Die Falle des "Vorzeige-Germanen" Arminius
Im Jahr 9 n. Chr. war Germanien auf dem bestem Weg, eine römische Provinz zu werden. Militärlager waren installiert, erste städtische Strukturen geschaffen, die germanischen Völker unterworfen oder als Bundesgenossen gewonnen. Die Elbe und die Weser sollten die neuen Grenzen des römischen Imperiums markieren. In dieser Situation erreichte den römischen Statthalter Varus die Nachricht, dass sich germanische Stämme gegen Rom erhoben hätten. Der Überbringer dieser Nachricht war der Cherusker Arminius, der alles andere denn ein gewöhnlicher Barbar war. Arminius war in Rom aufgewachsen, wohin er als Geisel für das Wohlverhalten seiner Familie gelangt war. In der Folge erhielt er nicht nur das römische Bürgerrecht, sondern wurde zudem in den Ritterstand erhoben – ein „Vorzeige-Germane“, wenn man so will. Varus kannte Arminius und vertraute ihm. Doch den Aufstand, vor dem Arminius den Statthalter warnte, gab es überhaupt nicht.

stellt einmal im Monat eine wichtige historische Ausstellung vor -
Ausgesucht für ARTE wurde sie von den Kollegen der Zeitschrift Damals.

Imperium, Konflikt, Mythos
Die drei Ausstellungsorte sind alle direkt mit dem Geschehen vor 2000 Jahren bzw. dessen Folgen verbunden. Da ist zunächst Haltern am See mit der Ausstellung "Imperium". Dort befanden sich vor 2 000 Jahren die bedeutendsten römischen Militäranlagen in Germanien, hier war eine der Legionen stationiert, die Varusschlacht untergehen sollte. Die aufwendig inszenierte Ausstellung berichtet vom Leben der römischen Legionäre in Haltern. Darüber hinaus werden auch die politischen und militärischen Folgen der Varusschlacht und der Lebensweg des namengebenden Protagonisten nachgezeichnet. Um das Geschehen einzubetten, wird in einem weiteren Ausstellungsteil der Aufstieg Roms vom Dorf auf sieben Hügeln zur Weltmacht aufgezeigt.

Imperium – Konflikt – Mythos
16. Mai – 25. Oktober 2009
Imperium: Seestadthalle und LWL-Römermuseum, Haltern am See
Konflikt:
Museum und Park Kalkriese
Mythos:
Lippisches Landesmuseum Detmold

Kalkriese, der wirkliche Ort der Varusschlacht?
Über Jahrhunderte hinweg wurde darüber gestritten, wo die Varusschlacht überhaupt stattgefunden hat. Tacitus nennt als Ort des Geschehens den „saltus Teutoburgiensis“, den Teutoburger Wald. Archäologische Untersuchungen bei Kalkriese im Osnabrücker Land deuten nun jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein Szenario, das mit dem Untergang einer römischen Armee endete. Münzfunde weisen zudem darauf hin, dass dieses Geschehen sich in ebenjener Zeit abgespielt haben muss. In den vergangenen Jahren entstanden in Kalkriese ein Museum und ein archäologischer Park, der die Vorgänge anschaulich nachvollziehen lässt. Die Sonderausstellung "Konflikt" zum Jubiläum lenkt den Blick weit über die Schlacht selbst hinaus und beschäftigt sich mit der Entwicklung Germaniens bis in die Zeit der Völkerwanderung.
Der Mythos vom "Befreier Germaniens"
Arminius, der Sieger der Varusschlacht, wurde etwa zehn Jahre nach seinem Triumph, ermordet und verschwand in der Versenkung der Geschichte. Niemand nahm mehr Notiz von ihm – bis im Zeitalter der Renaissance die Antike wiederentdeckt und deutsche Humanisten fasziniert die „Germania“ des Tacitus lasen. Der römische Schriftsteller schildert die Germanen darin als freies, kraftstrotzendes und kriegerisches Volk – und hält sie seinen vermeintlich dekadenten Landsleuten als Spiegel vor.

Auf ARTE im Mai:
Rom - Niedergang einer Weltmacht
Herrscher von Heeres Gnaden (1)
Samstag, 16.5. 2009 um 21.00 Uhr
Das Ende des Weströmischen Reiches (2)
Samstag, 16.5. 2009 um 21.00 Uhr

Sein Schwert war gegen Frankreich gerichtet
In der Folge wurde Hermann zum Vorkämpfer deutscher Stärke und Einheit stilisiert – in den Befreiungskriegen gegen Napoleon und im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Die Lehre, die die Deutschen aus der Varusschlacht in nationaler Interpretation ziehen sollten: Einigkeit macht stark. 1875 wurde nach über 30-jähriger Bauzeit im Teutoburger Wald bei Detmold am damals vermuteten Ort des Geschehens ein gewaltiges Denkmal erbaut. Das Schwert des germanischen Recken ist gegen Westen gerichtet: gegen Frankreich. Und die Inschrift auf dem Schwert nimmt diese Wendung auf: „Deutsche Einigkeit meine Stärke, meine Stärke Deutschlands Macht“. So wie einst Arminius die germanischen Stämme vereint habe, so habe Wilhelm I. im Kampf gegen „welsche Macht und Tücke“ die deutsche Einheit geschaffen.

Buchtipps
Herfried Münkler:
Die Deutschen und ihre Mythen
Von der Varusschlacht bis zum Wirtschaftswunder - die Deutschen im Spiegel ihrer Mythen: ein aufschlussreiches Werk über ihre Geschichte und Mentalität
Ralf-Peter Märtin:
Die Varusschlacht
Rom und die Germanen

Nach zwei verlorenen Weltkriegen und der von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle propagierten deutsch-französischen Freundschaft schien diese Interpretation nur noch peinlich zu sein, doch öffnete die Abkehr von dem deutschnationalen Zerrbild zugleich die Möglichkeit eines unverkrampften Blicks auf Arminius/Hermann. Einen Schub erhielt die Debatte dann noch einmal durch die Entdeckung des wahrscheinlichen Schlachtorts bei Kalkriese. Dass sogar der „Spiegel“ dem Cherusker jüngst eine Titelgeschichte gewidmet hat, zeigt, wie sehr das Geschehen die Gemüter nach wie vor bewegt. Und die Historiker können nun darüber streiten, ob Arminius tatsächlich die Germanen einen wollte, oder ob es ihm doch nur um den Ausbau der eigenen Macht gegangen ist. Und darüber, ob es für Germanien und in der Folge Deutschland nicht vielleicht besser gewesen wäre, wenn das Land damals ein Teil des Römischen Reichs und damit der römischen Kultur geworden wäre.
Dem Mythos und der Rezeption ist daher der dritte Ausstellungsteil in Detmold gewidmet: Wie wurde aus dem historischen Ereignis der Varusschlacht ein Mythos? Ausgewählte Zitate aus den Schriften des Tacitus werden in der Ausstellung modernen archäologischen Forschungsergebnissen gegenübergestellt. Gezeigt werden darüber hinaus Grab- und Siedlungsfunde sowie frühe Buchdrucke und Handschriften. Dazu kommen Gemälde, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.
Uwe A. Oster
Ausgesucht für ARTE würde dieses Ereigniss von den Kollegen der deutschen Zeitschrift Damals.
Das Gemälde " Felsental (Das Grab des Arminius) " von Kaspar David Friedrich (um 1813) befindet sich heute in der Kunsthalle Bremen.







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