 24.500 Franzosen, d.h. die Mehrheit der Deportierten waren Ausländer : Polen, Russen, Deutsche, Österreicher, Griechen, Bulgaren, Tschechen, ... . Unter den genannten 76.000 befanden sich 16.000 Kinder. 8.000 dieser Kinder stammten von ausländischen Eltern ab und 8.000 waren eingebürgert.
- Die vierte Gruppe der Deportierten waren Opfer des "Nacht und Nebel Erlasses" (Dezember 1941), auf Französisch "nuit et brouillard". Dieser Erlass wurde von Hitler 1941 an die Wehrmacht ausgegeben. Vor Ort kümmerte sich der deutsche Militärbefehlshaber für Frankreich um Massenverhaftungen und Deportationen. Diese Praxis wurde ab 1942/43 von dem HSSPF (Höherer SS Polizeioffizier Frankreich) der Gestapo, eins zu eins übernommen. Die Zahl der NN Opfer wird bei 5.000 vermutet.
- Eine andere Gruppe von Deportierten, über die lange nicht gesprochen wurde, waren die bis 1944 in Südfrankreich internierten Spanienkämpfer und Emigranten (Deutsche, Österreicher, Polen und Tschechen). Diese wurden in sogenannten IAPT Transporten (israélites allemands, autrichiens, polonais, tchèques) in bis heute unbekannter Höhe in die Vernichtungslager deportiert.
- Die größte Gruppe der Deportierten umfasste die ca. 1 Million Franzosen, die als Service Travail Obligatoire, STO, von 1943 bis 1944 ins Reich gebracht wurden. Hier wurden auf Anfrage Juden als Arbeitskraft für die deutsche Wirtschaft nach Deutschland deportiert.
Die Gesamtzahl der aus Frankreich ermordeten Juden beläuft sich nach Pierre Laborie (2003) auf 75. 721 Personen. Zwischen 1940 und 1944 wurden in den französischen Lagern 130.000 Menschen interniert. Davon waren 100.000 Juden, 3.000 Roma und Sinti und 15.000 politische Internierte. Sie alle wurden aus politischen und/oder rassischen Gründen in diesen "Lagern der Schande" (Anne Grynberg) festgehalten. Nach Klarsfeld "Calendrier..." über die Verfolgung der Juden in Frankreich (1993) wurden 80.000 Juden Opfer der Deportation oder der Ermordung in Frankreich. 69% waren ausländische Juden.
2) Wie waren die Bedingungen während der Deportation?Der Ablauf eines Transportes aus dem Lager Drancy sah so aus: frühes Wecken (5 Uhr), Gepäckkontrolle im Lager Drancy, Abfahrt mit Bussen an den Bahnhof, Verladen und Schließen der Waggons. Die Fahrt bis Mosel- Novéant (Neuburg/Mosel) wurden meist von der Geheimen Feldpolizei (GFP), Sicherheitspolizei/Sicherheitsdienst der Gestapo (Sipo/ SD) und der französischen Gendarmerie gemeinsam angetreten. Auf der Lok standen bis zur Grenze, Mosel- Norévant, Franzosen.
In den Waggons wurden im Schnitt ca. 1.000 und mehr Menschen reingepresst. Das Ziel war meistens Auschwitz-Birkenau.
57% der Menschen, die in diesen Transporten dort ankamen, wurden durch das Gas umgebracht (ca. 42.000); weniger als 3% kamen 1945 nach Frankreich zurück. Die eingesetzten Waggons waren meist Güter- und Viehwaggons. Es gab wenige Ausnahmen, bei denen die Opfer in der dritten Klasse in die Vernichtungslager gebracht wurden. Die Deportierten erhielten auf ihrer fünftägigen Fahrt ein Wasser und kein Brot. In einem Waggon war meistens ein Kübel für die Notdurft; besonders die Frauen hatten es schwer. Die ersten Opfer waren Kleinkinder, Babys und ältere Personen. Die Absicht der Deutschen war es, schon während des Transportes viele umkommen zu lassen. Diese im Zug Getöteten wurden erst am Ende der Eisenbahnfahrt aus dem Waggon herausgenommen. Die Mortalität in einem Waggon lag je nach Strecken, Saison und Witterung zwischen 25 bis 50%. Bis zur Grenze bestand die Wachmannschaft zum Teil aus der französischen Gendarmerie und der GFP bzw. Sipo / SD.
von Guilhem Zumbaum-Tomasi
Kartenmodelle aus dem Internet :Internierungslager in Frankreich - August 1942Frankreich nach dem Waffenstillstand - Juni 1940Das Lager von Drancy in FrankreichArtikel und Karte zur Deportation 1942-1944