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Die Juden - Geschichte eines Volkes

Von der Antike bis zur Gegenwart: Auf den Spuren historischer Figuren, die Zeugen wichtiger Ereignisse der jüdischen Geschichte waren

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Die Juden - Geschichte eines Volkes

Von der Antike bis zur Gegenwart: Auf den Spuren historischer Figuren, die Zeugen wichtiger Ereignisse der jüdischen Geschichte waren

Die Juden - Geschichte eines Volkes

30/04/07

Der Erfolgreiche

Giacomo Meyerbeer (1791 - 1864), ein Nachkomme Jost Liebmanns, war ein gefeierter Opernkomponist und im 19. Jahrhundert eine überragende Gestalt in der Welt der Musik. Seine Landsleute überhäuften ihn einerseits mit allen Ehrungen für einen großen Deutschen, verunglimpften ihn aber auch oft als "kosmopolitischen" Juden.

Das Wunderkind, Sproß einer sehr reichen, gebildeten und einflußreichen Familie, die in Berlin eine führende Rolle spielte, wurde schon als Kind Ziel antisemitischer Ressentiments. Diese Erfahrung verletzte ihn tief und hinterließ seelische Wunden für sein ganzes Leben. Die Wirkungen der Haßliebe der Deutschen zu dem brillanten musikalischen Genie auf Meyerbeers Charakter und Auftreten, auf seine Eitelkeiten und Ängste, spiegeln den Ehrgeiz und die Qualen der tiefen Sehnsucht nach Anerkennung vieler deutschen Juden. Anders als Rahel, die die Seiten wechselte und sich taufen ließ, blieb Giacomo trotzig-stolzer Jude. Auf die Animosität, mit der man ihm begegnete, reagierte er mit unermüdlichem Streben nach Erfolg, Anerkennung und Ruhm.

Er war neurotisch, labil und pessimistisch, arbeitete bis zur Erschöpfung, konnte keine Kritik vertragen und witterte hinter jedem Fehlschlag und Tadel sogleich antisemitische Motive. Er blieb gläubiger Jude, wollte aber unbedingt auch als großer Deutscher anerkannt werden.

Giacomo Meyerbeers beständiger Drang nach Erfolg, seine nervöse Unruhe, sein resigniertes Seufzen "Riches (Judenhaß) ist ewig" und seine fatalistische Ergebenheit in das, was er als schmerzliches Schicksal aller Juden empfand - all das fand sich später bei vielen deutschen Juden wieder. Er war großzügig, konnte in Geschäftsdingen aber auch unerbittlich sein. Seine Liebesbedürftigkeit war unersättlich. Viele andere deutsche Juden waren ihm darin ähnlich.

Weder sein Reichtum noch sein Ruhm als großer Komponist verschafften ihm innere Ruhe. Ganz Europa überhäufte ihn mit Titeln und Ehren, doch es war nie genug, um seine Ängste und Unsicherheiten zu überwinden. Er wollte Erfolg auf Erfolg. Die Haßliebe zu Deutschland begleitete ihn ein Leben lang. Der französische Kaiser, einer seiner größten Bewunderer, bot ihm die höchste Ehre an, die er zu verleihen hatte - einen Platz im Panthéon. Giacomo lehnte höflich ab: Er wollte nach seinem Tod doch in deutscher Erde begraben werden.

Erstellt: 01-03-07
Letzte Änderung: 30-04-07