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DVD-News - 25/10/06

Der Boxprinz

Ein Film von Gerd Kroske


Norbert Gruppe brach Herzen wie Nasen

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  • Synopsis

Dokumentarfilm über den ebenso gefürchteten wie bewunderten deutschen Halbschwergewichtler Norbert Gruppe alias Prinz Wilhelm von Homburg, der seine Karriere in Los Angeles als Wrestler an der Seite seines Vaters begann.


  • Der Kommentar zum Film

„Der Boxprinz brach Herzen wie Nasen“, so schrieb der Kölner Stadtanzeiger nicht ganz wahrheitsgemäß über Norbert Gruppe alias Prinz Wilhelm von Homburg. Denn der Prinz, so lautete sein Künstlername seit schlechteren amerikanischen Wrestlertagen an Amerikas Westküste an der Seite seines Vaters – war in der deutschen Öffentlichkeit nicht gerade wohl gelitten. Die Großmäuligkeit und Brutalität des unorthodox boxenden Halbschwergewichtlers war es, die die deutschen Massen gegen ihn aufbrachte, aber zugleich natürlich auch die Hallen füllte und Gruppe zeitweise fürstliche Preisgelder einbrachte, wenn es auch für einen der ganz großen Titel in seiner Karriere wegen seiner Disziplinlosigkeit nie reichen sollte.

Der Prinz von Homburg war nach einer auf die Catcherkarriere folgenden respektablen Boxerkarriere (29 Kämpfe, 27 Siege) an Amerikas Westküste zurück in seine Geburtstadt Hamburg gekommen, weil er eine Marktlücke entdeckt hatte, wurde doch das deutsche Boxen von vielen mausgrauen Biedermännern dominiert. Keiner konnte sein Publikum und die Medien so gegen sich aufbringen wie Gruppe, der sich auf dem Hamburger Jungfernstieg gerne mit Melone, Anzug, dicker Havanna-Zigarre und Fantasie-Siegelring frei nach dem gleichnamigen deutschen Reitergeneral und Kleist-Helden präsentierte. Er war der erste deutsche Popstar unter den Boxern, der es sogar wagte, in einem skandalösen Live-Fernsehinterview dem Moderator die Antworten auf seine recht unverschämten Fragen nach einer boxerischen Niederlage zu verweigern, woraufhin dieser nie wieder ein Interview mit einem Sportler führen durfte.

Danach wurde es zunehmend finsterer um den zu Drogen und Alkohol Zuflucht suchenden Boxer. Erst avancierte er zum gefürchteten Puff-Türsteher, der selbst Dirnen für sich anschaffen ließ, dann wurde er als Freund der Hell’s Angels wegen Schutzgelderpressung angeklagt, um schließlich wegen Haschischhandels für mehr als 2 Jahre hinter Gitter zu wandern. Nach insgesamt fünf Jahren in Hamburger Haftanstalten kehrt Gruppe an die amerikanische Westküste zurück, um seine Karriere als Schauspieler wiederzubeleben – doch für mehr als kleinere Nebenrollen als Bösewicht in Hollywood-B- und C-Pictures reicht es nicht, einmal abgesehen von einem frühen Auftritt bei Hitchcock und einem denkwürdigeren als Zuhälter in Werner Herzogs „Stroszek“. Dazu ist Grupes Textgedächtnis nach tausenden von Kopftreffern und inhalierten Joints nicht mehr in der Lage, seine Verwandlungsfähigkeit nicht ausreichend.

Der aus Dessau stammende Filmemacher Gerd Kroske (Jahrgang 1958) nähert sich dem (west-)deutschen Phänomen Norbert Gruppe auf ebenso respektvolle, wie intelligente Art und Weise. Statt das Klischee vom brutalen Selbstdarsteller auszuweiden oder umgekehrt der schillernden Kiez-Größe ein Denkmal zu setzen, lässt er ehemalige Weggefährten, Boxer, Gym- und Puffbesitzer, eine Hure, einen Anwalt, ein Hell’s-Angels-Mitglied, Werner Herzog und Freunde aus Amerika zu Wort kommen. Dazu hat er Gruppe in Los Angeles kurz vor seinem Tod -2004 verstarb der Prinz in Mexiko an einem Krebsleiden - besucht und ihn zu einzelnen Stationen seiner Karriere und seines späteren Abstiegs befragt. So wird das zwiespältige Charisma des Boxprinzen greifbar, dass ihm in ihrem mal verklärten, mal unsentimentalen Rückblick viel Bewunderung, jedoch kaum Freunde oder gar Liebe eingebracht hat. Der Boxprinz gehört zu einer aussterbenden Spezies Mensch, die mit vollem Körpereinsatz und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen teilweise gegen ureigene Interessen verstoßend ihr Ego ausgelebt haben, zum Preis des eigenen körperlichen Zerfalls und ihrer gesellschaftlichen Ächtung und späteren Verklärung.


  • Das Bonusmaterial

Informationstafeln zu Gruppe und Regisseur Gerd Kroske, Trailer, Bonusfilm: Kurzschluss von Gerd Kroske, 1993 (Inhalt: Ein junger Demonstrant sorgt 1990 für einen Kurzschluss während Kohls Leipzig-Rede).


Der Boxprinz
Ein Film von Gerd Kroske
BRD, 2002, 95’, Farbe und s/w, Bildformat 4:3, Dolby 2.0
Absolut Medien
Untertitel: deutsch/englisch

Erstellt: 24-10-06
Letzte Änderung: 25-10-06