Ein amerikanischer Journalist fliegt nach Europa, um dort Informationen über den nahenden Zweiten Weltkrieg zu sammeln. Schneller als er denken kann, landet er mitten in einer gefährlichen Geschichte ...

Ein Film von Alfred Hitchcock
(USA 1940, 115 Min.)
Mit Joel McCrea, Laraine Day, Herbert Marshall, Albert Bassermann, Robert Benchley

HANDLUNG
Der amerikanische Reporter Johnny Jones wird von seiner Redaktion nach Europa geschickt, um Informationen zum bevorstehenden Zweiten Weltkrieg zu sammeln. Er wird Zeuge eines Attentats auf den holländischen Politiker Van Meer, der eine Geheimklausel kennt, mit der der Ausbruch des Kriegs gestoppt werden könnte. Jones findet mit Hilfe von Carol Fisher und Scott ffolliott heraus, dass ein Doppelgänger des Politikers erschossen wurde und der echte Van Meer in einer Mühle gefangen gehalten wird. Carol Fisher ist die Tochter von Stephen Fisher, der der Vorsitzende einer pazifistischen Vereinigung ist. Doch nichts ist, wie es scheint, denn Carols Vater entpuppt sich als Anführer einer Nazi-Organisation, die für die Entführung von Van Meer verantwortlich ist. Der zweite Weltkrieg bricht aus. Carol Fisher, ihr Vater und auch John Jones fliehen alle in ein und demselben Flugzeug nach Amerika, auf das plötzlich geschossen wird...
VISUELLE OPULENZ
Visuell versuchte Hitchcock für jedes Land, in dem er drehte, landestypische Momente für seine Filme zu finden, die er zu unvergesslichen Bildern kombinierte. So ist die visuelle Schlüsselsequenz von "
Der Auslandskorrespondent" unbestreitbar der Ort auf dem Land in Holland, auf dem sich die Windmühle befindet, in der Van Meer gefangen gehalten wird. Ein geräumiges, offenes Gelände mit Windmühlen, von dem etwas Bedrohliches ausgeht. Als Johnny Jones zufällig sieht, dass sich die Flügel der Mühle für einen Moment lang rückwärts drehen, entziffert er dies als Geheimzeichen an eine über der Mühle fliegende Propellermaschine.
In einer weiteren wichtigen Szene, die in Amsterdam spielt, findet ein Attentat auf den Politiker Van Meer statt. Hunderte von Zuschauern, die sich trotz des Regens eingefunden haben, um die Rede des Politikers zu hören, ergeben optisch ein Meer aus schwarzen Regenschirmen. Der Attentäter - als Fotograf getarnt - entkommt in diesem Meer - ein beeindruckendes Bild der Masse, in der der Mörder anonym untertauchen kann.
B-KLASSE SCHAUSPIELER
Anfang der 40er Jahre galt ein Spionagethriller in Amerika als B-Movie, allein auf Grund seines Genres. In Europa war dies anders. Trotz seiner bisherigen internationalen Erfolge bekam Hitchcock bei der Besetzung für "
Der Auslandskorrespondent" nicht die Schauspieler, die er haben wollte. Eigentlich wollte er für die Rolle des amerikanischen Reporters Johnny Jones Gary Cooper gewinnen, doch dieser lehnte ab. Nur kurze Zeit später, nachdem er den fertigen Film sah, soll er zugegeben haben:
"Ich bin wirklich blöd gewesen." Joel McCrea, die zweite Wahl für Hitchcock, spielte dessen Meinung nach
"etwas zu schlaff". Auch mit der weiblichen Hauptrolle von Laraine Day war der Meister nicht ganz zufrieden, eigentlich wollte er Barbara Stanwyck oder auch Joan Fontaine. Mit letzterer drehte er noch im selben Jahr erfolgreich seinen Film "
Rebecca" und ein Jahr später "
Verdacht".
ERSTKLASSIGE SPEZIALEFFEKTE
Eine bislang 1940 in einem Film so noch nie gesehen Szene war der Moment, in dem das Personenflugzeug, das die Fishers nach Amerika bringen sollte, abgeschossen wird und ins Wasser stürzt. Vom Cockpit aus gesehen kommt das Meer näher und näher, bis ungestüme Wassermassen durch die Fenster hereinbrechen. Wie haben Sie das gemacht, Mr. Hitchcock? Die Techniker nutzten eine Rückprojektion des immer näher kommenden Meeres, die auf sechs dünne Reiswände projiziert wurde, welche die Fenster des Cockpits darstellten. In dem Moment, in dem das Flugzeug ins Wasser taucht, drückte Hitchcock einen Knopf, der die Wassermassen durch die Reiswände hereinstürzen ließ. Ein großartiger, und gleichzeitig simpler Effekt. Für das in der nächsten Szene im Meer schwimmende Flugzeug wurde ein riesiges Wasserbecken gebaut, in dem das Modell des Flugzeugs auf Schienen hin und herbewegt werden konnte.
ALBERT BASSERMANN, TRÄGER DES IFFLANDRINGES
Eine weitere Besonderheit des Films ist die Rolle des Albert Bassermann, der den holländischen Politiker Van Meer spielt. Von Friedrich Haase erhielt Bassermann 1911 den Iffland-Ring, den er bis zu seinem Tod 1954 trug. Der Ifflandring wird jeweils nach dem Tod des Trägers an den seiner Meinung nach besten deutschen Schauspieler testamentarisch vererbt. Momentan trägt Bruno Ganz den Iffland-Ring, seit 1996. Hitchcock hat Bassermann sehr bewundert. Dieser sprach jedoch kein Wort englisch und lernte deshalb seine Rolle phonetisch. Dass ihm dies hervorragend gelungen ist, beweist die Nominierung als Bester Nebendarsteller für den Oscar für seine Rolle des Van Meer.
VERDECKEN UND VORTÄUSCHEN FALSCHER IDENTITÄTEN
Das Thema des Verdeckens und Vortäuschens falscher Identitäten zieht sich durch den gesamten Film. Es beginnt schon damit, dass seine Redaktion Johnny Jones sagt, dass er für seine Tätigkeit in Europa einen "glaubwürdigeren" Namen braucht - sie nennen ihn fortan Huntley Haverstock. Carol Fisher verschweigt Jones anfangs, dass der Vorsitzende der pazifistischen Vereinigung - für die sie arbeitet - ihr Vater ist, und ein Journalistenkollege von Jones, Scott, schreibt seinen Nachnamen klein und doppelt einige Buchstaben. "ffolliott" nennt er sich in Anspielung auf einen Verwandten selben Namens, der sein Leben verlor. Der Politiker, der erschossen wird, ist eigentlich nur ein Doppelgänger, und auch Windmühlen sind nicht einfach nur Windmühlen in diesem Film - sie geben bisweilen geheime Botschaften weiter. Ein wunderbares Rätselraten um seltsame Dinge, wie immer in der Wunderwelt des Alfred Hitchcock. In Deutschland kam der Film - der eigentlich als Propagandafilm geplant war, sich aber letztlich mit seiner Mission sehr zurückhält - erstmals 1961 unter dem Titel "Mord" in einer auf 98 Minuten gekürzten Version auf die Leinwand. Die Bezüge auf die nationalsozialistischen Gegner hielt diese Fassung möglichst gering. ARTE zeigt die Originalversion von Alfred Hitchcock.
Nana A.T. Rebhan
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Originaltrailer
Alfred Hitchcock über „Der Auslandskorrespondent“
Die berühmte Windmühlensequenz
Hitchcock Cameo