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Freitag, 14. März 2008 ab 21.00 Uhr - 03/03/08

Der Fall Vera Brühne (1,2)

(1) Die Verstrickungen der rätselhaften Lebedame Vera Brühne in ein grauenhaftes Verbrechen liefern den Stoff für den größten Schauprozess der Nachkriegszeit. Denn in den Augen vieler geht es nicht nur um Mord. Es geht um das süße Leben, Reichtum und Moral, Sex und Gier, Sodom und Gomorrah.

(2) Mord aus Affekt mit anschließendem Selbstmord oder doch kaltblütiger Doppelmord? Zehn Jahre nach der Bluttat will ein junger, ambitionierter Rechtswissenschaftler den spektakulärsten Schauprozess der Nachkriegszeit noch einmal aufrollen...

© Constantin Film
(1) Vera Brühne ließ die Emotionen überschwappen. Ob nun gewissenlos und verdorben oder doch nur zielstrebig und selbstbewusst - sie wurde eine Ikone ihrer Zeit.
Nach den Osterfeiertagen des Jahres 1960 werden in einer Villa am Starnbergersee zwei Leichen entdeckt. Es handelt sich um den Arzt Herbert Schwarz sowie dessen Lebensgefährtin. Als sich herausstellt, dass Dr. Schwarz' Haus in Spanien seiner Mitarbeiterin Vera Brühne vererbt werden soll, wird diese zur Hauptverdächtigen erklärt. Aus Habgier soll sie zusammen mit ihrem - wie Staatsanwalt Böck formuliert - "sexuell hörigen" Komplizen Johann Ferbach die Morde begangen und sich dadurch ihr Erbe gesichert haben.
Vera Brühne, die über kein ausreichendes Alibi verfügt, beginnt sich bei mehrmaligen Befragungen in Widersprüche zu verstricken. Durch die pikant erotischen Details, die im Laufe des Prozesses zutage treten, werden die Verhandlungen zum die Republik erschütternden Ereignis.

(2) Am 25. April 1962 wird die Hauptverhandlung gegen die Angeklagten Vera Brühne und Johann Ferbach wegen gemeinschaftlich begangenen Doppelmordes eröffnet. Oberstaatsanwalt Böck, von der Schuld der Angeklagten überzeugt, hatte zuvor die Ermittlungen unerbittlich vorangetrieben und kleinste Ungereimtheiten als Beweise für den Mord interpretiert. So werden ein Brief und ein Autokauf zum "Passierschein für die Mörder". Als schließlich noch Brühnes Tochter Stephanie ihre Mutter vor dem Ermittlungsrichter schwer belastet, werden Vera Brühne und Johann Ferbach nach 22, von der sensationslüsternen Öffentlichkeit leidenschaftlich verfolgten Prozesstagen, zu lebenslanger Haft verurteilt.
Zehn Jahre nach dem Doppelmord und der anschließenden Verurteilung stößt der Tübinger Rechtswissenschaftler Wilhelm Haddenhorst auf eine Prozessakte dieses Falles und fängt sofort Feuer. Er durchforstet sämtliche Akten und Protokolle und entdeckt dabei zahlreiche Ungereimtheiten. Seine Schlussfolgerung: Die beiden Verurteilten hätten nach Aktenlage nie überführt werden dürfen. Doch davon muss er erst das Bundesverfassungsgericht überzeugen...

© Constantin Film
Zusatzinfo

"Der Fall Vera Brühne" ist nicht nur ein akribisch erstellter, sich auf höchstmögliche Authentizität berufender Gerichtsfilm, sondern ebenso Sittengemälde einer Zeit. Ohne sich auf Schuld oder Unschuld der Protagonistin festzulegen, zeigt Hark Bohms Inszenierung das Kesseltreiben gegen Vera Brühne, eine Frau, die sich den Moralvorstellungen ihrer Zeit nicht unterworfen hat. Wie wäre der gleiche Prozess mit einer anderen Frau verlaufen? Hätte eine 50-jährige Durchschnittsbürgerin in den 60er Jahren je Anlass geben können zum größten Schauprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte? "Der Fall Vera Brühne" ist ein Film über den letzten großen deutschen Hexenprozess.
Regisseur Hark Bohm, 1939 in Hamburg geboren, absolvierte 1966 das Staatsexamen im Studium der Rechtswissenschaften. Schon drei Jahre später wandte er sich seiner zweiten Leidenschaft - dem Filmemachen - zu. Er begann als Schauspieler unter der Regie von Fassbinder und führte selbst bei einigen Kurzfilmen Regie, bevor er 1972 seinen ersten preisgekrönten Film "Tschetan, der Indianerjunge" (Buch und Regie) realisierte. Es folgten zahlreiche renommierte Werke wie "Yasmine" (1988, Buch und Regie), für den Hark Bohm den Bundesfilmpreis in Gold erhielt. Bohm engagierte sich als Initiator und Mitbegründer des "Hamburger Filmbüros" (1979), des "Filmfests Hamburg" (1979) und etablierte und leitet in Hamburg einen Studiengang Film- beziehungsweise Theaterregie. In den letzten Jahren steht Hark Bohm wieder vermehrt vor der Kamera, so in "Charlotte Link: Das verräterische Collier" (2004) und Steve Hudsons "True North" (2006).
Corinna Harfouch, 1954 in Suhl geboren, beherrscht als Vera Brühne mit einer großen Ausstrahlung den Film. Harfouch hat neben ihrer Theaterkarriere in zahlreichen Kinoproduktionen mitgespielt und wurde eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Films. 1997 erhielt sie den Adolf-Grimme-Preis für ihre Rolle in "Gefährliche Freundin", 2001 den Deutschen
© Constantin Film
Fernsehpreis für ihre Hauptrolle in "Vera Brühne", 2003 folgte der Deutsche Filmpreis als beste Nebendarstellerin für die Hexe Rabia in "Bibi Blocksberg" sowie weitere Auszeichnungen und Nominierungen, die durch die Goldene Kamera (2007) gekrönt wurden. Für ihre Rolle in "Wut" wurde sie bei den New York Festivals 2007 mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Sie spielte die "Eva Blond" in der SAT.1-Krimi-Reihe und war in der Kinoproduktion "Der Untergang" oder in "Rose", dem Fernsehpreissieger 2007 zu sehen.
Uwe Ochsenknecht, 1956 in Mannheim geboren, avancierte nach seinem Durchbruch als Bohèmien in Doris Dörries "Männer"(1985, Bundesfilmpreis) zu einem der populärsten deutschen Schauspieler. Für seine Rolle in "Der Fall Vera Brühne" wird er mit dem Deutschen Fernsehpreis 2001 als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. 2003 steht er gemeinsam mit seinen Söhnen Jimmy Blue und Wilson vor der Kamera. "Die Wilden Kerle - Alles ist gut, solange du wild bist!" wird ein derartiger Publikumserfolg, dass drei weitere Teile folgen.
Ulrich Noethen wurde 1959 in München geboren. Seine Schauspielkarriere begann am Freiburger Theater unter anderem mit Frank Castorf. Für seine Rolle in dem Fernsehfilm "Der Ausbruch" (1997, Mark Schlichter) wurde Ulrich Noethen 1997 mit dem Bayerischen Fernsehpreis, für seine Rolle in Joseph Vilsmaiers "Comedian Harmonists" 1998 als bester Hauptdarsteller mit dem Bundesfilmpreis und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Den Bayerischen Filmpreis bekam er auch als bester Darsteller für die Rolle des Herrn Taschenbier in "Das Sams" (2001, Ben Verbong). Zuletzt erhielt Noethen die Goldene Kamera als bester deutscher Schauspieler des Jahres 2006 und war unter anderem in "Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei" (Deutscher Fernsehpreis 2006) und in "Silberhochzeit" (Matti Geschonneks, 2006) zu sehen.

Es folgt ein Interview mit der wahren Vera Brühne um 23.55 Uhr!



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Der Fall Vera Brühne (1,2)
Fernsehfilm, Deutschland 2001, NDR
Regie: Hark Bohm; Buch: Hark Bohm; Kostüme: Birgit Missal; Kamera: Frank Küpper; Schnitt: Inez Regnier; Ausstattung: Bernd Lepel; Maske: Gerlinde Kunz, Gerhard Nemetz; Musik: Stephan Zacharias; Produzent: Bernd Eichinger, Herman Weigel, Martin Moszkowicz; Produktion: Constantin Film, SAT 1, NDR; Redaktion: Doris J. Heinze, Joern Klamroth
Mit: Corinna Harfouch - (Vera Brühne), Uwe Ochsenknecht - (Johann Ferbach), Ulrich Noethen - (Böck, Oberstaatsanwalt), Hans Werner Meyer - (Dr. Wilhelm Haddenhorst), Anton Pointecker - (Dr. Dietrich Schwarz), Bernd Fischerauer - (Dr. Vogt), Mavie Hörbiger - (Stephanie Virno), Fritz Wepper - (Dr. Xaver Wallner), Katja Flint - (Isabel Mende), Udo Wachtveitl - (Sternmüller)
(1) 87 Min., 21.00 Uhr, (2) 89 Min., 22.25 Uhr
Wiederholung (1), 19. März, 1.15 Uhr; Wiederholung (2), 26. März, 0.55 Uhr

Erstellt: 03-03-08
Letzte Änderung: 03-03-08