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Donnerstag, 08. Februar 2007 um 20:40 Uhr - 16/09/08

Der Elefantenmensch

England im 19. Jahrhundert: John Merrick, der aufgrund einer Krankheit von Geburt an unter schweren körperlichen Deformationen leidet, wird als "Elefantenmensch" auf einem Jahrmarkt ausgestellt und hemmungslos begafft. Eines Tages gelingt es dem jungen Arzt Frederick Treves, Merrick aus seiner unwürdigen Lebenssituation zu befreien und in ein Krankenhaus zu bringen. Doch dort geht der Kampf gegen Vorurteile und Erniedrigungen weiter. - Auftakt einer dreiteiligen Reihe mit Filmen von David Lynch.

117 Min.
(The Elephant Man)
Spielfilm, USA / Großbritannien 1980, ARD, Synchronfassung
Regie: David Lynch; Buch: Christopher De Vore, Eric Bergren, David Lynch; Kamera: Freddie Francis; Schnitt: Anne V. Coates; Musik: John Morris; Produzent: Jonathan Sanger; Produktion: Brooksfilms Ltd.
Mit: Anthony Hopkins - (Dr. Frederick Treves), John Hurt - (John Merrick), Anne Bancroft - (Mrs. Kendal), John Gielgud - (Carr Gomm), Freddie Jones -
(Bytes), Michael Elphick - (Nachtwächter), Hannah Gordon - (Mrs. Anne Treves), Helen Ryan - (Prinzessin Alex)
Wiederholung : 19/02 um 00.40

Im viktorianischen England des 19. Jahrhunderts muss der junge John Merrick sein Dasein als Jahrmarktsattraktion fristen: Er ist von Geburt an von schweren körperlichen Deformationen gezeichnet, die ihn zur Sensation für Schaulustige machen. Nachdem die grausame Freakshow wegen Verletzung der öffentlichen Moral geschlossen wird, bringt der Arzt Frederick Treves den als "Elefantenmensch" bezeichneten Merrick zu Forschungszwecken in ein Krankenhaus. Zunächst ist sein Interesse rein medizinischer Natur, doch als Merrick krank wird, macht es sich Treves zum Ziel, ihn aus seinen unwürdigen Lebensbedingungen zu befreien. Eine ehrliche Freundschaft entwickelt sich zwischen den beiden Männern. Doch im Krankenhaus, das nur heilbar Kranke aufnehmen darf, stößt Merricks Anwesenheit auf Widerstand. Gleichzeitig avanciert der "Elefantenmensch" zum Gesprächsthema der Londoner Gesellschaft, so dass Königin Victoria persönlich zu seinen Gunsten bei der Krankenhausverwaltung interveniert und ständiges Aufenthaltsrecht für ihn durchsetzt. Doch damit ist Merricks Tortur keineswegs beendet. Die gesellschaftlichen Vorurteile sitzen zu tief, als dass er sich ihnen entziehen könnte.


Zusatzinfo

"Der Elefantenmensch" ist ein bewegender Film, der jenseits von oberflächlichem Horror die menschliche Seite der Tragödie eines entstellten Menschen thematisiert. Auf radikale Weise greift Regisseur David Lynch die gängigen Vorstellungen dessen an, was man sich unter einem Menschen vorzustellen habe. Bewusst entlässt er den Zuschauer mit der beunruhigenden Frage, was "normal" und was "nicht normal" ist. Der Film beruht auf dem authentischen Fall des Mannes Joseph Carey Merrick (1862 - 1890), von dem man zu Lebzeiten annahm, dass er an Elefantiasis leide. Spätere Untersuchungen legen jedoch den Schluss nahe, dass Merrick am Proteus-Syndrom litt, einer seltenen Krankheit, die Wucherungen von Knochen und Gewebe verursacht.
Obwohl zur Zeit der Filmentstehung noch relativ unbekannt, kann David Lynch eine hochrangigen Besetzung für sein Projekt gewinnen: In der Rolle des Arztes Dr. Frederick Treves ist der vielfach ausgezeichnete Oscarpreisträger Anthony Hopkins zu sehen, John Hurt verkörpert den Joseph Merrick. Darüber hinaus sind die Komikerin Anne Bancroft sowie die britische Theater- und Filmlegende John Gielgud in Lynchs Film mit von der Partie.
John Hurt, der seine Karriere in den 60er Jahren begann, hat durch Auftritte in Filmen wie "Dead Man" von Jim Jarmusch (1995), "Two Nudes Bathing" von John Boorman (1995), "Corellis Mandoline" von John Madden (2001) und "Dogville" von Lars von Trier (2003) von sich reden gemacht. Anthony Hopkins, der 2006 mit dem Cecil B. De Mille Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, begann seine Karriere in den 60er Jahren hauptsächlich mit Theaterverfilmungen wie "Hamlet" von Tony Richardson (1969). In jüngerer Zeit spielte er sehr unterschiedliche Rollen, so in "Das Schweigen der Lämmer" von Jonathan Demme (1991), "Wiedersehen in Howards End" von James Ivory (1992), "Willkommen in Wellville" von Alan Parker (1994), "Nixon" von Oliver Stone (1995), "Rendezvous mit Joe Black" von Martin Brest (1998) und zuletzt in "Der menschliche Makel" von Robert Benton (2003). Regisseur David Lynch, geboren 1946, begann seine Cineastenlaufbahn zunächst mit Animations- und Kurzfilmen. 1977 erregte er mit seinem Spielfilmdebüt "Eraserhead" Aufmerksamkeit und realisierte 1980 mit "Der Elefantenmensch" seinen zweiten Spielfilm. Heute wird sein Name vor allem mit unheimlich-poetischen Produktionen wie "Blue Velvet" (1986), "Lost Highway" (1997) und "Mulholland Drive" (2001) in Verbindung gebracht, wobei Lynch mit dem anrührenden, menschelnden Film "Straight Story - Eine wahre Geschichte" (1999) bewiesen hat, dass ihm auch andere Genres liegen. Sein Film "Der Elefantenmensch" wurde 1981 in acht Kategorien für den Oscar und in vier Kategorien für den Golden Globe nominiert und mehrfach mit dem BAFTA Film Award ausgezeichnet: Unter anderem wurde John Hurt als bester Schauspieler prämiert. 1982 gewann "Der Elefantenmensch" einen César als bester ausländischer Film. ARTE präsentiert Lynchs frühes Werk als Auftakt einer Filmreihe, die sich den Arbeiten des Regisseurs widmet.

Im weiteren Verlauf des Schwerpunkts werden am 14. Februar 2007 um 22.25 Uhr "Blue Velvet - Gefährliche Blicke" und abschließend, am 15. Februar 2007 um 20.40 Uhr, "Straight Story - Eine wahre Geschichte" zu sehen sein.

Erstellt: 05-02-07
Letzte Änderung: 16-09-08