Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > ARTE Journal

ARTE Journal

ARTE Journal bietet den europäischen Blick auf die wichtigsten Ereignisse des Tages.

> > Malcom McLaren: „Der Mann, der die britische Kultur in einen billigen Marketingtrick verwandelte“

ARTE Journal - 9. April 2010 - 09/04/10

Der Mann, der die britische Kultur in einen billigen Marketingtrick verwandelte

Ob Tokio Hotel oder DSDS-Anwärter, ein bisschen Punk – ein bisschen angedeutete Rebellion gehört heute einfach mit zum guten Ton im Musik- und Showbusiness. Hof fähig hat die No Future-bewegung der Manager der wohl berühmtesten Punkband - den Sex Pistols - Malcom McLaren. Er starb am Donnerstag im Alter von 64 Jahren

„Scharlatan, Betrüger oder Svengali. Oder aber: Der Mann, der die britische Kultur in einen billigen Marketingtrick verwandelte“, das wollte McLaren selber in seinem Nachruf lesen, wie er mit typisch britischem Humor einst einem Reporter erzählte. Tatsächlich ist er gerade unter den „echten“ Punkern, Musikern und Kritikern schwer umstritten, weil er tat, was er tat.

Er machte den Punk zum Mainstream. Provokation, Konfrontation mit dem Establishment und Skandale – all das war bei ihm wohl geplant.
Er verpasste der Band „The Strand“ den Namen „Sex Pistols“, holte den Sänger Johnny Lydon (Rotten) dazu und organisierte die später legendären Auftritte. Er wollte schocken und so sangen die Sex Pistols „God save the Queen“ - ihren heute berühmtesten Hit – bei einem Konzert auf der Themse während die restlichen Briten durch die Straßen Londons zogen um das Kronjubiläum und damit ihr Königshaus zu feiern.

Mit seiner Freundin Vivienne Westwood zusammen entwarf er die Kostüme der Band. der Band. Die britische Boulevardpresse blies zum Gegenangriff und titelte: „Bestraft die Punks!“. Was einige zu wörtlich nahmen: zweimal wurden die Bandmitglieder auf der Straße verprügelt.
Nur drei Jahre gab es die Sex Pistols – und trotzdem sind sie bis heute berühmt – berüchtigt. Punk war plötzlich keine Untergrundbewegung mehr, sondern ging in die Geschichte der Popkultur ein.

Der Sänger der Sex Pistols Rotten soll Mclaren später vorgeworfen ahben, er habe die Band ins einer gier nach Ruhm und Geld verheizt. Das ganze Rabauken-Image sei seine Erfindung gewesen. Angeblich soll McLaren einmal ausgerastet sein, weil die Band statt das Hotelzimmer punklike zu zertrümmern einfach nur Reggae-Platten hörte.
McLaren selbst machte nie ein Geheimnis daraus, worin seine wirklichen Absichten bestehen:
„Mein Job auf dieser Welt ist es, mit den Medien ins Bett zu steigen, um auf diese Weise mit meinen Ideen, die Welt zu verändern. Punkrock war so eine Idee“.

Und bis zuletzt seine beste. Später betreute er die Band Adam and the Ants, machte selbst Musik. Double Dutch biel ein One-HitWonder.
2000 wollte er sogar in die Politik einsteigen und Londoner Bürgermeister werden, zog aber dann seine Kandidatur zurück.




Erstellt: 08-04-10
Letzte Änderung: 09-04-10