
Finnland 2002, 97 min.
Regie: Aki Kaurismäki
mit Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Tähti
Grosser Preis + Preis beste Darstellerin : Kati Outinen - Cannes 2002
| Impression / Cannes 2002: Aki Kaurusmäki war in Feierlaune bei der Cannes-Party zu Ehren der Premiere seines neuen Films The Man without a Past, bei der Anniki Tähti, die grosse alte Dame des finnischen Schlagers und Kaurusmäkis Lieblingsband Marko Haavisto & Poutahaukat, die im Film als The Savation Army Band auftreten, für ausgelassene Stimmung sorgten Zum Video |
![]() | Szenebilder aus Der Mann ohne Vergangenheit |
Synopsis: Ein namenloser Mann kommt in eine Stadt und wird im erstbesten Moment zu Tode geschlagen. Hier beginnt das epische Drama, der Film oder sollten wir sagen der Traum eines einsamen Herzens mit leeren Taschen unter dem großen Himmel unseres Herrn oder sollten wir sagen unter den Vögeln. - Aki Kaurismäki -
Kritik: ‚Die Welt an sich und das Dasein ist sehr traurig’ sagt Aki Kaurismäki. Und weil das so ist, hat er beschlossen, seine Zuschauer mit einem Happy End zu belohnen. Das ist sehr freundlich von dem bärbeißigen Finnen, der sein Handy während der Pressekonferenz in den Mülleimer wirft, weil es überraschend klingelt. ‚Sonst ruft auch nie jemand an’, meint er grimmig, ‚warum dann jetzt?’ und als die versammelten Journalisten erheitert reagieren fügt er hinzu: ‚So eine Reaktion erwartet man doch von mir, oder?’
So einen Film haben wir auch wieder von ihm erwartet. Er enthält all das, was schon DAS MÄDCHEN AUS DER STREICHHOLZFABRIK vor zwölf Jahren zu etwas ganz Besonderem machte. Kaurismäki ist ein Freund des finnischen Proletariats und in fast all seinen Filmen porträtiert er dessen Vertreter. Aber er ist ganz weit entfernt von dem sozialkritischen Realismus etwa eines Ken Loach. Seine präzisen, geschliffenen Charaktere bewegen sich in einer künstlichen, sehr atmosphärischen Welt. Dafür sorgen auch die Ausleuchtung, die Kadrage und die langen Einstellungen des Kameramannes Timo Salminen, der schon seit über zwanzig Jahren gemeinsam Filme mit dem Finnen realisiert.
Kaurismäkis Anliegen ist es, möglichst ökonomisch und effektiv zu arbeiten. Jede Szene wird gleich gedreht, es gibt kein Proben mit Schauspielern, ‚das Drehen ist die Probe’ meint Kaurismäki. Auch darüber, wie ein Charakter sein soll, diskutiert er lieber nach als vor dem Dreh. Doch für die Schauspieler scheint diese ungewöhnliche Arbeitsweise kein Problem zu sein. Kati Outinen, - das Mädchen aus der Streichholzfabrik – hat in insgesamt zehn Filmen von Kaurismäki mitgewirkt.
In THE MAN WITHOUT A PAST darf sie ein Engel in doppeltem Sinne sein: Sie ist es, die dem Namenlosen Mann ohne Vergangenheit die Suppe in der Heilsarmee einschenkt, und sie ist es, die ihm die Liebe zeigt.
Aber wie Kaurismäki in THE MAN WITHOUT A PAST eine Tragödie mit einem Happy End verbindet, so lässt er diesmal auch erstmalig eine Band in einem ernsthaften Film auftreten: die Band der Heilsarmee darf von Folklore bis Rock alles schmettern, und der Mann ohne Namen fühlt sich als Mann mit Aufgabe als Manager derselben. Früher brach Kaurismäki ab und zu ins comichafte Genre aus, etwa mit seinen beiden Filmen über die Leningrad Cowboys – die schlechteste Band der Welt: LENINGRAD COWBOYS GO AMERICA (1989) und LENINGRAD COWBOYS MEETS MOSES (1994).
THE MAN WITHOUT A PAST verbindet diesmal all das, was Kaurismäki seinem Publikum zu sagen hat, zu einem einzigen, wundervollen Film.
Nana A.T. Rebhan






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