Die Theiß, größter Nebenfluss der Donau und zweitgrößter Fluss Ungarns, galt einst als das fischreichste Gewässer Europas. Balázs ist Fischer in Algyö, einem kleinen Ort an der Theiß im Südosten Ungarns. Täglich fährt er mit seinem Boot auf den Fluss und kontrolliert seine Reusen. Manchmal findet er nur einen einzigen kleinen Fisch darin.Am vielleicht größten Tag seines Lebens, sagt Balázs, im Jahre 1996 habe er noch einen 86 Kilo schweren, über zwei Meter langen Wels gefangen. Doch im Jahre 2000 brach eine Katastrophe über den Fluss, ihn und die anderen Fischer herein. Alles schien zu Ende. Giftiger Schlamm war aus einem Bergwerk in Rumänien in die Theiß gelaufen, der Fluss so giftig, dass die Fische an Land sprangen. Der Hund von Balázs fraß einen Fisch und starb. Die Bilder von der sterbenden Theiß, die um die Welt gingen, hat er aufgenommen. Alles ging in die Brüche, Balázs Existenz - jahrelang musste er sich mit Hilfsjobs über Wasser halten - und auch seine Ehe. "Mein Vater hat immer gesagt, die Theiß wird dich krank machen, aber auch wieder heilen, und genau so war's", erzählt er.
Noch ein Jahr nach der Katastrophe waren Balázs und seine Kollegen ohne Arbeit und Perspektive. Lange habe er überlegt, ob er überhaupt weitermachen solle. Er entschloss sich zu kämpfen, besuchte den Unglücksort in Rumänien und reiste zu den Managern des zuständigen Konzerns in Australien: Er hat ihnen sein Fischermesser geschenkt, das er nicht mehr brauchte, geholfen haben sie nicht. Der einfache Flussfischer wurde zum Sprachrohr seiner Kollegen und zum Helden - und er fing an alles aufzuschreiben. In seinem Buch hält er fest, was das Leben seiner Vorväter hier an der Theiß ausmachte und wie er jetzt mit seinem zurechtkommen muss. Alten Aufzeichnungen zufolge, notiert Balázs, soll die Theiß an manchen Stellen einmal mehr Fisch als Wasser geführt haben.Der Autor Alexander Stenzel ist mit Balázs auf den Fluss gefahren, hat die Enttäuschung miterlebt, wenn Reusen und Netze fast leer waren, war aber auch dabei, als er mit anderen ungarischen Flussfischern in der Nacht ein 120 Meter langes Netz auswarf und die "Fischervereinigung" einen guten Fang feierte. Am Fluss gibt es wieder Hoffnung. Die Theiß hat sich schneller erholt als alle zu hoffen wagten.
Und selbst wenn die riesigen Welse niemals wieder zurückkehren, Balázs wird für den Rest seines Lebens nichts anderes machen als in der Theiß zu fischen, denn nur beim Fischen fühle er sich gut, ohne das wäre er bestimmt schon durchgedreht, gesteht er.
Einen Ort, an den es Balázs immer wieder hinzieht? Er hat das Kamerateam mitgenommen, an einen der Altarme der Theiß, abgeschnitten vom Fluss. Hier ist das Gift nie hingekommen. Eine Idylle, wie früher überall an der Theiß.






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

