DVD-News - 19/09/07
Der Duft der grünen Papaya
Ein Film von Tran Anh Hung

Der Duft der grünen Papaya / Mui du du Xanh
Frankreich/Vietnam 1993, 104 Min.
Regie: Tran Anh Hung
MIt Tran Nu Yen-Khe, Truong Thi Loc, Lu Man San
Synopsis: Saigon, 1950: Mui kommt als Zehnjährige vom Land in eine Kaufmannsfamilie und arbeitet dort als Dienstmädchen. Sie verlässt das Anwesen kaum, aber sie beobachtet gern die Tiere dort. Als sie Zwanzig ist, geht sie in die Dienste des jungen reichen Komponisten Khuyen, in den sie sich verliebt. Und er sich in sie. Sie wird schwanger von ihm.
Kritik: In der restaurierten Fassung dieser DVD Version erstrahlen die Farben satt und prächtig. DER DUFT DER GRÜNEN PAPAYA ist der preisgekrönte Debütfilm des in Frankreich lebenden Vietnamesen Tran Anh Hung, der auch seinen zweiten Film, CYCLO, in Vietnam drehte. Mit seiner Ruhe, seiner Unaufgeregtheit und seinen poetischen, tableauartig kadrierten wunderschönen Bildern zieht er den Zuschauer in seinen Bann. Zwar ist DER DUFT DER GRÜNEN PAPAYA fast ein Kammerspiel, aber dadurch, dass das Haus der Kaufmannsfamilie einen großen Hof besitzt, in dem es viele Pflanzen und Tiere gibt, fühlt sich der Blick des Zuschauers nicht auf dunklere Innenräume beschränkt. Er folgt den alltäglichen Verrichtungen und Erledigungen Muis, die als Dienerin in einem Haushalt mit drei Kindern immer etwas zu tun hat. Der jüngste Sohn ärgert sie gern, indem er sie mit toten Tieren erschreckt. Er liebt es, die Tiere zu quälen und zu töten, während Mui etwa den Ameisen beim Schleppen von Futter lange zusieht und Gefallen daran findet.
Dies tut sie in ihrer freien Zeit stundenlang. Sie beobachtet die Frösche, die Vögel, die Echsen und natürlich die Ameisen. Die Bilder und Klänge des Films feiern diese Momente. Die beschauliche Ruhe und die fast märchenhafte, hermetische Abgeschlossenheit des Geschehens klammert das Kriegstreiben der Zeit fast gänzlich aus. Die Poesie der Bildersprache, die Anmut der einfachen Bewegungen, die Mui vollbringt, wenn sie Speisen anrichtet oder den Boden wischt, deren überzeugende Schlichtheit sind der Fokus dieses anmutigen Films.
DER DUFT DER GRÜNEN PAPAYA endet mit folgenden Worten: "Das Frühlingswasser, das die Mulde eines Felsen füllte, ist überrascht. Es zittert leicht. Die Schwingungen der Erde haben, heraus aus dem Nichts, mächtige Wellen geboren, die an der Oberfläche unregelmäßige Wogen nach sich ziehen, ohne dass sie ausbrechen." Mui spricht diese Worte, besser gesagt, sie liest sie. Khuyen hat ihr schreiben und lesen beigebracht. Die letzten Worte liest sie nicht ab, sie spricht sie auswendig in die Kamera: "Die Kirschbäume, in Schatten gehüllt, sie entfalten sich und ziehen sich wieder zusammen. Sie winden und schlängeln sich im Rhythmus des Wassers. Aber ebenso interessant ist, dass sie auch, wenn sie sich verändern, immer die Form eines Kirschbaums behalten werden."
Nana A.T. Rebhan
Erstellt: 23-04-07
Letzte Änderung: 19-09-07