01/02/03
Der Film von Hong Kong
Hongkong: Das Goldene Zeitalter ist vorbei, Platz für die Krise
Das Goldene Zeitalter des Hongkong-Kinos war die Zeit der Kung-Fu-Filme vor gut dreißig Jahren - B-Movies, die chinesische Operntradition und Kino-Magie wundervoll miteinander kombinierten: Akrobatik, Tanz, Musik, Kostüme und Farbenpracht haben Zuschauer auf der ganzen Welt begeistert. Dieser Erfolg hat zahlreichen Filmemachern der 80er-Jahre, die von manchen immer noch als „verwöhnte Kinder“ bezeichnet werden, erlaubt, freizügigere Filme zu drehen und neue Formen zu finden. Wong Kar-wai (dessen letzter Film „In the Mood for Love“ in Frankreich sehr erfolgreich war) ist dafür ein brillantes Beispiel. Seine Filme sind von der Operntradition genauso inspiriert wie vom realitätsnahen westlichen Autorenkino. Der durch die Kameraführung entstehende Effekt einer Abstraktion der Körper erinnert an die Martial-Arts-Streifen (Spiel mit dem Rhythmus, der Verlangsamung der Bewegungsabläufe, den wechselnden visuell wahrgenommenen Geschwindigkeiten). Aber die Geschichten, die Wong Kar-wai erzählt, speisen sich aus den Obsessionen ihres Autors: sexuelle Ausweglosigkeit, Exil, Unmöglichkeit, auf „mütterlicher“ Erde – in China – zu leben und zu arbeiten. Leider quält sich das Hongkong-Kino seit Mitte der 90er-Jahre mit schweren wirtschaftlichen Problemen, deren Ursache wahrscheinlich eine Identitätskrise ist. Die Angst vor der Rückgabe an China hat eine Art Psychose erzeugt: die Angst zu verschwinden, die Schwierigkeit, sich im Hinblick auf Festlandchina zu definieren. Sichtbarste ökonomische Konsequenzen waren das wachsende Desinteresse der Zuschauer an diesem Kino, die Flucht von Filmemachern Richtung Hollywood (John Woo oder Tsui Hark haben dort gute und schlechte Zeiten erlebt) sowie die enorme Entwicklung der DVD- bzw.VCD-Piraterie, ein Markt, der heute fest in der Hand von Mafia-Organisationen ist.
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 01-02-03