Der Himmel über BerlinSpielfilm, Frankreich 1987, ARTE, 123 Min.
Regie: Wim Wenders
Drehbuch: Wim Wenders, Peter Handke, Richard Reitinger
Kamera: Henri Alekan
Musik: Jürgen Knieper, Laurie Anderson, Laurent Petitgand
Schnitt: Peter Przygodda
Produktion: Argos Films
Produzent: Anatole Dauman, Wim Wenders
Mit: Bruno Ganz (Damiel), Solveig Dommartin (Marion), Otto Sander (Cassiel), Curt Bois (Homer, der alte Poet), Peter Falk (Filmstar), Hans Martin Stier (Sterbender), Elmar Wilms (trauriger Mann), Sigurd Rachman (Selbstmörder), Beatrice Manowski (Strichmädchen), Lajos Kovács (Marions Trainer), Bruno Rosaz (Clown), Laurent Petitgand (Kappelmeister), Chick Ortega (Schlagzeuger im Zirkus)
- Synopsis
Die Engel Damiel und Cassiel sind im geteilten Berlin unterwegs. Unsichtbar für die Erwachsenenwelt können nur Kinder die beiden Lichtwesen sehen, die seit Jahrhunderten über die Menschen wachen, ihren Werdegang begleiten und ihnen tröstend zur Seite stehen. Im Gegensatz zur farbigen menschlichen Welt sind die beiden Engel von einem schwarz-weißen Universum umgeben, in dem sie die Erlebnisse der Menschen zwar beobachten, aber nicht mitfühlen, nicht spüren, nicht selbst erleben können. Nur indirekt, indem sie die Gedanken der Erdenbürger lesen und dem Strom ihres Bewusstseins folgen, können die beiden Engel das menschliche Leben nachempfinden. Umso stärker verspürt Damiel den Wunsch, am Erdenleben teilhaben zu können: eine Tasse Kaffee zu schmecken, die winterliche Kälte zu spüren, einen Stift in die Hand zu nehmen. Als Damiel bei einem seiner Streifzüge durch die städtische Einöde Berlins der zauberhaften Trapezkünstlerin Marion begegnet, ist er so tief von ihrer Grazie und der Schönheit ihrer Seele berührt, dass er sich in die Artistin verliebt. Von nun an hat der Engel nur noch das eine Ziel: ein Mensch und damit sichtbar für seine Angebetete zu werden. Doch dieser Schritt hat Konsequenzen: Um wirklich irdisch zu werden, muss Damiel auf seine Unsterblichkeit verzichten.
- Zum Film
Der Himmel über Berlin ist eine poetische Liebeserklärung an das menschliche Leben und seine Sinnlichkeit, ein Film, der über die Schönheit der Welt und über die kleinen Wunder des Alltags philosophiert. Meditative, teils dokumentarische Bilder der Großstadt Berlin, Traumvisionen, Zirkusnummern und Rockmusikeinlagen verleihen dem Film eine magische Schwerelosigkeit. Aufregend schöne Aufnahmen fremdartiger, großstadtromantischer Landschaften lassen an Walter Ruttmanns "Berlin, Sinfonie einer Großstadt" (1927) denken. Erst mit der Metamorphose des Engels Damiel geht eine ästhetische Veränderung einher: Die geheimnisvolle, distanziert wirkende Hyperrealität in Schwarz-Weiß verwandelt sich in lebensnahe Farbigkeit, und die verträumten, fremdartig wirkenden Dialoge verändern ihren Ton.
Mit deren stark an Kinderreime erinnerndem Singsang gab Schriftsteller und Koautor Peter Handke dem Film einen außergewöhnlichen Rhythmus und Stil. Zugleich greift "Der Himmel über Berlin" trotz seines märchenhaften Charakters mit der Darstellung der Berliner Mauer eine konkrete politische Wirklichkeit auf und thematisiert die nicht nur räumliche, sondern ideologische Trennung eines Landes. Insbesondere in Verbindung mit dem Potsdamer Platz entwickelt der Film ein Geschichtsbewusstsein und stellt die Vorkriegsvergangenheit den Zuständen der Stadt zu DDR-Zeiten gegenüber. Regisseur Wim Wenders zählt heute zu den wenigen international renommierten deutschen Regisseuren, die auch in den USA zu Erfolg gekommen sind. 1945 in Düsseldorf geboren, begann er nach dem Abitur zunächst ein Studium der Medizin und Philosophie, ehe er ab 1967 an der Hochschule für Film und Fernsehen in München sein Filmstudium aufnahm.
Mit dem Ziel, Produktion und Vertrieb neuer deutscher Filme zu fördern, gründete Wenders 1971 mit zwölf weiteren Filmemachern den genossenschaftlichen Filmverlag der Autoren. Für sein fantasievolles Filmmärchen Der Himmel über Berlin wurde Wenders 1987 beim Filmfestival in Cannes und 1988 mit dem Europäischen Filmpreis für seine Regiearbeit ausgezeichnet. Auch Henri Alekan wurde für seine Kameraarbeit mit dem Europäischen Filmpreis prämiert.
Wenders neuestes Projekt Don't Come Knocking (2005), das beim Filmfestival in Cannes 2005 für die Goldene Palme nominiert war, wird voraussichtlich ab August 2005 in den deutschen Kinos zu sehen sein. Anlässlich seines 60. Geburtstags am 14.08.2005 widmet ARTE dem Regisseur Wim Wenders eine fünfteilige Filmreihe, die eine Auswahl seiner wichtigsten Filme vereint.
Neben Der Himmel über Berlin zeigt ARTE am 17.08. um 23.00 Uhr Alice in den Städten, am 22.08. um 20.50 Uhr Der amerikanische Freund, am 24.08. um 23.00 Uhr Im Lauf der Zeit und am 29.08. um 20.50 Uhr Der Stand der Dinge.






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