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China

In dieser Rubrik können Sie die Zusammenfassungen und Kommentare der, von ARTE gesendeten Filme, wieder finden.

China

01/02/03

Der Film von Taïwan

Taiwan: Schmerzen und Flüstern

Das Kino Taiwans hat Mitte der 80er-Jahre seinen eigenen Weg gefunden. Damals verbot die herrschende diktatorische Macht jedem, von der bewegten Geschichte dieser atypischen Insel zu sprechen: zwischen 1895 und 1945 von den Japanern besetzt, nach 1949 in der Gewalt der republikanischen Chinesen – es war schwer für die Taiwanesen zu wissen, wer sie überhaupt waren. Das Kino spiegelt diese Identitätssuche wieder. Hou Hsiao Hsien etwa, einer der Begründer der „Neuen Welle“, hat eine Trilogie über die Geschichte Taiwans gedreht („City of Sadness”, „The Puppetmaster”, „Good Men Good Women”). Darin entwickelt er eine sehr spezielle, charakteristische und radikal innovative Ästhetik: ein Flüsterkino, in dem die Schauspieler sich in sehr langen, ruhigen Einstellungen einrichten und das Wort verstummt ist. Edward Yang, der mit seinem Film “A Brighter Summer Day” einer der Großen geworden ist, zeigt die Jugend dieser Zeit als Gefangene des schmerzlichen Erbes ihrer Väter. Aber es ist „Yi yi”, mit dem der Filmemacher 1999 international bekannt wird. Als brillanter Erbe dieser „nouvelle vague“ handelt Tsai Ming-liang („Der Fluss“ 1996, „Vive l’Amour”/Aiqing Wansui, 1994) die schwierige Kommunikation zwischen den Generationen ab. Seiner immer wieder rückfällig werdenden Figur Hsiao Kang gelingt es nie, „ drinnen” zu bleiben. Auf der Suche nach einer Identität, einer entschwundenen Magie, von der er nichts mehr weiß, irrt er durch Taipeh. Ang Lee wiederum ist ein Filmemacher besonderer Art. Der in die USA emigrierte Taiwanese vermischt westliche und chinesische Einflüsse. „Tiger and Dragon“ etwa, ebenfalls ein Erfolg an den französischen Kinokassen, lehnt sich an die Ästhetik der Kung-Fu-Filme, chinesische Legenden und eine sehr amerikanische Erzählweise an (dramatische Spannung, Thriller).

Das Problem, vor dem die taiwanesischen Filmemacher heute stehen, ist sehr simpel: Wie Geld auftreiben, wenn ihre Filme bei ihnen nicht mehr im Verleih sind? Auf sich allein gestellt haben sie nur eine Chance: ausländische – asiatische und europäische - Finanzierungen.

Die Kinowelten Hongkongs, Taiwans und Festlandchinas haben immer wieder neue Formen und Geschichten hervorgebracht und dabei das Beste des modernen westlichen Kinos integriert. Aber derzeit sind sie in der Krise, was, wie skizziert, an der Ökonomie, der Identität oder der Zensur liegt. Hollywood hat vor kurzem seine Türen für chinesische Einflüsse geöffnet, um sein großes Ausstattungskino wiederzubeleben; in ähnlicher Weise hatte es zwischen den beiden Weltkriegen europäische Cineasten (Lubitsch, Lang) mit offenen Armen empfangen. Auch das europäische Kino muss auf jede mögliche und vorstellbare Weise seine Verbindungen zu den drei chinesischen Kinowelten entwickeln, damit jede von ihnen die Chance bekommt, weiter zu existieren.

Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 01-02-03